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App-Lenkung am Steuer: Zeit, dass sich was dreht

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  • 13. September 2017, 08:55 Uhr
  • Thomas Schneider
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mid Frankfurt am Main - Das Smartphone ist mittlerweile die Ablenkung Nummer eins im Auto. Dekra

Jeder zehnte Verkehrstote resultiert mittlerweile daher, dass der Fahrer abgelenkt war. Die Smartphone-Nutzung am Steuer ist der Haupttreiber dieses fatalen Trends. Dies droht die in den vergangenen Jahrzehnten erreichten Verbesserungen bei der Verkehrssicherheit zunichte zu machen. Es ist an der Zeit aktiv und massiv gegenzusteuern - Zeit, das der Trend dreht, sozusagen.

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Jeder zehnte Verkehrstote resultiert mittlerweile daher, dass der Fahrer abgelenkt war - das entspricht 320 Menschen jährlich in Deutschland. Die Smartphone-Nutzung am Steuer ist der Haupttreiber dieses fatalen Trends. Dies droht die in den vergangenen Jahrzehnten erreichten Verbesserungen bei der Verkehrssicherheit zunichte zu machen. Es ist an der Zeit aktiv und massiv gegenzusteuern - Zeit, das der Trend dreht, sozusagen. Daher riefen nun Dekra und Auto Bild auf der IAA in Frankfurt zusammen die Aktion "Handy weg - Dein Leben zählt!" ins Leben, um das Risikobewusstsein der Autofahrer - und auch das der übrigen Verkehrsteilnehmer - zu schärfen.

55 Prozent aller Autofahrer hantieren auch während der Fahrt mit ihrem Smartphone, ergab eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Dekra. Bei jungen Fahrern bis 30 Jahre ist der Anteil mit 85 Prozent deutlich höher, ebenso bei den 30- bis 44-Jährigen. Bei der Gruppe der 45- bis 59-Jährigen liegt der Anteil bei 54 Prozent und bei den über 60-Jährigen immer noch bei 34 Prozent.

Wie gefährlich das ist, beweist ein Test auf einem Verkehrsübungsplatz, bei dem Probanden mit 30 km/h durch den Parcours fahren und nebenbei Smartphone-Nachrichten schreiben sollten. Eine Eyetracking-Brille zeichnete dabei die Augenbewegungen per Kamera auf. "Viele der Probanden reagierten etwa auf einen Ball, der plötzlich über die Straße rollte, überhaupt nicht", berichtet Dekra-Vorstand Clemens Klinke. "Wenn man bedenkt, dass hinter einem Ball oft ein Kind auf die Straße läuft, wird klar, wie gefährlich die Ablenkung in diesem Fall ist." Mehrere Probanden überfuhren außerdem ein rotes Ampelsignal.

Doch wie kann der Trend zur zunehmenden Ablenkung im Auto gestoppt werden? Mehr Kontrollen? Härtere Strafen? "Strafen müssen natürlich sein und auch mehr Kontrollen sind begrüßenswert. Was wirklich helfen würde ist aber ein Umdenken in der Gesellschaft, wie es in Sachen Alkohol bereits geschehen ist", urteilt Klinke. Früher sei es normal, ja fast cool gewesen, nach ein paar Bieren noch nach Hause zu fahren. Das ist heute anders, dieses Verhalten wird kaum mehr toleriert oder gar gutgeheißen. "Jetzt müssen wir den Menschen klarmachen, dass auch die Smartphone-Nutzung am Steuer kein Kavaliersdelikt, sondern brandgefährlich ist."

Neben verstärkter Aufklärung, zum Beispiel durch eine Aufkleber-Aktion im Rahmen von "Handy weg - Dein Leben zählt!" könnte das paradoxerweise ausgerechnet mit Hilfe von Smartphones gelingen. Bitte was? Ganz recht. "Wir arbeiten mit Partnern zusammen an einer App, die Fahrer zum Beispiel vor Gefahrenstellen wie Schulen warnt und außerdem das Fahrverhalten analysiert", sagt Klinke.

Der Fahrer soll das Mobilgerät dabei natürlich nicht bedienen, den das würde ihn wiederum ab- beziehungsweise geradezu "App-lenken". Doch Sprachhinweise können durchaus hilfreich sein - etwa in der Form "Sie überschreiten die zulässige Höchstgeschwindigkeit" oder "Sie haben ein Stopp-Schild/eine rote Ampel überfahren". Dies könnte manch einen Fahrer überzeugen, meinen die Experten. Ob sich aber eine nennenswerte Zahl an Autofahrern findet, die sich diese "Oberlehrer-App" freiwillig installiert und regelmäßig nutzt, darf allerdings bezweifelt werden.

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