Pistenraupen

Für den Pistendienst findet die Skisaison in der Nacht statt

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Prinoth-Pistenraupe in Damüls. Foto: Auto-Medienportal.Net/Michael Kirchberger

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Christoph Berlinger setzt sich auf den Schwingsessel in seiner fast neun Tonnen schweren Prinoth-Maschine und startet den 510 PS starken Mercedes-Sechszylinder-Diesel. Die Fahrerkabine ist mollig temperiert, aus der Audioanlage singt Joe Cocker. Im weiten Schwung lässt der 28 Jahre alte Familienvater den Pistenbully aus der Servicehalle der Skiarena Damüls im Bregenzer Wald gleiten. Immer wieder kontrolliert er die Umgebung, ob ein verspäteter Skifahrer trotz der Sperrung noch auf den Hängen unterwegs ist.

Berlinger rauscht hinüber zur Südseite des Skigebietes, wo tagsüber die Wärme der Sonne und die scharfen Kanten der Ski dem Pistenbelag zugesetzt haben. Auf dem Weg dorthin haben seine Kollegen schon lange vor Saisonbeginn mehrere Schneedepots angehäuft, immer dann, wenn es kalt genug war, den Kunstschnee rieseln lassen. Daran bedienen sich nun je nach Bedarf die gefräßigen Pistenraupen hier im österreichischen Vorarlberg, einem ebenso variantenreichen wie beliebten Skigebiet zwischen Bludenz und dem Arlberg, um die Pistenverhältnisse auf dem erwarteten hohen Niveau zu halten. Schneeberge werden versetzt, Löcher gefüllt und die Oberfläche geglättet. Mit dem zwölffach verstellbaren Schild am Bug und der Fräse am Heck. Nicht wenige Skifahrer blicken den Pistenraupen neidisch hinterher. Einmal und scheinbar mühelos den Hang hinauf zu fahren, das ist für manchen ein alter Kindertraum.

Christoph betreibt Kosmetik. ,,Die Skifahrer sind anspruchsvoll, sie wollen nicht nur perfekt präparierte Pisten, sie möchten auch, dass es gut ausschaut", sagt er im kehligen Vorarlberger Dialekt - die Schweiz ist nicht weit. Immer wieder fährt er von der geglätteten Schneefläche in die Umgebung, schaufelt hier ein paar Kubikmeter herbei und verteilt sie akribisch auf den Buckeln, falls an denen hier und da etwas Gras hervorschaut. Zuviel darf er außerhalb der markierten Piste nicht wegnehmen, schließlich soll auch dort die weiße Pracht ohne dunkle Stellen tagsüber in der Sonne strahlen und für ein eindrucksvolles Bergpanorama sorgen.

An den besonders steilen Hängen arbeiten Berlinger und Kollegen mit Winschentechnik. Hierbei wird ein bis zu 1800 Meter langes Drahtseil an einem einbetonierten Stahlpfosten eingeklinkt und die Pistenraupe zieht sich mit ihrer Winde am Seil den Hang hinauf. Das verhindert, dass der Schnee durch das Gewicht der Maschine nach unten abrutscht. Ist aber für Tourengänger eine echte Gefahr: ,,Wenn da nachts einer aufsteigt, der sieht mich gar nicht, so weit weg kann ich sein. Wenn dann das Seil über eine Kuppe schrammt und er am falschen Platz steht, dann hat er keine guten Karten", sagt Christoph. Nicht ohne Grund sind die Pisten nachts absolut gesperrt.

Die Technik der Pistengeräte hat sich dramatisch verbessert. ,,1950 waren die Skilehrer hier noch mit einem Handroller unterwegs, um den Schnee zu glätten. 1967 hatten wir den ersten Ratrac mit 106 PS", sagt Markus Simma, Chef der Damülser Bergbahnen und Pistenraupen. Heute präparieren die Mitarbeiter mit zwölf Schneekatzen die Abfahrten. Sie sind mit GPS-Empfängern ausgerüstet, die auf fünf Zentimeter genau wissen, wie tief der Schnee unter den Raupenketten ist - High Tech im Abendrot. Vorne wird geschoben und geschaufelt, hinten gefräst und geglättet. Allein die Maschine am Heck der Raupe schluckt mit ihrer Hydraulikpumpe 300 PS der Motorleistung; der Diesel verbraucht mindestens 20 Liter in der Stunde. Im Gegenzug bietet er 2200 Newtonmeter Drehmoment an.

Spät in der Nacht kehrt Christoph in die Garage zurück. Er und seine Kollegen haben dafür gesorgt, dass die weiße Pracht wieder ordentlich verteilt wurde, die Pisten am nächsten Morgen wieder in einwandfreiem Zustand sind. Lange soll der Schnee halten damit die Skifahrer am nächsten Morgen wieder sicher ins Tal hinabschwingen können. Vor allem aber, dass sie in der nächsten Saison wiederkommen. (ampnet/mk)

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