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Neu-alt-Vergleich: Audi 100 Avant und S5 Sportback - Umgekehrtes Farbenspiel

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Der erste Fließheck-Audi (Avant) der Hunderter-Baureihe im tiefglänzenden Schwarz macht sich gut neben dem korallenorangenen S5 Sportback Foto: SP-X/Patrick Broich

Ein schwarzes Statement der bunten Siebziger trifft auf eine bunte Antwort mitten in der farblich tristen Neuzeit: Der erste Fließheck-Audi (Avant) der Hunderter-Baureihe im tiefglänzenden Schwarz macht sich gut neben dem korallenorangenen S5 Sportback.




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Dieser Vergleich betont die Gegensätze: Der Erstkäufer dieses mit elektrischen Fensterhebern und Velours ausstaffierten Audi 100 5E CD muss Anfang der Achtziger den Luxus geschätzt haben und das Understatement. Denn das tiefglänzende Schwarz, das bei den letzten Typ 43 gar nicht mehr im Prospekt auftaucht, wirkt staatstragend und edel. Eine Farbe, die auch dem Audi S5 gut zu Gesicht gestanden hätte. Das Korallenorange unseres Vergleichsfahrzeugs der Neuzeit hingegen ist so herrlich retro, dass man es eigentlich beim 43er erwartet hätte. Und so gibt das Paar ein schönes Bild ab, wenn es gemeinsam über die Landstraße gleitet und zum Flanieren in der Stadt vorbeischaut. Dann nehmen die Passanten sichtlich Anteil, würdigen die Erscheinung mit einem freundlich zugewandten Lächeln oder einem gen Himmel ragenden Daumen.
Apropos Erscheinung: Man hätte dem damals stattlichen 100 CD auch einen A7 zur Seite stellen können. Doch die aktuelle Mittelklasse-Baureihe A5/S5 macht sich recht fein neben dem Typ 43, der formal der oberen Mittelklasse angehört, als Avant allerdings mit einer Länge von 4,59 Metern recht kompakt ausfällt. Ein Mercedes W123, seinerzeit etabliertes Mitglied der Businessklasse, war mit 4,72 Metern schon deutlich ausladender. Der heutige Fließheck-S5 ist mit 4,75 Metern Außenlänge schon ein ordentlicher Tourer.

Die in den Siebzigern neuartige Fließheck-Limousine Typ 43 war auch zu ihren Neuwagen-Zeiten nicht das Ende der Fahnenstange in puncto Komfort und Performance - doch im Land der Käfer ganz sicher ein Auto der Bessergestellten. In den plüschigen Sitzen (sogar mit Kopfstützen hinten) fühlt man sich wohl. Lange Strecken mag man hier gerne zurücklegen, auch wenn sich der Geschmack längst geändert hat. Heute muss es eben definiert-sportlich sein. Das ist der als Avant mittlerweile extrem rare 100er mit der praktischen, großen Heckklappe nun wahrlich nicht, dafür eben kommod. Trotz Starrachs-Konstruktion hinten taugt das Fahrwerk für den Alltag, der 43er federt fein. Klar hat das große Lenkrad Spiel und selbst mäßig zügig gefahrene Autobahn-Kurven können schon mal eng werden - aber das erwartet man ja irgendwie auch von einem 40 Jahre alten Auto.
Der hier 100 kW/136 starke Fünfzylinder mit 2,1 Litern Hubraum schickt seine 185 Nm Drehmoment Richtung Dreigang-Wandlerautomatik. Damit ist der betagte Ingolstädter recht entspannt unterwegs, auch wenn man angesichts der hohen Drehzahlen schmunzeln muss. Der Fünfzylinder hat klanglich übrigens etwas Feines, Sonores - und das, obwohl er ja eine ökonomische Vernunftlösung sein sollte. Für die Entwicklung eines Sechszylinders war ebenso wenig Budget vorgesehen wie für ein aufwändigeres Fahrwerk.
Diese Zeiten haben sich geändert. Wer sich früher CD (das war die gehobene Ausstattung) gönnte, schielt heute auf das sportliche Topmodell der Mittelklasse-Baureihe - dann steht ,,S5" auf dem Heckdeckel. Die 260 kW/354 PS machen das Spitzenmodell zum ausgeprägten Athleten, nur für den Kenner zu identifizieren an der sauber in den Heck-Stoßfänger integrierten Vierrohr-Auspuffanlage. Aber es ist eben auch das einzige Modell mit mehr als vier Zylindern - und ein Sechsender bürgt nun einmal für hohen Antriebskomfort. Zum Glück hat sich der Konzern nicht hinreißen lassen, ein Doppelkupplungsggetriebe zu montieren: Der S5 verfügt über ein klassisches Achtgang-Automatikgetriebe mit hydraulischem Drehmomentwandler, was die Gangwechsel maximal geschmeidig macht. Das Fahrwerk präsentiert sich straff, aber nicht polterig-hart, ein ordentlicher Kompromiss also, wenn man einen Kilometerfresser benötigt, der auf der Landstraße dennoch eine gute Figur abgeben soll.

Obwohl ihm natürlich auch neuzeitliche Komfort-Extras wie TFT-Displays, Radar- und Laser-Sensorik oder Apple CarPlay fehlen, funktioniert der Audi 100 CD mit seinem dezent brabbelnden Komfort-Fünfzylinder für mittlere Strecken noch immer ganz gut. Man möchte ihn ja schließlich ein bisschen schonen. Wer das Budget für das Genussauto S5 übrig hat, wird ein gerüttelt Maß an Fahrkultur erleben.

Audi 100 Avant 5E - technische Daten:
Fließheck-Limousine, Gesamtbauzeit 1977 bis 1982, Länge: 4,59 Meter, Breite: 1,77 Meter, Höhe: 1,39 Meter, Radstand: 2,69 Meter
2,1-l-Fünfzylinder-Ottomotor, 100 kW/136 PS, maximales Drehmoment: 185 Nm bei 4.800 U/Min, 0-100 km/h: 9,5 s, Vmax: 188 km/h, Fünfgang-Schaltgetriebe (a.W. Dreigang-Wandlerautomatik)
Ehemaliger Neupreis 1980: ab 19.405 MarkHeutiger Marktpreis nach Classic Data
Note 1: 10.000 Euro
Note 2:  6.500 Euro
Note 3: 4.300 Euro
Audi S5 Sportback - technische Daten
Fließheck-Limousine, Länge: 4,75 Meter, Breite: 1,84 Meter, Höhe: 1,38 Meter, Radstand: 2,83 Meter
3,0-l-Sechszylinder-Otto mit Direkteinspritzung und Turboaufladung, 260 kW/354 PS, maximales Drehmoment: 500 Nm bei 1.370 U/Min, 0-100 km/h: 4,7 s, Vmax: 250 km/h, Achtgang-Wandlerautomatikgetriebe, Durchschnittsverbrauch: 7,5 l/100 km, CO2-Ausstoß: 170 g/km, Effizienzklasse C, Grundpreis: ab 63.300 Euro

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