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Panorama: Autosammler Michael Fux - Der Paradiesvogel unter den Petrolheads

  • In AUTO
  • 2. November 2018, 12:42 Uhr
  • Benjamin Bessinger/SP-X
  • 6 Bilder
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Der Autosammler Michael Fux Foto: Benjamin Bessinger / SP-X

Wenn er anruft, bekommen die Automanager feuchte Hände vor Freude und die Designer Magengrimmen. Denn kaum jemand kauft so viele Luxuslimousinen und Sportwagen wie Michael Fux - und hat dabei so einen, nun ja, speziellem Geschmack.

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Er trägt Sneaker mit Strasssteinen, sein Hemd schlabbert in Übergroße um die breiten Hüften und seine spärlichen grauen Haare locken sich in dünnen Strähnen bis auf die Schultern - wie der typische Amerikaner in den Sechzigern sieht Michael Fux nicht gerade aus. Doch der Mann, der als Kind aus Kuba immigriert ist, hat seinen eigenen Geschmack - und kann sich den auch leisten. Schließlich hat er es mit dem Verkauf von Matratzen zu einem Millionenvermögen gebracht und muss sich von niemandem mehr sagen lassen, was er zu tragen und wie er auszusehen hat.

Aber Fux wählt nicht nur seine Garderobe mit einem sehr speziellen Geschmack, auch seine Garage zeugt von einem stilistischen Eigensinn. Denn seine Autos sind genauso schillernd und bunt wie seine Kleidung und machen ihn zum Paradiesvogel unter den Petrolheads: Zum Interview bittet er deshalb in den Fond eines Rolls-Royce Phantom, der außen noch ein unschuldiges Weiß trägt, innen aber in einer Mischung aus Pink und Violett ausgeschlagen ist, die Fux selbst komponiert und deshalb Fuxia genannt hat. Und fürs Portraitfoto geht er ein paar Meter weiter zu seinem McLaren Senna, den er als erster in den USA bekommen und ebenfalls hochgradig individualisieren hat lassen - bis hin zu cremefarbenen Leder, das so einen wunderschönen Kontrast zum giftgrünen Cockpit bildet.

Fux weiß, dass er mit solchen Kreationen ein wenig polarisiert und wahrscheinlich macht genau das den Reiz für ihn aus. Aber er weiß auch, dass er sich seinen schrägen Geschmack leisten kann. Denn als er seine ersten Eigenkreationen bestellt hat, wollten ihm die Designer noch reinreden und ihm ihren Stil aufdrücken, erinnert sich der Sammler und knipst ein überlegenes Lächeln an. Denn egal, wie bunt seine Autos auch werden sollten, er hat sich die Wahl nie ausreden lassen. Und nachdem er es mittlerweile bei Ferrari oder McLaren, Mercedes und BMW, Porsche oder Lamborghini ganz nach oben auf die Liste der Stammkunden geschafft hat, versucht das auch gar keiner mehr, sagt er mit dem Strahlen des Siegers: ,,Wenn man mal so viele Autos gekauft hat wie ich", sagt er selbstbewusst, dann können die Farben noch so ungewöhnlich sein, aber dann sagt keiner mehr nein."

Allerdings steht er sich mit seinem speziellen Geschmack bisweilen auch mal selbst im Weg: Dass in seiner Kollektion zum Beispiel noch ein Pagani fehlt, liegt nicht an mangelndem Budget oder daran, dass ihm der eilige Exot aus Italien zu unbequem wäre. ,,Ich habe einfach noch keine passende Farbe gefunden, in der mir das Auto gefällt", sagt Fux und wirkt dabei tatsächlich ein bisschen zerknirscht.

Muss er aber nicht. Denn die Auswahl in seinen Garagen in Miami und irgendwo ein paar Stunden nördlich von New York ist mehr als groß genug: Wie viele Autos Fux mittlerweile genau sein Eigen nennt, darüber hat er ein bisschen den Überblick verloren. 140 oder 160 sollten es sein, und mindestens zweimal im Monat kommt eines dazu. Denn egal ob Porsche oder Lamborghini, BMW oder Mercedes, Rolls-Royce oder Ferrari - fast überall hat Fux noch Bestellungen offen. Und weil seine Autos nie von der Stange sind, dauert es mit der Auslieferung halt bisweilen mal so lange, dass er den Wagen glatt vergessen hat und sich umso mehr freut, wenn er dann plötzlich vor der Türe steht.

Begonnen hat Fux' PS-Biographie ausgesprochen banal. Denn als Teenager war sein erstes Auto ein über zehn Jahre alter Ford, der so verrostet war, dass man durch den Wagenboden schauen konnte. ,,Gut im Sommer, schlecht im Winter", erinnert er sich der Mann, der heute die meiste Zeit in einer S-Klasse oder einem Siebener mit V12-Motor sitzt, an den Beginn seiner Autofahrer-Karriere.

Doch je älter er wird, desto mehr Geld verdient er und desto teurere Autos kann er sich leisten. Das erste, dass er bewusst gekauft hat, war ein BMW M5, der heute noch in seiner Sammlung ist. Es folgten ein Z8 und eine Handvoll Corvette und spätestens ab der Jahrtausendwende kauft er mehr Autos, als er wirklich fahren kann. ,,Da hat die Sammlerei so richtig angefangen", erinnert sich Fux, der sich einfach nicht beherrschen kann. Denn eigentlich wollte er schon längst aufhören. ,,Aber dann kommt ein neues Auto, ich überlege kurz, und ehe ich eine Antwort habe, ist der Kaufvertrag auch schon unterschrieben."

In nüchternen Momenten mag sich der Millionär über diese Unbeherrschtheit ärgern. Aber im Grunde geht damit für ihn ein Traum in Erfüllung, den er als kleiner Junge hatte. Damals noch ein bettelarmes Kind in Havanna, durfte er zum ersten Mal auf dem Schoß seines Großvaters dessen Taxi durch die Straßen der kubanischen Hauptstadt steuern und war sofort vom PS-Virus infiziert: ,,Wenn ich groß bin", hat er sich damals geschworen, ,,will ich so erfolgreich sein, dass ich mir jedes Auto kaufen kann, das mir gefällt." Und bislang hat es noch für jeden Exoten gereicht - selbst wenn Fux mit seinen Sonderwünschen den Kaufpreis gerne mal verdoppelt.

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