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Gebrauchtwagen-Check: Fiat Punto - Viele Namen, viele Probleme

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Der Fiat Punto wird nicht mehr gebaut, Restposten sind aber noch als Neuwagen zu haben Foto: Fiat

Ein flottes Stadtauto für kleines Geld? Wer so etwas sucht, ist beim Fiat Punto nicht an der falschen Adresse. Auf Langzeitqualität sollte man aber nicht hoffen.

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Mit rund 14 Jahren Bauzeit zählt der Fiat Punto 3 zu den dienstältesten Pkw-Modellen auf dem deutschen Markt. Während der bis 2018 gebaute Italiener als Neuwagen zuletzt also in erster Linie etwas für Traditionalisten war, kann er als Gebrauchter mit breitem Angebot und günstigen Preisen punkten. Interessenten sollten allerdings genau hinschauen, denn ein hohes Dienstalter bedeutet nicht automatisch Ausgereiftheit.

Karosserie und Innenraum: Bei seinem Debüt 2005 zählte der Punto zu den optisch flotteren Modellen in seinem Segment. Mehrere Liftings und damit einhergehenden Neubenennungen (zwischenzeitlich firmierte der Kleinwagen unter ,,Grande Punto" und ,,Punto Evo") später kann sich der Fiat immer noch sehen lassen. Das Platzangebot ist vorne wie hinten ordentlich, die Sitze sind bequem, zahlreiche Ablagen nehmen im eher funktional als chic gestalteten Innenraum Kleinkram auf und der Kofferraum ist zumindest ordentlich. Seine nur gut vier Meter Länge machen den als Drei- und Fünftürer gebauten Italiener in der City angenehm wendig, allerdings verlangt die unübersichtliche Karosserie nach Übung beim Rangieren.

Motoren: Erste Wahl für den Antrieb von Fiats Kleinwagen waren und sind die Benziner. Das Angebot reicht vom 65 PS starken 1,2-Liter-Vierzylinder-Basismotor über die seltenen Zweizylinder-Turbos mit bis zu 77 kW/109 PS bis zum 132 kW/179 PS starken 1,4-Liter-Turbo-Triebwerk im Abarth-Modell. Letzteres passt mit seinem Temperament zwar gut zum straff abgestimmten Stadtflitzer, verbraucht im Alltag allerdings zu viel Kraftstoff. Genau umgekehrt verhält es sich mit dem Basistriebwerk, das zwar in Anschaffung und Unterhalt überschaubar teuer ist, aber seine liebe Mühe mit dem über eine Tonne schweren Auto hat. Für die meisten Interessenten dürfte einer der Motoren im mittleren Leistungsbereich die beste Wahl sein. Vielfahrer sollten sich zudem eine der zahlreichen bis 2015 gebauten Dieselvarianten mit 1,3, 1,6 und 1,9 Litern anschauen, die es mit 55 kW/75 PS bis 96 kW/131 PS gibt. Außerdem gibt es einen 1,4-Liter-Erdgasmotor mit 57 kW/77 PS.

Ausstattung und Sicherheit: Schon die immer wieder geänderte Modellbezeichnung des kleinen Fiats kann verwirren. Die zahlreichen Ausstattungslinien mit ihren regelmäßig modifizierten Umfängen machen das Chaos bei der Suche nach dem Wunschmodell perfekt. Dafür ist das Programm an Extras nicht besonders breit, zu bestellen waren fast nur die Klassen-Standards. Der Schleuderschutz ESP ist in den ersten Baujahren nicht serienmäßig an Bord, erst nach dem Lifting 2009 schaffte es das Sicherheitssystem auch in die Einstiegsmodelle. Für Sicherheit sorgen zudem vier Airbags, moderne Assistenten waren nicht zu bekommen. Beim EuroNCAP-Crashtest erreichte der Punto 2005 fünf von fünf Sternen.

Qualität: Dass der Fiat dank seiner langen Bauzeit über die Jahre gereift wäre, kann man nicht sagen. Über alle Produktionsjahre hinweg liegt sein Mängelniveau laut TÜV-Report weit über dem Durchschnitt. Zu den Problemen zählen leckende Stoßdämpfer, zu schwache Bremsen, teils heftiger Ölverlust am Motor und gammelige Auspuffanlagen. Dass das Qualitätsniveau nicht das höchste ist, zeigt auch die Vielzahl an Rückrufen, bei denen unter anderem an Federn, Lenkung und ABS nachgebessert werden musste.

Fazit: Der Punto kann zwar als kleiner und flotter Stadtwagen prinzipiell überzeugen, macht sein durchaus gelungenes Konzept aber durch die vielen Nachlässigkeiten zunichte. Immerhin ist der Einstiegspreis mit rund 1.800 Euro attraktiv. Investieren sollte man das Geld aber nach Möglichkeit nur in ein gut in Schuss gehaltenes Fahrzeug mit frischer HU.

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