Motorrad

Husqvarna Vipilen und Svartpilen: Progressiv und skandinavisch simpel

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mid Berlin - Kein Vertun möglich: Hier handelt es sich um eine Husqvarna Svartpilen. Husqvarna

Die besten Dinge im Leben sind zunächst gewöhnungsbedürftig. Sie erschließen sich nicht sofort, dafür umso dauerhafter. Vitpilen und Svartpilen könnten dazu gehören. Die beiden schwedischen Namen gehen nur schwer ins Ohr. Sie stehen für die weiße und die schwarze Interpretation von urbanen Motorrädern, wie KTMs Tochtermarke Husqvarna sie sich vorstellt.

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Die besten Dinge im Leben sind zunächst gewöhnungsbedürftig. Sie erschließen sich nicht sofort, dafür umso dauerhafter. Vitpilen und Svartpilen könnten dazu gehören. Die beiden schwedischen Namen gehen nur schwer ins Ohr. Sie stehen für die weiße und die schwarze Interpretation von urbanen Motorrädern, wie KTMs Tochtermarke Husqvarna sie sich vorstellt. Und wie sie ab 2018 in den Hubraumvarianten 401 und 701 mit 44 und 75 PS den Markt der kleinen und mittleren Naked Bikes kräftig durcheinander wirbeln sollen. Dazu bringen Husqvarna Vitpilen und Svartpilen gute Voraussetzungen mit, wie ihre statische Deutschlandpremiere in Berlin-Neukölln beweist.

Die Hintergrundstory ist schnell erzählt: 1903 begann der bisherige Waffen- und Fahrradproduzent Husqvarna in Schweden mit dem Bau von Motorrädern. Nach einer langen Historie mit Glanzpunkten vor allem auf dem Offroad-Sektor ging die Traditionsmarke 2007 bis 2013 an BMW, was aber nicht funktionierte. Deshalb übernahm dann KTM. Zunächst wuchs in Sachen Offroad zusammen, was zusammen passt. Doch jetzt soll der Kies- und Schotterspezialist Husqvarna auch den Asphalt erobern: Mit bewährter, hyper-fahraktiver KTM-Technik und außergewöhnlichem Design. Ab April 2018 gehen die Vitpilen und Svartpilen an den Start - mit 375 oder 690 ccm Hubraum. Der urbane Roadster Vitpilen 701 für 9.895 Euro, die Vitpilen 401 für 6.295 Euro, die mit grobstolligeren Reifen und Drahtspeichenrädern etwas robustere Svartpilen zunächst nur als 401 zum selben Preis.

Die beiden schwedischen Ableger der österreichischen KTM Duke-Modelle 690 und 390 brechen ebenso auffällig wie wohltuend heraus aus der seit Jahren wogenden Retro-Welle: Nicht Nostalgie, sondern eine simple, progressive und moderne Interpretation des eigenen Markenerbes stand laut Designer Maxime Thourenin im Vordergrund. Der Versuch, der von KTM übernommenen Motor- und Fahrwerkstechnik einen eigenen Auftritt als Husqvarna zu verschaffen, ist offenbar gelungen. Pressesprecher Felix Egidi zufrieden nach der Premiere in der Neuköllner Eventlocation Colonia Nova: "Die Resonanz auf das Motorrad war überwältigend, was insbesondere am progressiven und minimalistischen Design der urbanen Roadster liegt. Dafür hat das Designstudio Kiska bestehende Trends und Denkmuster hinter sich gelassen und ein Straßenmotorrad entworfen, das pur, echt und zeitlos ist."

Motor und Fahrwerk von Konzernmutter KTM sind über fast jeden Zweifel erhaben, denn die entsprechenden Modelle KTM 390 und 690 Duke sind bekannt für hyperagilen Fahrspaß, wie ihn sonst kaum Bikes dieser beiden Klassen bieten: kräftig, dabei leicht und wieselflink. Die drehfreudigen Motoren mit 375 und 690 ccm Hubraum strafen jeden Lügen, der am Potenzial eines Einzylinders zweifelt. Der 690er-Motor ist sogar der stärkste Serien-Single aller Zeiten. Allerdings: Die beiden österreichischen Duke-Varianten treten in Sachen Design und Farbe (meist dominiert grelles Orange) recht schrill auf. Ganz anders ihre neuen schwedischen Interpretationen der Tochtermarke Husqvarna: "Simple. Progressive." lautet hier das Motto.

Und simpel, minimalistisch, geradlinig und schnörkellos sehen die weiße Vitpilen und die schwarze Svartpilen auch aus. Kein Wunder: Der Franzose Maxime Thourenin hat seine Aufgabe für die schwedische Traditionsmarke wirklich ernst genommen. Skandinavisches Design sei die wichtigste Inspiration gewesen - "clean, reduziert, immer auf den Punkt", so der Franzose aus dem österreichischen Designstudio Kiska, das seit 1990 die ebenfalls progressive Optik von KTM prägt. Die Linienführung der beiden schwedischen Roadster Vitpilen und Svartpilen strahlt den Charme formaler Ästhetik aus, wie man sie so nur aus Skandinavien kennt. Von der gesamten Formgebung bis hin zu liebevoll gestalteten Details wie dem auffälligen Rundscheinwerfer, den cleanen Instrumenten und einem eigenständig gestalteten Nummernschildhalter.

Der Preis ist allerdings ganz schön heiß, den Husqvarna dafür aufruft, dass die bekannte KTM-Technik in einem exklusiver gestylten Outfit daherkommt: Die zunächst nur in weiß erhältliche Vitpilen 701 (9.895 Euro) liegt immerhin 800 Euro über dem Preis des technischen Organspenders KTM 690 Duke (8.495 Euro), die auch nicht gerade als Schnäppchen gilt. Und die kleineren Vitpilen bzw. Svartpilen 401 (6.295 Euro) übertreffen ihre Konzernschwester KTM 390 Duke sogar um 900 Euro. Dennoch: Mit ihrem extrem eigenständigen Auftritt haben die zunächst drei Straßen-Husqvarnas durchaus das Zeug dazu, kräftig in den 400er und 700er Naked Bike-Klassen zu wildern. Wenn nicht sofort, dann zumindest allmählich, wenn die eigenwilligen Namen Vipilen und Svartpilen irgendwann endlich doch ins Ohr gehen werden...

Ralf Schütze

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