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Shanghai Motorshow: SUV-Schwemme bei VW - Alles für China

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Der Tayron ist ein VW-SUV, das in China exklusiv für China gebaut wird Foto: VW

Die Welt liebt hochbeinige SUV, vor allem die Chinesen. Volkswagen, Marktführer im Reich der Mitte, zeigt auf der Autoshow im Shanghai gleich sechs neue Modelle dieser Art. Damit werden die Wolfsburger Ende des nächsten Jahres ein Dutzend SUV alleine in China im Angebot haben.

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Noch ist Volkswagen mit all seinen Automarken die Nummer Eins im größten Automarkt der Welt. Doch in China droht Ungemach. Die Modelle der einheimischen Hersteller, einst als ,,Reisschüsseln" verspottet, holen immer mehr auf, haben sich in Technik und Design angepasst. Um den Platz an der Sonne zu verteidigen, setzt VW voll auf die begehrteste Art von Autos, verdoppelt die Anzahl der SUV-Modelle bis Ende nächsten Jahres.

Shanghai, zwei Tage vor Eröffnung der inzwischen wichtigsten Autoausstellung des Jahres: Volkswagen ist in Sonntagslaune und lädt in eine leergeräumte Halle seiner Fabrik in Anting, eine Autostunde von der Millionenmetropole entfernt. ,,SUV Night" ist angesagt, ein Kürzel, dass gut die Hälfte aller Autokäufer in China begeistert. Nirgendwo ist der Anteil der hochbeinigen Mischungen aus Geländewagen und Kombi so hoch.

Schon mal was von Tayron, Tharu oder Teramont gehört? Das sind alles VW-SUV, die in China exklusiv für China gebaut werden. Natürlich stammen sie alle von bekannten Modellen wie dem deutschen Tiguan ab. Auch kleinere Autos, wie T-Roc oder auch der neue Mini-SUV T-Cross sind im Angebot. ,,Der Unterschied ist vor allem die Dimension. Hier in China sind die Autos in der Regel ein Stück länger als in Europa", erklärt VW-Vertriebschef Jürgen Stackmann. Dabei kann es um bis zu 20 Zentimeter gehen. Der Grund dafür ist die Lust der Asiaten auf mehr Beinfreiheit auf den hinteren Sitzen. Das gilt auch für das kleinste Modell, den T-Cross, der sich den Unterbau mit dem deutschen VW Polo teilt. Im chinesischen Modell bietet er im Fond fast soviel Raum wie ein Golf.

Doch damit nicht genug. Auf der ,,SUV Night" rollten neue, fast serienreife SUV auf die Bühne, die bis Ende nächsten Jahres die Vorherrschaft der Deutschen und ihrer chinesischen Partnerfirmen sichern sollen. Zu Beispiel ein neues, noch namenloses Riesen-SUV mit fast 5,20 Metern Länge, das sich derzeit noch ,,VW SMV" nennt. Es bietet bis zu drei Sitzreihen im Innenraum und ist das größte Modell auf dem berühmten MQB, dem ,,modularen Querbaukasten", der vielen Modellen von VW, Audi, Seat oder Skoda als Basis dient.

Ein neuer Schönling als Tiguan- oder Tayron-Schwestermodell steht ebenfalls in den Startlöchern. Das ,,SUV Coupé Concept" hat ein elegant nach hinten abschwingendes Dach mit einem kleinen Spoiler als Abschluss. VW-Manager Stackmann dämpft alle Hoffnungen, dass das ebenfalls noch unbekannte Auto den Weg gen Europa schafft: ,,Das wäre bei uns derzeit sicher nur ein Nischenprodukt". Ähnliches gilt für den Teramont X, der auch mit einer hinteren Schräge daherkommt aber eine Nummer größer ist. Der normale Teramont gleicht übrigens einem VW-Modell, das in den USA für gut gefüllte Kassen des deutschen Konzerns sorgt. Dort heißt der SUV Atlas, ist nach deutschen Maßstäben mit rund 30.000 Euro fast ein Schnäppchen, aber ebenfalls nicht für den heimischen Markt gedacht.

VW riskiert also bewusst, dass dank der Globalisierung Begehrlichkeiten in anderen Ländern wie Deutschland entstehen. Hinter vorgehaltener Hand gibt VW-Mann zu, dass China als größter und wichtigster Markt nun mal Vorrang habe. So bleibt die SUV-Armada, zu der künftig auch der vollelektrische ID Roomz zählen wird, vorerst den immer noch autohungrigen Chinesen vorbehalten. Das gilt in gleicher Weise für die auch bei uns angebotene Langversion des Weltbestsellers Tiguan. In China wird er in Kürze auch als Plug-In-Hybrid zu haben sein. Dieser Antrieb mit einer per Steckdose aufladbaren Batterie und einem Verbrennungsmotor ist bei uns noch nicht in Sicht.

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