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Test: KTM 390 Duke - Kurvensuchgerät

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Die KTM 390 Duke kann getrost als "Kurvensuchgerät" bezeichnet werden Foto: Marco Campelli / Sebas Romero

KTM hat mit dem kräftig überarbeiteten Puristen-Roadster 390 Duke die Messlatte in der ambitionierten Mittelklasse höher gelegt.

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In letzter Zeit tauchen immer mehr Motorräder mit einem eher kleinen Hubraum zwischen 250 und 400 Kubikzentimeter auf - ein klares Zeichen für die wachsende Bedeutung der Schwellenländer mit zum Teil explosiv wachsenden Zweiradmärkten. Doch auch in Europa erfreuen sich diese Modelle zunehmender Beliebtheit als ebenso unkomplizierte wie preisgünstige Einsteigerbikes. Doch gestandene Motorradfahrer betrachten diese Kategorie als langweilig, im besten Falle als vernunftbetont. Dieses Vorurteil fegt KTM mit seiner 5.395 Euro teuren 390 Duke nachhaltig vom Tisch: Die frisch und kräftig überarbeitete 390 Duke ist mit hochwertigen Komponenten, herausragender Ausstattung und einem scharfen Look alles andere als einschläfernd.
 
Zum Hingucker wird die Duke durch den markanten LED-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht und orangene Felgen, den prägnanten Gitterrohrrahmen mit Fachwerkschwinge und die extrem athletische Silhouette, alles in auffälligem Orange, Weiß und Schwarz gehalten. Diese rassige Anmutung teilt die 390er-Duke mit ihren Schwestern mit 125 und 250 Kubik, die wie diese in Indien beim KTM-Kooperationspartner Bajaj gefertigt werden. Bevor die Dukes zum Händler kommen, durchläuft jedes Exemplar am Stammsitz in Mattighofen noch eine Endkontrolle.
 
Vom 83 Zentimeter hohen, eine leichte sportliche Vorlage verlangenden Plätzchen prägen hochwertige Details den Blick nach vorn wie der breite konische Lenker und das erste farbige TFT-Display der Klasse. Mit Ganganzeige, vom Lenker aus bedienbarem Menü, automatischer Helligkeitserkennung und drehzahlabhängigem Farbwechsel stellt der aufgeräumte Bildschirm ein Muster an Ablesbarkeit dar.
 
Für viel farbige Abwechslung im Cockpit sorgt der überarbeitete flüssigkeitsgekühlte Einzylinder. Das neue Ride-by-Wire-System macht den Einspritzer besonders drehfreudig, ab 6000 Touren rast der digitale Drehzahlmesser rasant dem roten Bereich bei 10.500 U/min entgegen. Ihre 32 kW/44 PS aus 373 ccm Hubraum setzt die Duke in herzerfrischenden Vortrieb um, untermalt von einem erstaunlich vollen Auspuffsound aus dem rechtsseitigen Serien-Schalldämpfer. Dabei bleibt der Single trotz Ausgleichswelle ein echter Rabauke, was aber weniger stört als es dem Auftritt eine individuelle Note verpasst. Für Führerschein-A2-Aspiranten wichtig: Die neue 390 Duke ist voll A2-Tauglich ohne die früher notwendigen Drosselmaßnahmen.
 
Erwachsen ist das richtige Attribut, wenn es um das Fahrwerk geht: Vorn arbeitet eine 43 mm USD-Gabel in Open-Cartridge-Bauweise, hinten ein Stoßdämpfer mit separater Kolbentechnologie, dazwischen ein KTM-typischer Gitterrohrrahmen mit angeschraubtem Heckrahmen. Mit trocken nur 149 Kilo macht die 390er auf Anhieb einen leicht beherrschbaren Eindruck, eine handlingfreundlichere Geometrie verleiht ihr zusätzliche Agilität. Damit ergibt sich ein unheimlich leichtfüßiges, keinesfalls jedoch nervöses oder unausgewogenes Fahrverhalten in der City wie über Land. Die Federelemente sorgen für eine tolle Straßenlage und ausgezeichnete Stabilität auch auf wenig angenehmen Untergründen, die mit einer größeren 320er-Bremsscheibe vorn versehenen ABS-Stopper sind jederzeit Herr der Lage und verzögern machtvoll.
 
Die ohnehin gute Ausstattung komplettieren einstellbare Handhebel und ein auf 13,4 Liter Fassungsvermögen angewachsener Stahltank, der bei Verbräuchen von rund vier Litern weit mehr als 300 Kilometer Reichweite ermöglicht. Hinzu kommt die insgesamt gute Verarbeitung und die Option KTM MY RIDE, die für knapp 30 Euro aus dem Cockpit eine Freisprecheinrichtung samt Audioplayer macht.
 
Im Grunde genommen braucht es im kurvenreichen Hinterland nicht mehr als genau diese 390er Duke: Wer noch kein Motorradexperte ist, kommt mit der Duke auf Anhieb prima zurecht, Versierten bietet die KTM die passende Basis, um es mit allen anderen Zweirädern aufnehmen zu können. In jedem Falle sind die nur auf den ersten Blick teuren 5.395 Euro gut angelegt - die Österreicherin zahlt die Investition mit hemmungslosem Fahrspaß zurück, inklusive Besitzerstolz.

KTM 390 Duke - Technische Daten:
 
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, vier Ventile pro Zylinder, dohc, Hubraum 373 ccm, Bohrung x Hub 89 x 60 mm, Leistung 32 kW/44 PS bei 9.000 U/min, Drehmoment 37 Nm bei 7.000 U/min, Sechsganggetriebe, Kette.
 
Messwerte (Werksangaben): Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h, Test-Verbrauch: 4,3 l/100 Kilometer
 
Fahrwerk: Gitterrahmen aus Stahlrohr, vorne Upside-Down-Telegabel Ø 4,3 cm, nicht einstellbar, Zweiarmschwinge aus Leichtmetallguss, Zentralfederbein, einstellbare Federbasis; Reifen 110/70 ZR 17 (vorne) und 150/60 ZR17 (hinten). Einscheibenbremse vorn 32 cm, radial angeschlagener Vierkolben-Festsattel; Einscheibenbremse hinten 23 cm, Einkolben-Schwimmsattel.
 
Assistenzsysteme: ABS, abschaltbar, Antihoppingkupplung.
 
Maße und Gewichte: Radstand 1,357 m, Sitzhöhe 83 cm, Trockengewicht 149 kg, Leergewicht 162 kg, zul. Gesamtgewicht 355 kg, Tankinhalt 13,4 Liter.
 
Preis: 5.395 Euro

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