Motorrad

Eicma Mailand 2017 - Die große Vielfalt

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Honda CB 1000 R Foto: SP-X/Ulf Böhringer

Die Mailänder Motorradmesse EICMA verdeutlicht, dass der Motorradmarkt trotz des noch immer aktuellen Retro-Schwerpunkts auch künftig von großer Vielfalt gekennzeichnet ist.

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Der europäische Motorradmarkt ist seit jeher extrem vielfältig - und dass das auch künftig so sein wird, ist auf der Eicma 2017 unübersehbar. Besonders fleißig zeigen sich in Mailand die Entwicklungsabteilungen von BMW, Honda, Kawasaki, Ducati und Yamaha; an den Ständen dieser Hersteller sind jeweils mindestens vier oder noch mehr Neumodelle zu sehen. Darüber hinaus gibt es noch einige fundamentale Neuentwicklungen anderer Marken.
 
So zeigt der italienische Spezialhersteller Energica mit der EsseEsse9 ein neues Elektro-Motorrad, KTM schickt mit der 790 Duke ein sehr sportliches Mittelklasse-Nakedbike ins Rennen,  Yamaha präsentiert Niken, das erste dreirädrige Motorrad der Welt (mit Verbrennungsmotor), mit der Elettrica ist die erste elektrifizierte Serien-Vespa zu sehen und Kawasaki zeigt mit dem Modell H2 SX eine tourensportliche Variante seiner Kompressor-Rakete H2 mit 210 PS Leistung.
 
Fünf Motorräder gelten in den Augen von Branchenkennern als technische Highlights der Mailänder Messe: Die Ducati Panigale V4 mit dem ersten Serien-V4-Motor in der Firmengeschichte der Italiener, die deutlich erschlankte Honda Goldwing mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und Sechszylinder-Boxermotor, die extrem sportlich-spitz konfigurierte, dabei hervorragend ausgestattete KTM 790 Duke mit Zweizylinder-Paralleltwin, die Kawasaki H2 SX mit dem alltagstauglichen Einliter-Vierzylinder-Kompressormotor und das Dreirad-Motorrad Niken von Yamaha. Das Zeug zum Stückzahl-Überflieger hat aus diesem Kreis vermutlich alleine die KTM, deren Preis dem Vernehmen nach unter 10.000 Euro betragen soll.
 
Bei BMW fällt am Stand vor allem die voluminöse K 1600 Grand America ins Auge, die als äußerst luxuriöses Langstrecken-Motorrad konzipiert ist und den fulminanten Sechszylinder-Reihenmotor mit 160 PS aufweist. Lange erwartet wurden die Mittelklasse-Reiseenduros F 750 GS und F 850 GS, beide von der ersten bis zur letzten Schraube neu konstruiert. Es fällt auf, dass viele Ausstattungsdetails von den Boxer-GS-Modellen übernommen worden sind: TFT-Display, Befestigung des Vario-Koffersystems, Multi-Controller am Lenker und vieles mehr sind künftig auch eine Klasse tiefer zu haben. Vorwiegend auf Südeuropas Märkte dürfte der erste Mittelklasse-Roller C 400 X der Bayern zielen.
 
Ducati präsentiert in Mailand außer der Diva Panigale V4 mit 214 PS Leistung und nur 198 Kilogramm Gewicht zwei weitere wichtige Neuheiten: Die Scrambler 1100 mit luftgekühltem V2-Motor erweitert die Scrambler-Baureihe nach oben, die Multistrada 1200 erhält einen hubraumstärkeren Motor mit 1.262 Kubikzentimetern und 158 PS.
 
Harley-Davidson hat in Mailand überraschend bei der noch nagelneuen Softail-Baureihe nachgelegt und mit der Sport Glide das neunte Modell aus dem Hut gezaubert. Kennzeichen der Neuheit sind eine abnehmbare Lampenmaske sowie schick gemachte Seitenkoffer, die ebenfalls leicht demontiert werden können.
 
Honda legt den Fokus auf seine CB genannten Nakedbikes und stellt mit CB 1000R, CB 300R und CB 125R drei attraktive Modelle vor, deren Ähnlichkeit unübersehbar ist. In Deutschland dürfte auch die Zweitversion der Honda Africa Twin mit Beinamen ,,Adventure Sports" mit größerem Tank und längeren Federwegen auf großes Interesse stoßen. Sowohl die beiden 125 Super Cub und ,,Monkey" werden alsbald den Weg auch auf die deutschen Straßen finden, auch wenn sie offiziell als Konzeptbikes dargestellt werden.
 
Mit den drei Modellen Svitpilen 401 und 701 sowie Svartpilen 401 beginnt die KTM-Zweitmarke Husqvarna im Frühling 2018 das neue Straßenmotorrad-Zeitalter. Das Design der Austro-Bikes mit dem schwedischen Namen wird von einer Vielzahl von Betrachtern als wegweisend empfunden; für die technisch einwandfreie Funktion bürgt Konzernmutter KTM, von der die Einzylinder-Triebwerke stammen.
 
