Kaum schlagen die Wellen des Dieselskandals nicht mehr ganz so hoch und scheinen in Sachen Abgas Lösungen in Sicht, da droht der nächste Skandal. Und diesmal sind alle dabei.
Dieser Tage erhielten wir den Anruf eines Kollegen, der investigativ unterwegs war, den nächsten Skandal der Autobranche erbarmungslos aufzudecken. Wieder einmal agiert die die Autoindustrie als Kartell. Erneut wird die Öffentlichkeit getäuscht. Und besagter Kollege recherchiert schon seit Monaten, um diese neuen Vorwürfe mit immer weiteren Indizien und Tatsachen zu untermauern. Es geht um nichts weniger als die Ehre des Journalismus in den Fängen der Autoindustrie. Der Vorwurf: Die Autoindustrie lädt Journalisten zu Pressereisen ein, z.B. auf Messen oder zu Fahrveranstaltungen. Die Journalisten zahlen weder Flug noch Hotel und schon gar nicht ihr Essen. Logische Folge: Die sind doch bestochen. Oder zumindest bestechlich. So jemand kann doch nicht mehr objektiv schreiben. Da wird doch die Öffentlichkeit getäuscht. Und zwar im großen Stil.
Wir waren zuerst etwas perplex und dachten ob der verursachten Wallung an echte neue Skandale. Allerdings konnten wir den Kollegen nicht von seiner Meinung abbringen. Er sammelte nur Informationen, die seine These stützen, andere wurden nicht wahrgenommen. Ein Umstand, den uns auch die ein- oder andere Pressestelle bestätigte, die gleichfalls investigativ heimgesucht wurden. Dieser Investigativ-Journalist lässt sich seine Geschichte nicht kaputtrecherchieren. Womit wir nichts gegen die Kollegen sagen wollen, die tatsächlich echten Skandalen in der Wirtschaftswelt oder der Politik auf der Spur sind. Aber Einladungen zu Pressereisen als Skandal aufzufassen? Heute, da man schon mit der Einladung bestätigt, sich dabei nicht in der Berichterstattung beeinflussen zu lassen, wo Compliance-Abteilungen über die Beziehungen zu Journalisten wachen und der Arbeitsdruck so groß ist, dass kaum Zeit bleibt, für Gespräche am Rande der Veranstaltung?
Vermutlich glaubt besagter Kollege, die Welt wäre besser, wenn zu regelmäßigen Terminen, beispielsweise Automessen, die Neuheiten unter neutraler Aufsicht alle zum Fahren bereitstünden. Sagen wir mal, für die 300 wichtigsten Journalisten der Welt. Wenn dann die quartalsweise ca. 30 Neuheiten allesamt 150-mal bereitstünden, wäre objektivgesehen jeder Journalist bestens bedient und könnte sich seine eigene Meinung bilden. Zugegeben, das haben wir uns jetzt ausgedacht. Aber, um in der Denke des Kollegen zu bleiben: Extra-Termine sind per se verdächtig. Wer sowas macht, will doch Einfluss, oder etwas vertuschen oder beides. Ja sicher. Was sonst? Es ist doch schön, wenn man ein gefestigtes Weltbild hat. Es ist schon erstaunlich, wofür manche Menschen Zeit haben. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.
