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Test: Yamaha MT-07 - Mehr Motorrad braucht man nicht

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Yamaha hat seinen Bestseller MT-07 jetzt nach fünf Jahren Bauzeit bereits das zweite Update verpasst Foto: Yamaha

Yamaha hat seinen Bestseller MT-07 jetzt nach fünf Jahren Bauzeit bereits das zweite Update verpasst. Die Änderungen sind subtil, entfalten aber Wirkung.

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Vier Jahre hat die Yamaha MT-07 jetzt auf dem Buckel. Ihr anhaltender Erfolg - Jahr für Jahr sind europaweit stets etwa 17.000 Einheiten verkauft worden und in Deutschland belegt sie konstant Rang zwei der Zulassungs-Statistik - hat die Japaner veranlasst, bereits zwei Jahre nach der ersten Überarbeitung jetzt das zweite Update zu bringen. Mehr als 120.000 seit 2014 weltweit abgesetzte Bikes rechtfertigen diesen Aufwand zweifellos, auch wenn der Einstiegspreis mit 6.800 Euro nach wie vor scharf kalkuliert ist. Die Weiterentwicklung betrifft vor allem das verbesserte Fahrwerk, die Ergonomie und das Design.

Zum fantastischen 700er-Zweizylinder gibt es wegen der unveränderter Technik nichts weiter zu sagen; einen angenehmeren Motor als dieses 55 kW/75 PS leistende Triebwerk kennt der Markt nicht: Durchzugsstärke, Drehfreude, Laufruhe, Charakter - ein Genuss. Keine Änderung auch bei Rädern, Bremsen, Beleuchtungs- und  Auspuffanlage sowie Cockpit-Anzeigen.

Anders beim Fahrwerk: Es wurde von anspruchsvolleren Fahrern häufig als zu unpräzise empfunden und ließ sich, abgesehen von der Vorspannung des Zentralfederbeins, auch nicht einstellen. Hier hat Yamaha große Anstrengungen unternommen: So ist die 41-Millimeter-Telegabel jetzt mit härteren Gabelfedern ausgerüstet, zudem wurde die Zugstufendämpfung um 16 Prozent angehoben. Noch mehr investiert hat man am ebenfalls von Kayaba bezogenen Federbein: An ihm lässt sich die Zugstufendämpfung nunmehr verändern, zudem wurde die Zugänglichkeit der Vorspannungs-Einstellung verbessert. Die Federrate wurde um elf Prozent härter, die Zugstufendämpfung um insgesamt 27 Prozent erhöht, die Druckstufe sogar um 40 Prozent. Damit entspricht die Funktionalität des Federbeins derjenigen der höherwertigen MT-09.

Resultat der vielen kleinen Modifikationen ist eine spürbar verbesserte Fahrbarkeit der MT-07 unter allen Bedingungen. Die Federelemente sprechen besser an, das bei engagierter Fahrt bislang fast permanente ,,Pumpen" auf welliger Straße ist nun deutlich vermindert. Selbst bei sehr schneller Fahrt auf zerfurchtem Asphalt beschleichen den Fahrer keine Befürchtungen mehr, die MT-07 könne außer Kontrolle geraten. Nennenswerte Abstriche in punkto Komfort müssen dennoch nicht gemacht werden. Dazu trägt auch die Verbesserung des Sitzkomforts bei. Der neu geformte 14-Liter-Tank baut zwar geringfügig breiter, endet aber einen Zentimeter weiter vorne, da dass die nun straffer gepolsterte Sitzbank etwas länger ausfällt und mehr Bewegungsfreiheit bietet.

Seitlich reicht die Sitzbank nun weiter an den Tankflanken nach vorne, was den Kontakt zwischen Oberschenkeln und Tank verbessert. Großgewachsenen Fahrern kommt Yamaha durch die höhere Sitzbank entgegen, die den Abstand zwischen Sitz und Fußrasten um fast drei Zentimeter wachsen lässt; dieser ,,Sportsitz" ist als Zubehör beim Händler erhältlich. Die Serien-Sitzhöhe der MT-07 blieb mit 80,5 Zentimetern unverändert; der etwas schmäler gestaltete Sitz verbessert aber die Erreichbarkeit des Bodens.

Frischer als bislang präsentiert sich das Design; es nimmt die MT-Grundelemente auf, ist gegenüber den deutlich leistungsstärkeren Modellen MT-10 und MT-09 aber etwas zurückgenommen. Das ist auch gut so, denn der weit überwiegende Teil der MT-07-Interessenten dürfte ein etwas dezenteres Auftreten schätzen. Dazu passt ausgezeichnet der fein abgestimmte Sound aus dem sehr dezenten Endschalldämpfer; charaktervoll, aber weit entfernt von jeder Art Lästigkeit.
 
So kann man guten Gewissens allen denjenigen, die ein leicht zu handhabendes Allround-Motorrad zu überschaubaren Kosten fahren wollen, einen Besuch beim Yamaha-Händler und eine ausgiebige Probefahrt mit der 2018er MT-07 empfehlen. Uns ging auf den Straßen Andalusien bei teils miserablen Witterungsbedingungen und horrend glatten Straßen immer wieder der eigentlich lapidare Satz durch den Kopf: ,,Mehr Motorrad braucht eigentlich kein Mensch". Im Fall der Yamaha MT-07 ist aber da viel Wahres dran: Es gibt eigentlich kein anderes Motorrad, das unter Berücksichtigung von Motor, Handlichkeit, Fahrkomfort, Bedienbarkeit und Preis mehr bietet als die MT-07.

Technische Daten - Yamaha MT-07
Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Reihenmotor, DOHC, 689 ccm Hubraum, 55 kW/75 PS, Drehmoment: 68 Nm bei 6.500 U/min; 6 Gänge, Kettenantrieb
Fahrwerk: Stahl-Brückenrahmen; vorne Telegabel ø 41 mm, 13 cm Federweg; Leichtmetall-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein, Vorspannung und Zugstufendämpfung einstellbar, 13 cm Federweg; Leichtmetall-Gussräder; Reifen 120/70 ZR 17 (vorne) und 180/55 ZR 17 (hinten), 28,2 cm Doppelscheibenbremse vorne, 24,5 cm Einscheibenbremse hinten, ABS
Maße und Gewichte: Radstand: 1,40 m, Sitzhöhe: 80,5 cm, Gewicht fahrfertig: 182 kg, Zuladung 173 kg; Tankinhalt 14 Liter
Fahrleistungen: Vmax: 207 km/h. Normverbrauch: 4,3 l/100 km, Testverbrauch 4,5 l/100 km
Preis: ab 6.795 Euro

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