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Leser fragen - Experten antworten - Ganzjahresreifen oder lieber saisonale Spezialisten

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  • 14. März 2019, 11:18 Uhr
  • Dirk Schwarz/SP-X
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Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeugexperte der KÜS Foto: KÜS

Wer sich den Reifenwechsel an Ostern und im Oktober sparen möchte, greift zu Ganzjahresreifen. Diese sind aber nicht für alle Autofahrer sinnvoll.

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Frage: Mein Nachbar überlegt, statt der jährlichen Wechsel von Sommer- auf Winterreifen und Retour sein Auto nun mit Ganzjahresreifen auszurüsten. Lohnt sich das überhaupt?Antwort von Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeug-Experte der Sachverständigen-Organisation KÜS. Diese Frage lässt sich nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantworten. Ob sich Ganzjahresreifen rechnen, hängt von vielen Faktoren ab.Die Vorteile der nicht saisonalen Pneus liegen auf der Hand. Autofahrer müssen nur einen Satz Reifen anschaffen und die Kosten für den jahreszeitliche Wechsel in der Werkstatt entfallen. Besonders bei Fahrzeugen, die über ein aktiv arbeitendes Reifendruckkontrollsystem (RDKS) mit Sensoren verfügen, macht sich der Wegfall des Wechselturnus finanziell bemerkbar. Da die Sensoren beim Wechseln kalibriert werden, steigt die Verweildauer eines Fahrzeugs auf der Hebebühne bei einem Rädertausch und damit natürlich auch die Kosten. Außerdem entfällt die Lagerung des zweiten Reifensatzes. Diese muss sofern der Autofahrer über keine eigene Lagerfläche in einer Garage oder im Keller verfügt, beim Reifenhändler oder in der Werkstatt bezahlt werden.Anders als Sommer- oder Winterreifen, die auf den jeweiligen Einsatz spezialisiert sind, müssen Ganzjahresreifen sowohl mit kalten als auch warmen jahreszeitlichen Bedingungen klarkommen. Die grundsätzliche Herausforderung bei der Entwicklung eines Ganzjahresreifens besteht darin, den Pneu so auszulegen, dass er die unterschiedlichen Anforderungen bei Fahrten beispielsweise auf Schnee, Glatteis, trockenem oder regennassen Asphalt  zufriedenstellend meistert. Im Vergleich zum saisonalen Spezialisten sind Ganzjahresreifen am Ende aber immer ein Kompromiss.Wer sich für einen Ganzjahresreifen entscheidet, muss sich dies vorher klarmachen. Ob sich ein Ganzjahresreifen nun rechnet, hängt nicht zuletzt vom Fahrerprofil ab. Ist ein Autofahrer viel sowie oft auf Autobahnen unterwegs und legt er Wert auf optimale Reifenperformance in der jeweiligen Saison, sollte er zu den Spezialisten greifen. Gerade bei hohen Geschwindigkeiten oder speziellen Fahrbahnbedingungen bieten sie bessere Sicherheitsreserven. Ganzjahresreifen nutzen sich außerdem bei Volllastfahren schneller ab als die entsprechenden Spezialisten.Der Ganzjahresreifen ist eher für Autofahrer gedacht, die wenig Kilometer im Jahr fahren und/oder überwiegend im städtischen Umfeld unterwegs sind. Sie sollten zum Beispiel bei extremem Wintereinbruch das Fahrzeug stehen lassen können. Wichtig für den Wintereinsatz ist übrigens, dass auch der Allrounder das Schneeflocken-Symbol auf der Flanke trägt. Wer jedoch regelmäßig in alpinen Regionen zum Skifahren fährt, sollte definitiv zu Winterreifen greifen, die etwas mehr als die geforderten Mindestanforderungen für diese Klassifizierung erfüllen.Für welchen Reifen sich ein Autofahrer auch entscheidet: Er sollte auf Qualität achten und Billigmodelle meiden. Schließlich sind Pneus ein wichtiger Sicherheitsfaktor. Gute Kaufentscheidungshilfen liefern die Reifentests der Automobilclubs und der Automagazine, zudem beraten Fachwerkstätten und Sachverständige der KFZ-Branche.

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