Reise & Caravaning

Praxistest Spacecamper Light Open: Der Reise-Bus

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Spacecamper Light Open. Foto: Auto-Medienportal.Net/Gerhard Prien

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Die RW-Fahrzeugbau GmbH in Darmstadt kennen wohl nur wenige. Ihre Reisemobile werden aber unter dem Namen Spacecamper vertrieben und sind erheblich bekannter. Eines von vier Modellen im Angebot ist der Light Open auf Basis des VW T6. Basis des Testwagens ist ein VW Bus in vollem Ornat. Also mit dem großen Dieselmotor, der 204 muntere Pferde unter der Haube antraben lässt, mit 4Motion-Antrieb und allen möglichen anderen Extras. Und mit zwei Schiebetüren.

Die anfängliche Skepsis gegenüber der zweiten Tür auf der Fahrerseite weicht im Alltag rasch einer gewissen Gewöhnung und gerät fast zur Begeisterung. Warum ist auf die Idee mit den zwei Schiebetüren eigentlich nicht schon früher jemand gekommen? Kinder lassen sich auf der Rückbank besser an- und abschnallen, bis zu drei Kindersitze lassen sich montieren. Als Fahrer kann man fix mal die Einkäufe ,,hinten rein" werfen, ohne ums Auto laufen zu müssen. Obendrein lässt sich der Wagen bei sommerlichen Temperaturen einfach belüften.

Das, neben der zweiten Schiebetür, andere Kernstück des Light Open ist seine breite Rückbank. Diese bietet drei Sitzplätze und zwei Schubladen, ist ratz-fatz zur Liegefläche mit zwei Metern Liegelänge und 155 Zentimetern Breite umgebaut, verdammt bequem und herausnehmbar. Dann taugt der Light Open als Transporter mit großem Ladevolumen. Auf der Fahrerseite bietet die Sitzbank eine - etwas klein geratene - herausziehbare Spüle plus Wasserhahn, der auch als Außendusche am Heck eingesetzt werden kann. Ein in die Heckklappenverkleidung integriertes Duschzelt schützt vor neugierigen Blicken und sorgt für Privatsphäre. Frischwasser spendet serienmäßig ein Kanister, gegen Aufpreis kann zusätzlich ein 70 Liter großer Tank unterflur montiert werden. Der Mehrpreis dürfte sich nicht nur bei häufiger Nutzung der Außendusche lohnen.

Seitlich der Sitzbank kann, wie auch auf der gegenüber liegenden Seite, eine kleine Tischfläche hochgeklappt und bei geöffneter Schiebetür genutzt werden. Drinnen lässt sich der zentrale, schwenk- und höhenverstellbare Tisch nutzen. Er wird platzsparend und zusammengeklappt hinter dem Fahrersitz verstaut. Der Tisch bietet in seiner Mitte ein integriertes Kochfeld, in dem Gas- oder Spirituskocher - oder eine Kombination aus beiden - eingebaut werden können. Selbst mit der Kocheinheit bleibt reichlich Platz zum Essen auf der Tischplatte. Die recht pfiffige Kombination von Tisch und Kocher kann auch outdoor zum Einsatz kommen. Zwischen Fahrer- und Beifahrersitz ist, während der Fahrt leicht erreichbar, eine 25 Liter fassende Kompressor-Kühlbox untergebracht, die auf einem Schlitten nach hinten in den Wohnraum gezogen werden kann.

Nicht komplett wäre ein Light Open ohne das am Heck angeschlagene Panorama-Aufstelldach mit einer Liegefläche von 195 x 110 Zentimetern. Es ist ab etwa 5500 Euro zu haben, bringt Stehhöhe in den Wohnraum und kann - aufgestellt - im vorderen Bereich und an den Seiten komplett geöffnet werden. So entsteht oben ein Panorama-Freisitz mit bester Aussicht.

Faszinierend am Light Open ist seine große Flexibilität. Er taugt ebenso als Familienfahrzeug wie als rollendes Büro, als Transporter oder als Campingbus. Damit ist er privat ebenso gut einsetzbar wie zu beruflichen Zwecken. Mit der 150 kW / 204 PS starken Maschine ist er mehr als ordentlich motorisiert. Selbst längere Strecken lassen sich mit dem ,,Reise-Bus" schnell und bequem - und mit angemessenem Kraftstoffverbrauch - zurücklegen. Der 4Motion Allradantrieb lässt den Wagen sicher auf der Straße liegen, macht ihm zum idealen Begleiter - auch in der kalten Jahreszeit oder abseits befestigter Straßen - und zum guten Zugfahrzeug.

Ab 52 995 Euro kommt man in den Besitz eines Light Open mit der 62 kW / 84 PS leistenden Einstiegsmotorisierung. Dieser Grundpreis lässt sich jedoch kräftig in die Höhe treiben. Das klappt dann mit Optionen von VW ebenso wie mit solchen von Spacecamper. Im Testwagen stecken rund 17 500 Euro in Extras von Volkswagen, darunter die Air Care Climatronic, 3200 Kilogramm zulässiges Gesamtgewicht, LED-Rückleuchten und -Hauptscheinwerfer, Luft-Stand- und Sitzheizung, Navigationssystem Discover Media mit DAB+, Sprachverstärkung, App-Connect, Media Control und Rückfahrkamera, Multifunktions-Lederlenkrad und ACC bis 210 km/h. Bei Spacecamper schlägt etwa die Ausstattung Fahrerhaussitze und der Rückbank in Leder-Alcantara-Kombination mit Rautensteppung mit 4200 Euro zu Buche. Für die schicke Zweifarblackierung Oryxweiß Perlmutt unten und Anthrazit Metallic oben werden weitere 2600 Euro fällig. 2750 Euro addieren sich zusätzlich mit den anthrazit lackierten 18-Zoll-Etabeta-Tettsut-Leichtmetallfelgen zur Gesamtrechnung.

Und dann kann man noch hier und da und dort weitere Kreuzchen in der Zubehör- und Ausstattungsliste machen. So etwa bei der in die Schiebetür integrierten, klappbaren Bordtoilette, einem Ladebooster für intelligentes und Batterie schonendes Laden während der Fahrt, die LED-Lichtleiste am Dachanschluss, Moskitonetz und und und.

Wer der Versuchung nicht widerstehen kann, treibt den Preis seines individualisierten Light Opens rasch in beinahe schwindelerregende Höhen. Der Testwagen schrammt am Ende, mit allen Extras, nur ganz knapp die Schwelle eines sechsstelligen Preises. Satte 99 999,98 Euro stehen unter dem Strich auf dem Zettel. Damit hat sich der - theoretische - Grundpreis beinahe verdoppelt. Die Kunden von Spacecamper scheint es nicht zu stören. Der größte Teil der produzierten Fahrzeuge wird, sagen wir mal, gut und anständig ausgestattet. Mehr als die Hälfte der ausgelieferten Fahrzeuge verfügen beispielsweise über 4Motion-Antrieb.

Fazit also: Rumms - das ist er. ,,Der" Reise-Bus, der alltagstaugliche, variable Camper für jede Gelegenheit. Der durchdachte Light Open von Spacecamper macht im beruflichen Einsatz als rollendes Büro eine ebenso gute Figur wie als Basislager am Wochenende bei sportlichen Aktivitäten. Mit seinen bis zu vier Schlafplätzen taugt er auch für die sommerliche Urlaubsreise. Kurz, ein Bus für alle Fälle. Wenn da nicht diese Preisliste wäre. Dennoch gilt: Selten haben wir so ungern einen Testwagen zurück gegeben wie den Light Open. (ampnet/gp)

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