Oldtimer

Tradition: 30 Jahre Tempo-300-Sportwagen - Im Rausch der Rekorde

  • In OLDTIMER
  • 25. September 2017, 12:21 Uhr
  • Wolfram Nickel/SP-X
img
Jaguar XJ220 Foto: Jaguar

Eigentlich hat sich die Autoindustrie in den 1980er-Jahren ein Vernunft-Limit von 250 km/h freiwillig auferlegt. Doch zur gleichen Zeit wagten sich ein paar wenige Extrem-Renner in deutlich höhere Sphären vor

Anzeige

Seit den 80er-Jahren war offiziell bei Tempo 250 Schluss. Doch ungeachtet dieses von der Autoindustrie selbst auferlegten Limits strebten genau in dieser Zeit einige Sportwagenhersteller nach Höherem. Plötzlich startete der Vmax-Himmel nämlich oberhalb von 300 km/h. Gleich mehrere Supercars drangen 1987 in diese damals eigentlich unerreichbar erscheinende Region vor.
 
Eröffnet wurden die Vmax-Festspiele vom 331 kW/450 PS starken Porsche 959, der sich sogar auf 315 km/h beschleunigen ließ. Ein Bestwert, der nur bis Juli 1987 Bestand hatte, als Enzo Ferraris letztes großes Werk, der F40, in höhere Vmax-Sphären fuhr. Vollgas-Ansagen, auf die der keilförmige Lamborghini Countach trotz Nachschärfung keine überzeugende Antwort fand. Wohl aber ein mit 349 km/h gemessener Jaguar XJ 220 und vor allem der über 350 km/h schnelle Bugatti EB 110, den sich sogar Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher für seine Garage gönnte. Bugattis fast schon irrsinnig hohe Preisforderung von rund 700.000 Mark irritierte Schumacher offenbar nicht, vielleicht weil für den Jaguar XJ 220 ebenso wie für gebrauchte (!) Porsche 959 sogar ein Millionenbetrag fällig geworden wäre.
 
Die einst atemberaubenden Rekord-Renner können Sportwagenfreunden in Zeiten von Bugatti Chiron oder Koeniggsegg Regera nur noch ein müdes Lächeln entlocken. Die Boliden des 21. Jahrhunderts brennen längst die Zahl 400 in den Asphalt - theoretisch. Echte Messfahrten sind mit diesen Tempogiganten mangels geeigneter Pisten meist gar nicht mehr möglich und selbst von einem Bugatti-Rekordfahrer auf dem VW-Versuchsgelände Ehra-Lessien wurde berichtet, dass Autos in Tempobereichen jenseits von 400 eigentlich nichts zu suchen haben. Schließlich sei man dann mehr Passagier als Fahrer. Gleiches wussten Piloten italienischer Hypersportler zu erzählen, die sich ab Ende der 1960er -Jahre auf öffentlichen Straßen an die 300-km/h-Marke herantasteten - sie dann aber aus anderem Grund nicht errichten. Es fehlte den Geschossen schlicht an genügend Muskelmasse beziehungsweise PS, um die Prospekt-Versprechen einzulösen.

STARTSEITE

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.