Umwelt & Eco

New Mobility auf dem Genfer Autosalon - Elektrischer, autonomer, abgehobener

  • In UMWELT & ECO
  • 7. März 2018, 17:15 Uhr
  • Mario Hommen/SP-X
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Renault stellt mit dem EZ-GO ein Robotertaxi in Genf vor Foto: SP-X/Matthias Knödler

Der Selbstfahrer ist ein Auslaufmodell, wie erneut etliche Studien in Genf zeigen. Wann es soweit ist, dass die Technik ganz übernimmt, bleibt aber ungewiss. Dafür macht E-Mobilität weiter Fortschritte. Auch das Flugauto wird konkreter.

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Die Autozukunft wird autonomer und elektrischer. Diesen Eindruck vermitteln wieder einmal diverse Neuheiten auf dem Genfer Autosalon (8. bis 18. März). Während die E-Mobilität sich facettenreicher und konkreter präsentiert, bleibt es bei den autonomen Autos bei sehenswerten, doch im Hinblick auf einen Marktstart weiterhin vagen Konzepten.

Bestes Beispiel dafür ist das Robotertaxi EZ-GO von Renault. Einen Fahrer sieht dieses Konzept nicht mehr vor. Stattdessen bietet das 5,20 Meter lange Fahrzeug einen luftigen Innenraum mit einer U-förmigen Sitzbank und Gepäckablagen. Gäste steigen dank eines großen und weit nach oben öffnenden Portals aufrecht ein. Das Shuttle-Fahrzeug fährt mit maximal 50 km/h vollständig autonom, das so genannte Level 5 des autonomen Fahrens. Die Sensortechnik umfasst Radar, Lidar, Ultraschall und Kameras in einem ausfahrbaren Technik-Keil im Fahrzeugheck. Fahren kann das Auto zumindest auf dem Messestand, doch wohl bis Mitte des kommenden Jahrzehnts wird es dauern, bis Renault entsprechende Robotertaxis auf die Straße bringt.

Ebenfalls als Level-5-Mobil präsentiert VW sein Luxuselektroauto I.D. Vizzion. Der über fünf Meter lange Stromer verzichtet ebenfalls auf ein Cockpit mit Lenkrad oder Pedalerie. Die bis zu vier Fahrgäste dürfen stattdessen das wohnliche Ambiente mit großflächigem Holzdekor, Hochflorteppich und bequemen Ledersesseln genießen. Fast 700 Kilometer elektrische Reichweite soll der Langsteckenshuttle bieten. Die für 2022 angekündigte Serienversion dürfte allerdings als Auto für Selbstfahrer mit Lenkrad ausgelegt werden. Wie weit dann die automatisierten Fahrkünste reichen, bleibt abzuwarten.

Noch unkonkreter ist die italienisch-chinesische Firma Icona Design, die den sehr futuristisch gezeichneten Nucleus in Genf vorstellt. Optisch kommt das Konzeptfahrzeug wie ein ICE auf vier Rädern daher. Innen bietet der 5,25 Meter lange Brocken riesige Multimedia-Displays, bequeme Loungesessel und eine auch als Liege nutzbare Sitzbank. Lenkrad? Ebenfalls Fehlanzeige. Der Nucleus soll Level 5 beherrschen. Vier Radnabenmotoren mit insgesamt rund 600 PS sorgen zudem für einen souveränen Vortrieb. Ein Batteriepaket und eine Brennstoffzelle zusammen sollen 1.200 Kilometer Reichweite ermöglichen.

Eine im Wortsinn abgehobene Vision hat Audi auf die Räder gestellt. Es handelt sich um ein leichtes Minimobil, das auch als Passagierkabine für das Flugmobil Pop.up Next dient. Diese Vision wurde gemeinsam von Italdesign und Airbus entwickelt. Das bereits 2017 vorgestellte Konzept eines zweiteiligen Flugautos wurde für den Genfer Autosalon in Details überarbeitet. Die im Vergleich zum ersten Pop.up leichter konstruierte, modulare Kabine von Audi kann als autonom fahrendes E-Auto eingesetzt werden. Im Innenraum dominiert ein Riesendisplay mit 49-Zoll- Bildschirmdiagonale. Lenkrad oder andere Bedienelemente gibt es nicht. Die Mensch-Maschine-Interaktion erfolgt über Spracheingabe, Gesichtserkennung, Eyetracking sowie Touch-Funktion. Insassen können also ihr Fahrziel nennen und sich dann vom geerdeten Passagiermodul dorthin fahren lassen. Alternativ lässt sich der untere Teil mit Rädern, E-Motor und Batterie abkoppeln und die Kabine an eine riesige Drohne mit vier Rotoren hängen. Diese ermöglicht es den Fahrgästen, zum Ziel zu fliegen. Aussagen über einen möglichen Serienbau gibt es von Italdesign nicht.

Doch das Flugauto kommt. Und zwar schon bald, wie die holländische Firma PAL-V eindrucksvoll mit der Serienversion des Liberty unterstreicht. Technisch handelt es sich um einen dreirädrigen Gyrokopter mit zweisitziger, geschlossener und mit Scheinwerfern ausgestatteter Kabine. Auf dem Boden fährt sich der Liberty ähnlich wie ein Auto. Das gut vier Meter kurze und knapp unter 700 Kilogramm schwere Gefährt wird dazu von einem 74 kW/100 PS starken Motor bis maximal 160 km/h angetrieben. Alternativ lassen sich in wenigen Minuten Luftleitelemente am Heck mit fast elf Metern Spannweite ausklappen. Wie bei Gyrokoptern üblich, braucht der Liberty den Anlauf einer Startbahn. Eine Landung ist hingegen auf dem Punkt möglich. In der Luft erreicht das Flugauto eine Reisegeschwindigkeit von rund 140 km/h, in der Spitze sind 180 km/h möglich. Die erstmalig in Genf gezeigte finale Serienversion, die optisch einen vertrauenserweckenden Eindruck hinterlässt, soll nächstes Jahr an Kunden ausgeliefert werden. Preislich geht es bei rund 360.000 Euro los.

Bodenständiger geben sich die neuen Elektroautos in Genf. Immerhin drei davon kann man demnächst kaufen. Serienversionen zeigen Jaguar mit dem I-Pace (bis 500 Kilometer Reichweite), Hyundai mit dem Kona Elektro (bis 470 Kilometer Reichweite) sowie Microlino mit einem zweisitzigen Isetta-Klon (bis 200 Kilometer Reichweite).  Außerdem hat Audi verkündet, noch in diesem Jahr das Elektro-SUV e-tron mit 500 Kilometern Reichweite auf den Markt zu bringen. Diese Reichweite bietet auch die Porsche-Studie Mission E Cross Turismo, die Ausblick auf ein 2019 angekündigtes Serienmodell gibt. Sogar Aston Martin will elektrisch werden, wie das Lagonda Vision Concept unterstreicht, das Ausblick auf ein für 2021 geplantes Serienmodell mit mehr als 600 Kilometern Reichweite und autonomen Fähigkeiten auf Level 4 gibt.

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