Automesse Barcelona

Automesse in Barcelona: Ein Versuch über die Zukunft

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Seat Mii 2. Foto: Auto-Medienportal.Net/Jens Meiners

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Schon 1919 hat sie ihre Pforten geöffnet: Die Automesse in Barcelona, die noch bis zum kommenden Sonntag auto- und technikbegeisterte Besucher in die katalanische Hauptstadt locken soll. Die Messe hat viele Phasen durchgemacht. Im vergangenen Jahrzehnt hat sie allerdings stark an Bedeutung verloren. Jetzt definiert sie sich neu - mit einer angeschlossenen Konferenz namens ,,Connected Hub", die der Branche als Inspirationsquelle für neue Ansätze und Technologien dienen soll.

Es geht dabei um autonomes Fahren, Telematik- und Infotainmentsysteme - und insgesamt um die Vernetzung von Auto, Nutzer und Infrastruktur. Hier treffen die Großen der Branche auf Startups und hochspezialisierte Unternehmen, die Kooperationspartner suchen. Sie heißen Cassius Play und Blablacar, Llollo und Goi; sie präsentieren sich auf Ständen und bei Vorträgen. Nicht unwahrscheinlich, dass man von ihnen noch hören wird.

Wer die knapp 10 Kilometer vom Flughafen El Prat zum Messegelände hinter sich gebracht hat, der weiß auch, warum das autonome Fahren auf manchen so großen Reiz ausübt: Der Verkehr steht mehr, als er fließt, das Hupkonzert sucht seinesgleichen. Doch gerade diese Fahrt gibt auch Anlass zur Skepsis, ob die autonome Zukunft wirklich so schnell kommen wird: Irgendwie geht es doch vorwärts, dank Gestikulieren und beherztem Ausnutzen der kleinsten Lücke im Verkehr. Dass ein autonomes Fahrzeug, mit der notwendigerweise vorgesehenen Sicherheitsmarge, in solchem Umfeld funktionieren könnte, ist kaum vorstellbar. Dazu müsste schon der gesamte Fuhrpark autonom fahren und kommunizieren. Selbstfahrer müssten wohl konsequent von der Straße verbannt werden. Ob das jemand will?

Kein Wunder, dass die Industrie in Barcelona auch mit einer Reihe ganz konventioneller Debüts aufwartet. Für den katalanischen Lokalmatador Seat ist das eine optimale Bühne. Die anderen Marken des Konzerns fehlen allerdings in Barcelona.

Neben dem Leon und dem neuen Ibiza steht eine Premiere im Rampenlicht: die des neuen Seat Ateca FR. Der ergänzt die bisher angebotenen Ateca-Ausstattungslinien Reference, Style und Xcellence. Angeboten wird er mit dem 150 PS starken 1.4 Eco-TSI-Benziner ab einem Preis ab 28 020 Euro mit Seitenschwellern in Aluminiumoptik, 18-Zoll-Felgen mit 245/40er Bereifung, in Wagenfarbe lackierten Radläufen, einer von schwarzen Seitenspoilern eingerahmte Heckscheibe sowie einem in Wagenfarbe lackierten Heck-Stoßfänger und -spoiler. Dazu kommen im Interieur Alupedale, ein Leder-Sportlenkrad, Einstiegsleisten, ein schwarzer Dachhimmel, rote Kontrastnähte sowie Alcantara-Sportsitze.

Und Seat hat sich mit dem Kartendienst Waze zusammengetan. Der bietet eine teils deutlich überlegene, vor allem aber billige Alternative zu klassischen Navigationssystemen.

Die tiefgreifend überarbeitete S-Klasse von Mercedes-Benz feiert hier wenige Wochen nach dem ersten Auftritt in Shanghai ihre Europapremiere. Ihre Technik wurde so erheblich verändert, dass Daimler die S-Klasse intern wie eine neue Modellgeneration behandelt. Und erstmals in Europa zeigen sich zwei Modelle des indischen Anbieters Mahindra: Der gefällige und kostengünstige Crossover-Kleinwagen KUV 100 und ein grobschlächtig wirkender Pickup namens Goa. Daneben steht der in einigen europäischen Ländern bereits angebotene KUV 500, ein SUV der Mittelklasse mit aggressiv-polarisierendem Design zum Kampfpreis.

Nachdem sich die Berichterstattung zumeist auf das Spitzenmodell Quadrifoglio konzentriert hat, ist es interessant, die Alfa-Romeo-Modelle Giulia und Stelvio einmal in der Einstiegsvariante zu sehen. Renault wiederum zeigt mit dem Koleos Initiale Paris, dass man die Herausforderung durch Premium-Marken wie die Citroen-Tochter DS verstanden hat. Und Fiat zeigt seinen Mazda-basierten 124 Spider mit Retro-Felgen, die das legendäre Cromodora-CD30-Rad neu interpretieren.

Ebenfalls erst wenige Monate alt sind Modelle wie der Lexus LS500h, der Range Rover Velar und der Hyundai Ioniq. Wer sich über die Neuheiten der Branche informieren will, kommt also in Barcelona auf seine Kosten, wenngleich einige Marken fehlen. Zum Beispiel der gesamte VW-Konzern - mit Ausnahme von Seat. Und das überrascht, hat sich VW doch zumindest verbal gänzlich der E-Mobilität verschrieben, die auf dieser Messe eine große Rolle spielt. Eine so große, dass sich sogar die messescheue US-Marke Tesla einen eindrucksvollen Stand gönnt. Dort stehen ein Model S sowie zwei Model X mit erhobenen Fondtüren.

Fest steht: Die Spanier sind Autofans. Und so zieht auch der historische 600er auf dem Seat-Stand viele Blicke und Sympathien auf sich. Nicht einmal die Taxifahrer haben die Freude am Fahren verloren. Unserer wünscht sich auf dem Rückweg zum Flughafen mitnichten ein elektrisches, gar ein autonomes Fahrzeug. Er schwärmt stattdessen von seinem nagelneuen Ford mit Handschaltung und bärenstarkem Dieselmotor. Und den wird er wohl auch in zwei Jahren noch fahren, wenn Barcelona 100 Jahre Automesse feiert. (ampnet/jm/oa)

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