Oldtimer

5x: Oldtimer mit E-Antrieb - Vom Schnauferl zum Saubermann

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Im Rahmen einer fakultätsübergreifenden Projektarbeit hat die Queen's University in Belfast einen Delorean DMC-12 elektrifiziert Foto: Queen's University Belfast

Klassische Automobile sind schön, ihre Abgase hingegen nicht. Doch Oldtimer können auch sauber sein, wenn man ihnen einen E-Antrieb verpasst. Der bietet zumeist auch mehr Fahrspaß als der Originalmotor.

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Die meisten Oldtimer, mögen sie noch so schick sein, sind nach den heutigen Umweltvorschriften Dreckschleudern. Gut möglich, dass in einigen Jahren so mancher Stinker aus dem Verkehr verbannt wird. Für Oldtimer-Freunde wären strengere Abgasvorschriften, die keine Ausnahmen mehr dulden, ein herber Schlag. Doch es gibt Hoffnung, denn eigentlich jedes betagte Schnauferl lässt sich zum sauberen Null-Emissions-Flitzer wandeln. Hier fünf Beispiele.
 
Die Spezialisten der Klassik-Abteilung von Jaguar haben im Sommer 2017 einen E-Type aus dem Jahr 1968 die Segnungen der neuen Zeit spendiert. Ein 220 kW/300 PS starker Elektromotor, der von einer Lithium-Ionen-Batterie versorgt wird, sitzt an gleicher Stelle, wo sich einst die Zylinder austoben konnten. Gegenüber dem Original wurden nur das Armaturenbrett mit modernen Instrumenten und die Scheinwerfer (jetzt LED-Technik) verändert. Mit dem unverkäuflichen Einzelstück will Jaguar zeigen, wie Oldtimern ein blitzsauberes Weiterleben ermöglicht werden kann. Dabei wiegt der Umbau deutlich weniger als zuvor und ist mit 5,5 Sekunden auf 100 km/h eine glatte Sekunde schneller. Ebenfalls ein Fortschritt: Die Mitnahme von Ölkanistern erübrigt sich. Denn der Original-Motor des E-Type ist für einen ungezügelten Schmiermittelkonsum berüchtigt. Wenn das saubere E-Aggregat letztlich doch nicht gefällt, kann alles wieder rückgängig gemacht werden. Umbauzeit gut eine Woche.
 
Batterie statt Boxer lautet das Motto der Firma Electrify. Der Elektroauto-Leasingspezialist hat bei der Murschel Electric Cars den Umbau von 25 Käfer Cabriolets in Auftrag gegeben. Im Sommer wurde ein erster E-Käfer in den Dienst gestellt. Auf den ersten Blick sieht dieser Oben-ohne-VW (Baujahr 1971) wie ein liebevoll restauriertes Original aus. Auffällig anders sind lediglich die wuchtigen Seitenschweller. Sie sollen optisch den zusätzlich eingezogenen Boden kaschieren, der die große Traktionsbatterie beherbergt. Dieser fast 300 Kilogramm schwere Lithium-Phosphat-Akku erlaubt dank 22 Kilowattstunden rund 150 Kilometer Reichweite. Angetrieben wird das Cabriolet von einer 100 kW/136 PS starken E-Maschine im Heck. Maximal sind damit gut 150 km/h möglich. Rund 100.000 Euro kostet eine derartige Konversion, dabei wird der Retrokäfer zusätzlich mit neuen Scheinwerfern mit LED-Tagfahrlicht, Navi und Leder aufgewertet.
 
Eine besonders spektakuläre Konversion hat die Firma Kreisel vorgenommen. Die österreichischen Spezialisten für Elektroantriebskomponenten haben den 60er-Jahre-Rennwagen Porsche 910 elektrifiziert. Allerdings kein Original, sondern den Nachbau der Firma Evex. Der im rheinländischen Langenfeld beheimatete Fahrzeugbauer hat bereits in den 1970er-Jahren eine Handvoll 910-Replikas hergestellt, dann allerdings die Produktion beendet. Kreisel stattet nun einige dieser Evex-910-Nachbauten mit E-Antrieb aus bietet sie für eine Million Euro zum Kauf an. Die Fahrzeuge sollen eine Straßenzulassung bekommen. Neben der exklusiven Optik bietet der Kreisel Evex 910e einen schnellen Antrieb. Lediglich 2,5 Sekunden soll der Sprint des 1,1-Tonners aus dem Stand auf Tempo 100 dauern, mehr als 300 km/h sollen möglich sein. Zum Vergleich: Das nur etwa halb so schwere Original erreichte in seiner stärksten Variante 910/8 Coupé maximal 280 km/h. Verantwortlich für die enormen Fahrwerte ist ein 360 kW/490 PS und 770 Newtonmeter leistender E-Motor in Kombination mit einem von Kreisel selbst entwickeltem automatisierten Zweigang-Getriebe. Der für den Vortrieb nötige Strom kommt aus einer 53-kWh-Lithium-Ionen-Batterie, die eine Reichweite von 350 Kilometer erlaubt.
 
,,Zurück in die Zukunft" - dieser Hollywood-Streifen machte einst den in Nordirland gebauten DeLorean DMC-12 berühmt. Mittlerweile ist der einst futuristische Sportwagen ziemlich alt. Doch die Queens University in Belfast hat einem Exemplar eine neue Zukunft gegeben. Studenten aus verschiedenen Fakultäten (IT, Elektrotechnik und Elektronik) haben dem Flügeltürer nämlich eine 270 PS starke E-Maschine spendiert, die anstelle des V6 direkt ans Originalgetriebe mit fünf Vorwärtsgängen angeflanscht wurde. Da sich das Originalfahrzeug in einem sehr schlechten Zustand befunden hat, wurde der DMC-12 umfangreich restauriert und anschließend mit den Komponenten für den Antrieb ausgestattet. Die aus 84 Einzelzellen bestehende 27-kWh-Batterie verteilt sich unter Front- und Heckklappe. Über Fahrleistungen oder Kosten des Konversions-Exemplars wurde nichts bekannt. Das Projekt diente vor allem dazu, Studenten mit der zukunftsträchtigen Antriebstechnik vertraut zu machen.
 
Während es sich bei dem Delorean-Umbau der Queens University um ein Einzelprojekt handelt, bietet die amerikanische Firma Bloodshed Motors an, alte V8-Hubraummonster professionell auf ziemlich wilde E-Antriebe umzurüsten. Aufsehenerregend war die Konversion eines 68er Ford Mustang Fastback, der einen über 1.000 PS starken elektrischen Antrieb erhalten hat. Das Resultat haben die E-Antriebsspezialisten Zombie 222 getauft. Das auch in Dragster-Rennen eingesetzte Kraftpaket soll in unter zwei Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 sprinten und bis zu 280 km/h schnell werden. Wer möchte, kann sich eigentlich jeden Oldtimer von Bloodshed Motors umbauen lassen. Um 200.000 Euro kostet eine Elektrifizierung. Die Texaner aus der Nähe von Austin haben bereits einige Mustang der ersten Generation oder auch einen Lincoln Continental auf Null-Emissions-Antrieb umgestellt.

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