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Test: Superpedestrian Copenhagen Wheel - Nachrüsten statt umsatteln

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Mit dem Copenhagen Wheel wird aus einem klassischen Rennrad ein Pedelec Foto: SP-X/Max Friedhoff

Das Copenhagen Wheel ist jetzt auch in Deutschland zu haben. Die Clever-Lösung macht aus einem konventionellen Fahrrad im Handumdrehen ein geschmeidiges Pedelec mit vielen intelligenten Funktionen.

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Nicht wenige Radfahrer stehen vor der Frage: Pedelec oder nicht Pedelec? Einen interessanten Mittelweg bietet seit kurzem auch deutschen Bikern das US-Start-up Superpedestrian mit dem Copenhagen Wheel an. Diese Lösung erlaubt den einfachen Umbau konventioneller Fahrräder zu E-Bikes. Wer also die Segnungen des E-Antriebs genießen und zugleich sein normales Fahrrad behalten will, kann hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mit 1.750 Euro ist der Nachrüstsatz zwar nicht ganz billig, doch verrichtet er seine Arbeit in sehr überzeugender Weise.
 
Im Kern handelt sich um einen mächtigen Diskus, der sich in praktisch jedes konventionelle Fahrrad integrieren lässt, sofern dieses über Kettenschaltung, Felgenbremsen sowie 26 oder 28 Zoll große Räder verfügt. Ist das mit dem Copenhagen Wheel gerüstete Laufrad montiert, hat man ein voll funktions- und leistungsfähiges Pedelec. Tauscht man das Elektro-Rad abermals gegen das ursprüngliche Hinterrad, fährt das Fahrrad entsprechend wieder ausschließlich mit Beinkraft. Um ein ursprünglich konventionell getriebenes Fahrrad handelte es sich auch beim unseren Testexemplar, einem schicken Retro-Rennrad von Bianchi, das vor allem dank der knallroten Scheibe die Blicke aus sich zog.
 
Ganz leicht ist das nachträglich zum Pedelec gewandelte Bianchi nicht, denn allein der Diskus wiegt stolze 7,6 Kilogramm. Dafür stecken in der Scheibe neben dem Elektromotor auch Batterie, Steuerelektronik, diverse Sensoren und ein Bluetooth-Modul. Letzteres macht die Einbindung eines Smartphones möglich, das als Steuereinheit und Bordcomputer dient. Am Copenhagen Wheel selbst befindet sich als einziges Bedienelement ein kleiner Drehschalter in der silberfarbenen Mitte. Stellt man diesen auf An, blinken ein paar winzige LED-Dioden, die zugleich Auskunft über den Füllstand der Batterie geben. Will man losfahren, muss man ein mit der App gerüstetes Smartphone per Bluetooth mit dem Rad verbinden. Ist die Koppelung nach wenigen Sekunden geglückt, wird dies durch ein durchgehendes Leuchten der LEDs signalisiert. Danach drückt man auf dem Handydisplay den Ride-Button, um das Fahrrad zu aktivieren. Neben einem Standard- kann man noch einen Eco-, Turbo- und Exercise-Modus wählen. Standard eignet sich hervorragend für eigentlich alle Fahrsituationen. Turbo bietet einen herrlichen Extra-Punch, während Eco hilft, das Reichweitenfenster zu vergrößern. Wer sich für Exercise entscheidet, will seine Muskeln stählen und den Akku laden, denn hier schiebt der Motor nicht, sondern sorgt für erhöhten Widerstand.
 
