Oldtimer

Panorama: Unterwegs mit einem Opel Kadett B Coupé von 1971 - Mal kalt, mal heiß, aber immer gut gel

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Bei Oldtimer-Rallyes sieht man auch Fahrzeuge, die neu auf den Markt kamen als man selbst noch Kind war Foto: Opel/André Tillmann

Auf Oldtimer-Rallyes sind Fahrer und Co-Pilot aufeinander angewiesen. Dabei darf der Spaß aber nicht zu kurz kommen. Was in einem ehemaligen Rallye-Auto gelingt.

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Oldtimer-Rallyes wie die gerade absolvierte Bodensee-Klassik haben ihren ganz eigenen Reiz. Dazu gehört auch das Fahren mit Fahrzeugen, die neu auf den Markt kamen als man selbst noch Kind war. Wie zum Beispiel mit einem Opel Kadett B. An der Rallye nimmt natürlich nicht irgendeiner der rund 2,7 Millionen Kadett B-Fahrzeuge teil, die zwischen 1965 und 1973 in gefühlt 100 verschiedenen Varianten produziert wurden, sondern ein ganz besonders Einzelstück: das Coupé mit dem der schwedische Rallyefahrer Anders Kulläng erfolgreich unterwegs war. Das über 50 Jahre alte, gelb lackierte Schätzchen fährt ganz stilecht mit zwei zusätzlichen Halogen-Fernscheinwerfern, der mattschwarz lackierten Motorhaube, schwarzen Streifen an den Seiten, 13 Zoll ,,großen" 155er-Gürtelreifen sowie Sportlederlenkrad und - ebenfalls ganz typisch 70er Jahre - mit Kunstledersitzen vor. Eine Heizung ist auch an Bord, dazu später mehr.

Los geht es für die 180 Teilnehmer auf die rund 570 Kilometer lange Strecke, die durch Deutschland und Österreich führt. Wobei einfach mal losfahren, ist keine gute Idee. Bei Oldtimer-Rallyes zählt nicht die Geschwindigkeit wie bei den WM-Läufen der WRC, sondern die Gleichmäßigkeit bei Wertungsprüfungen. Und die haben es durchaus in sich. Daher steht erst einmal Üben auf dem Programm.

3, 2, 1, durch!" - Mit dem letzten Kommando passiert das Fahrzeug die Lichtschranke der Wertungsprüfung in der vorgegebenen Zeit. Zumindest, wie sich das der Fahrer und sein Co-Pilot vorstellen. Noch hapert es bei der Abstimmung der Vorstellungen. Es kommt auf das Zusammenspiel beider Insassen an, um Erfolg zu haben. Der Fahrer muss das genaue Tempo einhalten, der Co-Pilot weist den Weg und zählt bei den Wertungsprüfungen die Zeit, damit der Fahrer weiß, in welchem Moment er die Lichtschranke passieren muss.

Es hört sich einfach an, erfordert aber eine Menge an Konzentration, wie gleich der Prolog auf dem Werksgelände von ZF in Friedrichshafen unter Beweis stellte. Dort mussten innerhalb einer Wertungsprüfung gleich mehrere Strecken mit verschiedenen Geschwindigkeiten und Zeiten absolviert werden. Mit zwei Stoppuhren in der Hand und lautem Zählen zählt der Beifahrer die Sekunden herunter, während der Fahrer die nächste Lichtschranke anpeilt. Am Ende des Prologs steht ein Platz im hinteren Drittel von knapp 180 Teilnehmern auf der Ergebnisliste im Aushang - man könnte wohlwollend formulieren: noch ausbaufähig.

Am zweiten Tag geht es auf die 291 Kilometer lange Lechtal-Runde mit Start und Ziel vor dem Festspielhaus Bregenz. Insgesamt acht Wertungsprüfungen erwarten die Teilnehmer, die längste Prüfung geht über 17 Kilometer durch die bergische Landschaft, die im Mai immer noch mit Schnee bedeckt ist. Doch für die Versuchungen der Landschaft bleibt nur selten ein Blick übrig, schließlich muss der richtige Weg gefunden werden.

Und die für die siebziger Jahre bärigen 106 PS wie auch die 176 km/h Höchstgeschwindigkeit locken heute dem gemeinen Kompaktklassen-Fahrer nur ein müdes Lächeln hervor. Hinzu kommt eine nicht funktionierende Heizung bei wenig frühlingshaften Temperaturen. Für Nostalgie-Atmosphäre auf der Oldtimer-Rallye ist also von vornherein gesorgt. Doch gerade dieses Nicht-Perfekt sorgt in der aktuellen Zeit für eine wohltuende Gelassenheit und Entspannung - auch wenn es kalt ist.

Trotz der widrigen Umstände klappt das erforderliche Zusammenspiel immer besser - Fahrer und Beifahrer stimmen sich aufeinander ein, sodass zwischen den Wertungsprüfungen auch mal Zeit für ein Späßchen bleibt. Denn trotz des sportlichen Wettbewerbs ist gute Stimmung an Bord die beste Voraussetzung, die vielen gemeinsamen Stunden auf engstem Raum ohne Lagerkoller zu überstehen.

Immerhin vor dem letzten Tag steht bereits eine zweistellige Platzierung. Die Schlussetappe beginnt im Vergleich zum Vortag sonnig und warm. Die über Nacht reparierte Heizung lässt sich nur schwer regulieren, sodass eine mehr als mollige Wärme die letzten Wertungsprüfungen auf der 271 Kilometer langen Allgäu-Runde begleitet. Häufiger wird das Fenster heruntergekurbelt, um die tropische Hitze in die Freiheit zu entlassen.

Die ersten Prüfungen des Schlusstages werden mit Bravour absolviert, das Zusammenspiel zwischen Fahrer und Beifahrer nähert sich dem Optimum. Gegen Ende treten erste Ermüdungserscheinungen auf, die Unkonzentriertheiten auf den letzten Prüfungsetappen und weitere Strafpunkte nach sich ziehen. Am Ziel in Bregenz fällt die Anspannung ab. Ein Platz im Mittelfeld ist für das erste gemeinsame Mal ein zufriedenstellendes Ergebnis, zumal der Spaß nicht zu kurz kam.

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