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Gebrauchtwagen-Check: VW Sharan - Ein echter Van - in jeder Hinsicht

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Der VW Sharan ist bei Familien beliebt Foto: VW

Als Neuwagen ist der VW Sharan für viele Familien zu teuer. Entsprechend beliebt sind gebrauchte Modelle. Doch nicht immer kommen sie wirklich günstiger.

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Platz ohne Ende, bis zu sieben Sitze und bewährte VW-Technik? Das stimmt beim akutellen VW Sharan (2010 bis heute) leider nur zum Teil. Denn der Familien-Shuttle ist zwar geräumig und praktisch, aber nicht immer zuverlässig.

Karosserie: Im Hinblick auf Sitzplatzangebot und Kofferraumvolumen ist der Sharan der Größte im Pkw-Programm von VW. Noch mehr Platz gibt es allenfalls in den Kleinbus-Varianten des Transporters T6. Der Sharan gibt sich allerdings eine Spur handlicher und bietet innen mehr Pkw-Ambiente. Die ergonomische und eingängige Bedienung kennt man aus anderen Modellen der Marke, genauso die gute Verarbeitung und die ansprechende Materialauswahl. Das Raumempfinden in Reihe eins und zwei ist luftig, die optionale dritte Sitzreihe will man Erwachsenen auf Langstrecken jedoch nicht zumuten. Die drei Einzelsitze im Fond sind umleg- und verschiebbar, anders als beim Vorgänger können sie aber nicht mehr ausgebaut werden. Optional gibt es eine umklappbare Beifahrersitzlehne. Dazu kommen die praktischen Schiebetüren, die das Aussteigen in engen Parklücken erleichtern. Auf Wunsch lassen sie sich auch vom Fahrersitz aus elektrisch betätigen.

Motoren: Bei den Antrieben sind die sparsamen und durchzugsstarken Selbstzünder die prinzipiell bessere Wahl für den knapp zwei Tonnen schweren Sharan. Den Vierzylinder mit 2,0 Litern Hubraum gab es über die Jahre in unterschiedlichen Generationen und in mehreren Leistungsstufen: 85 kW/115 PS, 103 kW/140 PS, 110 kW/150 PS, 125 kW/170 PS, 130 kW/177 PS und 135 kW/184 PS. Bis zum Lifting im Sommer 2015 waren die Motoren nach Euro 5 zertifiziert, seitdem erfüllen sie die Vorgaben der Euro-6-Abgasnorm, die vor künftigen lokalen Fahrverboten schützen könnte. Allerdings können die Euro-5-Triebwerke vom VW-Abgasskandal betroffen sein. Kaufinteressenten sollten sich daher informieren, ob Software-Updates oder andere Maßnahmen durchgeführt wurden. Wer dem Stickoxid-Ärger sicher aus dem Weg gehen will oder sowieso eher wenig fährt, kann auch zu einem der Turbo-Benziner greifen, die es mit 1,4 und 2,0 Litern Hubraum und 110 kW/150 PS, 147 kW/200 PS oder 162 kW/220 PS gibt. Für die Kraftübertragung steht neben einem manuellen Sechsganggetriebe für alle Motoren bis auf den Basisdiesel auch ein Doppelkupplungsgetriebe zur Wahl. Allradantrieb gibt es ausschließlich in Kombination mit den beiden stärkeren Dieselmotoren.

Ausstattung und Sicherheit: Schon in der Basisvariante ,,Trendline" ist der Sharan ordentlich ausgestattet. Die Einzelsitze im Fond sind genauso Serie wie die zwei Schiebetüren; dazu kommen Klimaanlage und Radio. Trotzdem ist die Optionsliste lang und beherbergt vieles, was den Van praktischer macht: angefangen von Klapptischchen an den Sitzlehnen über die Dachreling und eine elektrische Heckklappe bis hin zu Laderaum-Fixiersets und Gepräckraumnetze. Darüber hinaus interessant ist das 6/7-Sitzer-Paket mit dritter Sitzreihe und wahlweise Sitzbank oder zwei Einzelsitzen in Reihe zwei. ESP und sieben Airbags sind selbstverständlich Serie und fünf Sterne im Euro-NCAP waren für den Sharan kein Problem.

Qualität: Die erste Generation des Sharan, damals gemeinsam mit Ford entwickelt, ist ein berüchtigter Mängelriese. Auflage zwei ist besser, aber noch längst nicht gut. Vor allem das aus dem Mittelklassemodell VW Passat übernommene Fahrwerk ächzt unter dem Gewicht des großen Familienautos. Bei der Hauptuntersuchung sind Federbrüche, eine defekte Lenkung oder ausgeschlagene Buchsen regelmäßig ein Thema. Ein übliches Van-Problem, auch bei anderen Herstellern, aber dadurch nicht minder ärgerlich - und vor allem teuer. Aber auch in allen anderen HU-Prüfkapiteln gibt es laut TÜV Report immer wieder Ärger - jeder dritte Sharan weist erhebliche Mängel auf. Selbst Rost an tragenden Teilen ist keine Seltenheit.

Fazit: Fast alle großen Vans sind anfällig, der Sharan macht da keine Ausnahme. Weil er aber auch gebraucht noch teurer ist als viele Konkurrenten, sollten Kaufinteressenten ihr Wunschauto besonders genau unter die Lupe nehmen. Im Zweifel bewahrt ein Check in der Werkstatt vor bösen und kostspieligen Überraschungen. In Sachen Alltagsnutzen und Ambiente ist der große VW aber über alle Zweifel erhaben.

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