Mercedes-Benz Marco Polo

Test Mercedes Marco Polo: Versteckte Neuerungen

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Mercedes-Benz Marco Polo. Foto: Auto-Medienportal.Net/Daimler

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Neu muss nicht zwingend bedeuten, bewährte Lösungen aufzugeben. Wie sich Neues leicht mit den bekannten Werten verbinden lässt - für diese Philosophie ist der ,,neue" Marco Polo von Mercedes-Benz ein passendes Beispiel. Der Camper profitiert in seiner Neuauflage von der Überarbeitung der V-Klasse, die als Basis dient. Entsprechend zurückhaltend fallen die äußeren Veränderungen an der Frontpartie und im Inneren auf.

Wie bei der V-Klasse wurde die Front leicht überarbeitet, und im aufgeräumten Innenraum strömt nun die von der Klimaanlage aufbereitete Luft durch Düsen im Turbinendesign (wie bei der A-Klasse) zu Fahrer und Passagieren. Insgesamt unterstreicht das Design wie bei der V-Klasse den limousinenhaften Charakter des Campers. Alle Bedienelemente sind da, wo man sie vermutet, wobei allerdings der wie ein Fremdkörper aufrechtstehende Bildschirm eine bessere Integration verdient hätte. Bei der ersten Ausfahrt gewöhnt man sich schnell an die ungewohnten Abmessungen und stellt bald fest, dass sich auch der Marco Polo sich tatsächlich wie eine große Limousine ohne ausgeprägtes Wanken auch über kurvenreiche Straßen bewegen lässt.

Die Neuheit im neuen Mercedes-Camper befindet sich unter der Motorhaube. Dort arbeitet die jüngste Diesel-Entwicklung des Hauses. Hinter der Bezeichnung OM 654 verbirgt sich dank zahlreicher technischer Neuerungen einer der saubersten Vertreter seiner Art. Vor allem in der stärksten Ausbaustufe als Marco Polo 300 d (176 kW/239 PS) entwickelt der Vierzylinder beachtliche dynamische Qualitäten, die man in diesem Segment nicht unbedingt erwartet. In 8,6 Sekunden stürmt Marco Polo, so die Angaben von Mercedes, von Null auf 100 km/h und bei 215 km/h ist die maximale Geschwindigkeit erreicht.

Ob man allerdings mit einem Camper jeden Ampelstart gewinnen und das Maximaltempo auf der linken Spur ausreizen will, ist ein anderes Thema. Ist auf der anderen Seite aber doch irgendwie beruhigend, dass man könnte, wenn man nur wollte... Der OM 654 ist ein kerniger Geselle, der stets zeigt, dass Selbstzünder akustisch anders gestrickt sind als Benziner. Die Leistung wird von einem Neun-Gang-Automatikgetriebe an die Antriebsräder übertragen. Neben der Topmotorisierung kommt der Zweiliter-Antrieb auch mit 163 und 190 PS zu den Kunden.

Die Qualitäten eines Reisemobils spielen sich vor allem in der Gestaltung des Innenraums ab, und in diesem Bereich zeigt sich der Marco Polo von seiner für die Marke typischen gediegenen Seite. Die Sitzbank im Fond lässt sich elektrisch in eine Schlaflandschaft verwandeln, das mit seinen Abmessungen (2,03 x 1,13 Meter) ein Doppelbett ergibt. Die kleine Küchenzeile ist mit einem zweiflammigen Gaskocher, einer Spüle sowie einer Kompressorkühlbox ausgerüstet. Zur Nahrungsaufnahme lässt sich ein Klapptisch herausziehen. Die beiden Frontsitze lassen sich zudem drehen, sodass bei Bedarf auch vier Camper an dem Tisch Platz finden. Das Aufstelldach aus glasfaserverstärktem Kunststoff lässt sich ebenfalls elektrisch ausfahren, und zahlreiche Schubladen und Ablagen fassen die für einen Campingurlaub notwendigen Utensilien. Für die Unterhaltung ist ein Soundsystem mit neun Lautsprechern an Bord.

Dank seiner Höhe von knapp zwei Metern kommt der Marco Polo auf Parkplätze, die für viele andere Reisemobile wegen Absperrungen wie zum Beispiel an der französischen Küste unerreichbar sind. Auch in Tiefgaragen lässt sich der Camper problemlos parken. Allerdings ist der Marco Polo kein klassisches Reisemobil. Sanitäre Anlagen sucht man vergebens. Das ist aber auch eine seiner Stärken, denn seine Kunden sind nicht nur reisefreudige Zeitgenossen, sondern auch Freiberufler, die den Marco Polo bei Bedarf als rollendes Büro nutzen und am Wochenende zu einem spontanen Ausflug aufbrechen.

Wie die neue V-Klasse kommt auch der Marco Polo mit zahlreichen Sicherheitssystemen und elektronischen Helfern auf den Markt. Serienmäßig und angesichts der Höhe des Campers hoch willkommen ist der Seitenwindassistent. Als Option lassen sich unter anderem weitere Systeme wie der aktive Abstandsassistent Distronic, ein Totwinkel-Assistent und das intelligente LED-Lichtsystem bestellen. Die Preise des neuen Modells sind noch nicht bekannt, werden aber, so eine Mercedes-Sprecherin bei rund 58 000 Euro für den Marco Polo 220 D beginnen. (ampnet/ww)

Daten Marco Polo 300 d:

Länge x Breite x Höhe (m): 5,14 x 1,93 x 1,98
Radstand (m): 3,20
Motor: R4-Diesel, 1950 ccm, Turbo, Direkteinspritzung
Leistung: 176 kW / 239 PS bei 4200 U/min
Max. Drehmoment: 500 Nm bei 1600-2400 U/min
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,6 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 6,1 Liter
Effizienzklasse: A+
CO2-Emissionen: 162-161 g/km (Euro 6d-Temp)
Leergewicht / Zuladung: min. 2487 kg / max. 613-703 kg
Max. Anhängelast: 2000 kg
Wendekreis: 11,8 m
Basispreis: ca. 62 000 Euro

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