Fahrbericht

Audi frischt seine Design-Ikone auf

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mid Groß-Gerau - Die zweite Generation des Audi A7 fällt deutlich akzentuierter aus als die erste. Audi

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, ist also individuell. Doch wer den Audi A 7 nicht als Design-Ikone erkennt, der ist wohl mit Blindheit geschlagen.

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Schönheit liegt im Auge des Betrachters, ist also individuell. Doch wer den Audi A 7 nicht als Design-Ikone erkennt, der ist wohl mit Blindheit geschlagen. Audi-Designchef Marc Lichte ist kein Mann der schrillen Formensprache. Trotzdem fällt die zweite Generation des Audi A7 deutlich akzentuierter aus als die erste.

Wobei wir hier von Nuancen sprechen, wie dem bulligeren Kühler, der kantigeren Gürtellinie, den schmalen LED-Scheinwerfern oder dem durchgehenden Band der Rückleuchten. Schließlich gab es am schmucken Äußeren auch nichts zu verbessern, sondern höchstens zu aktualisieren.

Im Innenraum hingegen sieht alles komplett anders aus. Hier bedient man sich der Architektur und der Technik der Oberklasse-Limousine A 8. Der will der A 7 zwar bei Komfort und Raumangebot nicht unbedingt den Rang ablaufen, sondern nur ganz nahe rücken, aber die Bedientechnik teilen sich die beiden ganz bewusst.

Für den A 7-Besitzer bedeutet dies einen durchgreifenden Wechsel. Audi hat Schalter und Knöpfe weitgehend auf den Entwicklungs- Friedhof getragen. Bei den kleinen und großen Helfern sowie bei der Verknüpfung mit der digitalen Welt gibt es einen galoppierenden Fortschritt, der sich kaum mehr über das zu Recht viel gelobte System des Dreh- und Drückstellers dirigieren lässt. Stattdessen gibt es zwei übereinandergesetzte Touchscreen-Monitore in Armaturenbrett und Mittelkonsole. Hier kann man sich in die Tiefen der Bedienung drücken - und sich auch darin verlieren, denn nicht immer findet man auf Anhieb das, was man braucht.
Da macht es deutlich mehr Spaß, sich an der luxuriös, aber alles andere als überladenen Innenraumgestaltung zu erfreuen. Das Interieur wurde mit ähnlich leichter Hand designt wie die elegante Außenhaut.

Dass man sich schon auf den ersten Kilometern gut untergebracht fühlt, hängt mit dem zur Verfügung stehenden Platz zusammen. Der verdient durchgehend die Beschreibung "mehr als ausreichend". Wo die Kundschaft beim Vorgänger Kritik anbrachte, wurde nachgebessert: bei der Kopffreiheit. Groß gewachsene Personen werden jetzt allerdings bemängeln, dass ihnen die zu diesem Zweck tiefer gesetzte Rückbank eine nicht wirklich optimale Sitzposition aufdrängt. Das ist etwas ungewohnt, aber kein echter Makel.

Ebenfalls fast makellos arbeitet die Luftfederung. Mit viel Fingerspitzengefühl suchten die Ingenieure den optimalen Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort - mit Punktlandung. Nur bei sportlicher Fahrt auf schlechten Straßen ist das Fahrwerk nicht völlig rückmeldungsfrei. Hier fordern zwei Tonnen Gewicht ihren Tribut.

Das gilt auch für die Agilität. Zwar trägt die Allradlenkung mit einer sehr direkten Reaktion ihren Teil dazu bei, dass der A 7 bei Richtungswechseln sehr spontan reagiert, doch beim Herunterbremsen und Anstellen es Fahrzeugs lässt sich nicht völlig kaschieren, dass über 2000 Kilo schieben.

Der Antrieb hingegen setzt sich scheinbar über die Gesetze der Physik hinweg. Der sahnige V6-Diesel schüttelt seine wuchtigen 620 Nm Drehmoment wie aus dem Ärmel. In nur 5,6 Sekunden steigt die virtuelle Nadel des digitalen Tachos auf die 100er Marke. Erst bei 250 km/h ist Schluss. Nicht, weil die Kraft ausgeht, sondern weil die Elektronik abregelt.

Die Souveränität des Diesel-Triebwerks passt perfekt zum Getriebe. Die Achtgang-Wandlerautomatik schaltet schnell und sanft. Vor allem schaltet sie früh, um den Verbrauch positiv zu beeinflussen. Im Testdurchschnitt blieb es bei 8,2 Litern, was gemessen am häufig genutzten Potenzial der 286 PS ein guter Wert ist. Der Normverbrauch lässt von 5,6 Litern im Durchschnitt träumen, gibt aber immerhin berechtigte Hoffnung darauf, dass Werte mit einer Sieben vor dem Komma realistisch sind.

Technisch und optisch ist der A 7 premium. Leider auch beim Preis. Der Händler ruft mindestens 66 300 Euro auf und meckert nicht, über viele Kreuzchen in der Aufpreisliste. Wohin das führen kann, zeigt der mit allem Schnickschnack ausgestattete Testwagen: 110 385 Euro.

Dieter Schwab / mid

Technische Daten Audi A7 50 TDI

Fünftürige Coupé-Limousine, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Metern: 4.97/1,91 m
1,42/2,93 m, Leergewicht: 1955 kg, Zuladung: 580 kg, Kofferraum: 535 Liter, Tankinhalt: 63 Liter, Anhängelast gebremst/ungebremst: 2000/750 kg.
Grundpreis: 66 300 Euro.

Motor: V6-Zylinder, Diesel. Hubraum: 2967 ccm, Leistung: 210 kW/286 PS bei U/min: 3500, max. Drehmoment: 620 Nm bei U/min: 2250, Normverbrauch: 5,6 Liter, CO2-Emission: 147 g/km. Testverbrauch: 8,2 Liter, Beschleunigung: von 0-100 km/h: 5,7 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h.

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