Doch eigentlich geht es um den Motorschub, der erfreulich homogen, lautlos und souverän ist. Allerdings nur, wie bei Pedelecs üblich, bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h. Mit klassischen E-Bikes kann das Copenhagen Wheel also locker mithalten und an Steigungen einigen sogar davonfahren, da das Aggregat auch bergauf kräftig anschiebt, ohne viel Schwung zu verlieren. Wird das Rad an Steigungen langsamer, muss man lediglich einen kürzeren Gang wählen und die Trittfrequenz erhöhen. Unser Testrad war mit einer Tiagra-Kettenschaltung von Shimano ausgestattet, die mit ihrer großen Anzahl verschiedener Übersetzungen im sportlichen Einsatz sehr nützlich sein mag, in Kombination mit dem E-Antrieb allerdings übertrieben viele Gänge bietet. Eine Dreigangschaltung würde eigentlich reichen. Meist bleibt man ohnehin in einer langen Übersetzung, da man auch mit dieser dank des Schubs der E-Maschine problemlos anfahren kann.
 
Reichweiten-Fetischisten könnte das Copenhagen Wheel möglicherweise abschrecken, denn mit der fest integrierten und nicht herausnehmbaren Batterie kommt man praktisch 40 bis 50 Kilometer weit. Für alltägliche Touren wie etwa dem Weg zur Arbeit wird das allemal reichen. Ein Zusatzakku lässt sich an das geschlossene System nicht anschließen. Ein weiterer Nachteil der Bauweise: Zum Aufladen muss man entweder das Hinterrad ausbauen oder das komplette Fahrrad zur Steckdose bringen. Wer keine Lademöglichkeit im Fahrradkeller nutzen kann, wird das Rad in die Wohnung schleppen müssen. Immerhin: Sollte die Batterie einmal während der Fahrt schlapp machen, wäre das nicht weiter tragisch, denn auch ohne Motorunterstützung bleibt das Bike gut fahrbar. Lediglich beim Anfahren muss man die rotierende Masse des E-Antriebs in Bewegung setzen, doch hat man etwas Tempo drauf, fährt sich das Conversions-E-Bike, anders als die meisten Vollblut-Pedelecs, sehr manierlich.
 
Eine ungewöhnliche und zugleich geniale Lösung ergibt sich aus der Rekuperationstechnik: Hat das Fahrrad einen Freilauf, kann man das Copenhangen Wheel als Motorbremse einsetzen. Sobald man die Pedale leicht rückwärts bewegt, verringert sich das Tempo deutlich. Mit etwas Übung kann man dank dieser Möglichkeit in den meisten Situationen auf den Einsatz der Handbremsen verzichten. Ganz nebenbei wird außerdem Energie zurückgewonnen. Vor allem bei längeren Bergabfahrten sorgt dies für eine größere Reichweite.
 
Eine smarte Lösung ist auch die App, die deutlich mehr Möglichkeiten bietet als nur den Fahrmodus festzulegen. Sie dient auch als Tacho und Bordcomputer. Unter anderem werden die Fahrten detailliert aufgezeichnet und sogar der geografische Verlauf auf einer Karte angezeigt. Zudem gibt es Infos zur Dauer, Distanz, Durchschnittsgeschwindigkeit oder dem Kalorienverbrauch. Am besten ist es, wenn man das Smartphone mit einer entsprechenden Halterung am Lenker befestigt. Es kann aber auch in der Tasche bleiben. Clever: Wenn man sich vom Fahrrad einige Meter entfernt, sperrt sich der E-Antrieb automatisch. Bluetooth-Betrieb und die App lassen die Stromreserven des Smartphones allerdings schnell schrumpfen.
 
Bestellen können deutsche Interessenten das Copenhagen Wheel derzeit exklusiv nur auf der Homepage von Superpedestrian. Bereits im Februar soll ein Vertrieb über stationäre Partnershops möglich sein. Der Kunde muss bei der Bestellung ein paar Eckdaten seines Fahrrads angeben. Superpedestrian schickt dann das dazu passende Hinterrad samt Antriebseinheit zum Kunden, der lediglich das Hinterrad selber tauschen muss. In naher Zukunft sollen auch komplette Fahrräder angeboten werden. Mit Lieferkosten und Steuern werden für das Copenhagen Wheel rund 1.750 Euro fällig.

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