Motorsport

Klassentreffen in der Formel E: Jetzt auch Porsche

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mid Groß-Gerau - Unter Strom: Porsche-Chef Oliver Blume, Formel-E-Gründer Alejandro Agag und Porsche-Vorstand Michael Steiner (v.l.n.r.) besiegeln den Einstieg des Sportwagenbauers in die Elektro-Rennserie. Porsche

Da blutet vielen Racing-Fans das Herz: Sportwagen-Ikone zieht in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) bei seinem LMP1-Team zum Saisonende 2017 den Stecker und macht künftig lautlosen Motorsport mit rein elektrisch angetriebenen Rennwagen. Die Stuttgarter steigen ab 2019 mit einem eigenen Werksteam in die Formel E ein.

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Da blutet vielen Racing-Fans das Herz: Sportwagen-Ikone zieht in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) bei seinem LMP1-Team zum Saisonende 2017 den Stecker und macht künftig lautlosen Motorsport mit rein elektrisch angetriebenen Rennwagen. Die Stuttgarter steigen ab 2019 mit einem eigenen Werksteam in die Formel E ein. Damit kommt es in der Elektrorennserie zum deutschen Klassentreffen: Denn vor Porsche hatten bereits die Premium-Marken Audi, BMW und Mercedes kurz hintereinander den Einstieg in die Formel E verkündet. Ein Schelm, wer da eine Absprache vermutet.

Ein kleines Trostpflaster für die Motorsport-Enthusiasten gibt es dennoch: Auch wenn der in Le Mans dreimal hintereinander siegreiche 919 Hybrid ins Museum fährt, wird Porsche auch in Zukunft beim berühmtesten Langstrecken-Rennen der Welt sowie in er WEC starten - und zwar mit dem 911 RSR in der GT-Klasse. Dieser Rennwagen soll laut Porsche auch in der amerikanischen Rennserie IMSA WeatherTech SportsCar Championship und weiteren Langstrecken-Rennen zum Einsatz kommen.

"Der Einstieg und die Präsenz in der Formel E sind die logische Konsequenz unserer Mission E", begründet Michael Steiner, Entwicklungsvorstand der Porsche AG, die Neuordnung des Motorsport-Programms. Wie viele andere Hersteller setzt auch Porsche in Zukunft verstärkt auf alternative und innovative Antriebskonzepte. "Die Formel E ist für uns das ultimative Umfeld, um die Entwicklung von High Performance-Fahrzeugen bezüglich Umweltfreundlichkeit, Sparsamkeit und Nachhaltigkeit voranzutreiben", so Michael Steiner. Schon 2017 unternimmt Porsche nach eigenen Angaben die ersten Schritte zur Entwicklung des Formel E-Rennwagens.

Motorsportchef Fritz Enzinger freut sich bereits auf die neue Herausforderung: "Über die Jahre ist eine äußerst erfolgreiche, kompetente Mannschaft zusammengewachsen. Ich bin mir sicher, dass wir für die Formel E unser Niveau auf einem hohen Level halten werden. Wir sehen dem Start mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen und Freude entgegen."

Die Formel E ist die erste Rennserie mit rein elektrisch angetrieben Fahrzeugen und feierte am 13. September 2014 ihre Premiere. Der Automobil-Weltverband FIA, der auch die Königsklasse Formel 1 organisiert, will mit der Serie ein Zeichen für Elektromobilität setzen und mehr junge Menschen für den Motorsport begeistern. Die Saison beginnt entgegen der meisten anderen Rennserien im Herbst und endet im Sommer. Als Austragungsorte für die Rennen dienen eigens entworfene Straßenkurse in Stadtzentren von Metropolen, wie London, Paris, Buenos Aires oder Hong Kong. Das Heimspiel für die deutschen Hersteller steigt in Berlin. Die Philosophie der Serie: Der Sport soll zu den Zuschauern kommen - und nicht umgekehrt. Elektromobilität spielt vor allem im urbanen Umfeld eine wichtige Rolle bei der Mobilität von morgen.

Parallel zur Formel E stärkt Porsche den Einsatz in der GT-Klasse. "Herstellervielfalt und die Qualität der beiden Sportwagen-Serien haben uns dazu bewogen, unser Engagement zu festigen und die Kräfte auf den Einsatz des 911 RSR zu konzentrieren", so Steiner. "Wir wollen die Nummer eins werden. Dafür müssen wir entsprechend investieren."

Arbeitslos wird durch die Neuordnung wohl niemand, egal ob Rennfahrer oder Techniker. Denn die LMP1-Mannschaft bleibt Porsche voll erhalten. Das gilt auch für die beteiligten Werksfahrer. Neben Starts in anderen Rennserien und der intensiven Vorbereitung auf die Formel E prüft Porsche derzeit weitere Einsatzgebiete und Entwicklungsaufgaben.

Ein bisschen Wehmut kommt dennoch auf: Die Schwaben verlassen die große LMP1-Bühne nach vier erfolgreichen Jahren, drei Siegen in Folge bei den 24 Stunden von Le Mans und je zwei Weltmeistertiteln bei Team- und Fahrerwertung 2015 und 2016. Und 2017 will das Werksteam aus Weissach zum letzten Mal die beiden WM-Titel verteidigen. Das Saisonfinale ist am 18. November in Bahrain. Da werden in der Wüste sicher einige Tränen kullern - nicht nur bei den Fans.

Ralf Loweg / mid

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