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5x Irrtümer zum Diesel-Skandal - Ja, was denn nun?!

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  • 11. August 2017, 11:34 Uhr
  • Mario Hommen/SP-X
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Um das Problem der Autoabgase herrscht einige Verwirrung Foto: Mercedes-Benz

Die Belastung mit Stickoxiden durch den Autoverkehr ist nach Meinung vieler in den letzten Jahren gestiegen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Auch in anderen Punkten herrscht einige Verwirrung rund um den Diesel-Skandal.

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Seit fast zwei Jahren sind die Medien voll mit Berichten über den Diesel-Skandal. Kommt die blaue Plakette? Drohen jetzt Fahrverbote? Aufgrund der vielen kursierenden Aussagen zu diesem Themenkomplex haben sich einige Zerrbilder und vage Annahmen in den Köpfen vieler festgesetzt. Einige dieser Annahmen sind falsch.
 
Die ab September 2017 geltende Euro-6d-Abgasnorm geht mit einer Verschärfung der erlaubten Abgaswerte einher.

Im Prinzip gelten für ab September neu in den Markt kommende Autotypen die gleichen Grenzwerte wie bei der 2014 eingeführten Abgasnorm Euro 6b. Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied: Die für die Typenzulassung bald geforderte Abgasnorm 6d verlangt nicht mehr nur eine Prüfstandmessung, die Fahrzeuge müssen sich künftig auch einer sogenannten RDE-Messung stellen. RDE steht für Real Driving Emission, also für eine Messung, die unter realistischen Bedingungen im Verkehr vorgenommen wird. Für diese gelten allerdings andere, weniger strenge Grenzwerte als für bisherige Standardmessverfahren. Im Fall von Stickoxid dürfen die Fahrzeuge bei der RDE-Messung 110 % mehr als auf dem Prüfstand emittieren. Allerdings haben RDE-Messungen gezeigt, dass viele aktuell am Markt befindliche Fahrzeuge weit mehr als das Doppelte der eigentlich zulässigen Stickoxide emittieren. Insofern geht die Einführung der ab September geltenden 6d-Norm mit eine praktischen Verschärfung einher.

Dieselautos mit Euro 5 oder schlechter werden bald nicht mehr fahren dürfen.

Derzeit darf man sich in Deutschland auch mit älteren Dieselfahrzeugen uneingeschränkt bewegen. Nach momentanem Stand könnten am wahrscheinlichsten innerhalb der Stadt Stuttgart ab 2018 Fahrverbote verhängt werden, sofern dort Grenzwerte überschritten werden. Allerdings ist derzeit völlig unklar, wie die Fahrverbote konkret ausgestaltet und durchgesetzt werden sollen. Die Einführung einer blauen Plakette, mit der sich Diesel-Fahrverbote kontrollieren ließen, steht derzeit nicht an. Denkbar wären in Stuttgart partielle Fahrverbote, die zeitlich und räumlich begrenzt sind. Anwohner der Stadt müssen ab 2018 also damit rechnen, an manchen Tagen ihren älteren Diesel, die nicht die Euro-6-Norm erfüllen außerhalb parken zu müssen und die letzten Kilometer bis zum Wohnort mit der Straßenbahn zu fahren. Jenseits von Fahrverbotszonen wird man sich mit diesen Fahrzeugen aber weiterhin völlig legal bewegen können. Auch in Hamburg, München, Leipzig und Düsseldorf könnten ähnlich wie in Stuttgart Fahrverbote für Diesel kommen.
 
Abschalteinrichtungen sind illegal.

Abschaltstrategien der Abgaskontrollanlage sind bei Fahrzeugen grundsätzlich erlaubt, unter bestimmten Bedingungen sind sie sogar technisch notwendig. Innermotorisch gibt es verschiedene Zielkonflikte, die Abschalteinrichtungen nötig machen, um zum Beispiel Motorschäden oder Unfälle zu verhindern. In Dieselmotoren des VW-Konzerns wurde allerdings eine Software installiert, die lediglich unter Prüfstandbedingungen für eine optimale Abgasaufbereitung und damit einen geringen Ausstoß von Sickoxiden sorgt. Unter realen Fahrbedingungen werden Teile der Abgaskontrollanlage in unzulässiger Weise deaktiviert, was einen oftmals erheblich höheren Stickoxidausstoß zur Folge hat, als man ihn in einer Prüfstandsituation je messen wird. Diese Schummelsoftware wurde vom Kraftfahrt Bundesamt als unzulässig eingestuft. Für Fahrzeuge mit EA-189-Dieselmotoren wurde deshalb vom KBA eine Rückrufaktion angeordnet. Trotz der unzulässigen Abschalteinrichtung musste allerdings keines der betroffenen Fahrzeuge still gelegt werden.
 
Die Belastung der Außenluft mit Stickoxiden hat in den letzten Jahren zugenommen.

Im Zentrum der Kritik zum Dieselskandal stehen zu hohe Stickoxidemissionen. Eigentlich möchte man meinen, die NOx-Belastung hätte in der jüngeren Vergangenheit deutlich zugenommen. Nach Informationen des Umweltbundesamtes ist allerdings das Gegenteil der Fall. So sind zwischen den Jahren 1990 und 2015 die NOx-Emissionen um 1,7 Millionen Tonnen oder 59 Prozent zurückgegangen. Der deutlichste Rückgang ist auf den Verkehr zurückzuführen. Hier haben sich die NOx-Emissionen um eine Million Tonnen verringert. Im Gegenzug ist der Dieselkraftstoffverbrauch übrigens deutlich gestiegen: 1999 wurden in Deutschland täglich noch 93 Millionen Liter Diesel abgesetzt. Bis 2016 stieg der Verkauf um 30 Prozent an und liegt nun bei einem Tagesschnitt von 121 Millionen Liter.
 
Eine Nachrüstung meines alten Diesels geht nicht.

In naher Zukunft will die deutsche Autoindustrie fünf Millionen Pkw mit Euro-5- und Euro-6-Abgasnorm mit einem Software-Update sauberer machen. Diese Umrüstung wird kostenlos für die Autobesitzer sein, ob sich allerdings mit dieser Aktion Fahrverbote abwenden lassen, ist noch ungewiss. Technisch ist prinzipiell auch eine Umrüstung älterer Diesel möglich, damit diese die strengen Euro-6-Abgaswerte einhalten. In den meisten Fällen dürfte das allerdings erhebliche Kosten verursachen. Nach Meinung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer könnte sich für Autos ab Baujahr 2013, die also die Abgasnorm Euro 5b erfüllen, eine Umrüstung sogar lohnen. Die Kosten hierfür sollen nach Expertenmeinung bei etwa 1.500 Euro pro Fahrzeuge liegen. Die Firma Twintec hat bereits einen entsprechenden Nachrüstsatz mit Harnstoffreinigung entwickelt, allerdings ist eine entsprechende Lösung noch für kein Fahrzeugmodell offiziell verfügbar.

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