Um die 20 Prozent mehr Motorleistung verspricht die US-Traditionsmarke Indian für alle Modelle mit dem Thunderstrake-111-Motor. Er leistet ab neuem Modelljahr 87 PS, zudem wächst das Drehmoment deutlich an. Darüber hinaus beschränkt sich Indian in Mailand darauf, einen Blick in die Zukunft zu werden: Die Amis werden wohl ihre Erfolge in den Flattrack-Rennserien in ein Serienmodell einfließen lassen, das auf der EICMA als Studie zu sehen ist.
 
Kawasakis Modelloffensive scheint nicht zu erlahmen. Zusätzlich zur Z 900RS ist die Cafe-Version des 110 PS-Klassikbikes zu sehen, mit Lampenverkleidung im Stil der 70er Jahre, verändertem Lenker und modifizierter Sitzposition sehr stimmig gemacht. Technisch besonders anspruchsvoll war die Weiterentwicklung von Kawasakis supersportlichem Kompressorbike H2 zu einem hochpotenten Sporttourer. Die neue Ninja H2 SX fasziniert mit ihrer einzigartigen Designsprache und bietet 210 PS Leistung aus dem Vierzylinder-Triebwerk mit einem Liter Hubraum, wenn das Ram-Air-System aktiv ist. Auch der Gitterrohrrahmen wurde neu entwickelt und bietet die Möglichkeit zur Montage von Gepäckkoffern. Zusätzlich zur Basisversion offeriert der Hersteller die SE-Variante, die als erste Kawasaki ein elektronisch gesteuertes Kurvenlicht und verschiedene weitere Elektronikfinessen bietet. Wesentlich sportlicher gibt sich die ebenfalls 200 PS leistende Kawasaki ZX-10R SE; sie weist als erstes ,,grünes" Motorrad ein semiaktives Federungs- und Dämpfungssystem auf.  Basis ist das Superbike ZX-10R.
 
Außer der sehnigen 790 Duke mit neuem 105 PS-Paralleltwin steht am KTM-Stand der Prototyp 790 Adventure im Mittelpunkt des Besucherinteresses. Man darf gespannt sein, wie nahe das in 12 Monaten zu erwartende Serienmodell dem lehmverschmierten Ausstellungsstück kommen wird.
 
Moto Guzzi zeigt in Mailand neben zwei Design-Variationen der hübsch anzusehenden V7 einen Blick in die nähere Zukunft: Mit der V85 will man an die Reise-Kompetenz der Firmenhistorie anknüpfen. Das neue, weiterhin luftgekühlte Triebwerk soll mit etwa 80 PS aus 850 Kubikzentimetern Hubraum einen neuen Leistungszenit erreichen. Die Serienversion wird Ende 2018/Anfang2019 auf den Straßen sein.
 
Suzuki zeigt in Mailand nichts wirklich Neues. Einzig zu einer Modellvariante des Mittelklassemodells SV 650 hat's gereicht: Die SV 650X springt mit Scheinwerferverkleidung und dezenten Änderungen an Tankdesign und Sitz auf die Retrowelle auf.
 
Tiefgreifend überarbeitet hat Triumph seine beiden Reiseenduros Tiger 800 und Tiger 1200. Gewonnen haben sollen das Fahrverhalten wie auch die Ausstattungs-Umfänge. Die hubraumstärkere Version weist jetzt sechs Fahrmodi und zahlreiche weitere Elektronik-Finessen auf, hat aber zugleich laut Triumph je nach Ausstattungsversion bis zu elf Kilogramm Gewicht verloren und gleichzeitig auf 141 PS zugelegt.
 
Äußerlich klar als Vespa erkennbar, bricht die neue Elettrica mit dem Verbrennungsmotor. Die für das Frühjahr 2018 angekündigte Strom-Vespa wird von einem E-Motor mit 4 kW (ca. 5,5 PS) Maximalleistung angetrieben und lässt damit die Dynamik eines 50-Kubik-Rollers erwarten; die Reichweite soll 100 Kilometer betragen. Mehr bietet diesbezüglich die Elettrica X, die zwar einen kleineren Akku, aber dafür einen benzinbetriebenen Generator zur Reichweitenverlängerung aufweist. Damit sollen insgesamt 200 Kilometer möglich sein. Im Lauf des Jahres 2018 wird man die E-Vespas kaufen können. Der Preis wurde noch nicht genannt.
 
Ein absoluter Sonderling auf der Messe ist das dreirädrige Bike Niken des japanischen Herstellers Yamaha. Es weist eine Neigetechnik auf, so dass die beiden Vorderräder stets parallel agieren. Zur präziseren Radführung gibt es eine doppelt ausgeführte USD-Telegabel links und rechts. Angetrieben wird Niken vom 850 Kubikzentimeter großen 115-PS-Dreizylindermotor aus der MT-09. Zum Verdruss von Yamaha-Händlern muss man für den Niken zwingend einen Motorrad-Führerschein besitzen, weil Yamaha es entsprechend klassifiziert. Einfach dürften Verkaufsabschlüsse also nicht zu realisieren sein, wobei man von einem Preis von gut 13.000 Euro munkelt. Eine Yamaha MT-09 mit demselben Motor ist für knapp 9.000 Euro zu haben.

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