Historie

Die mid-Zeitreise: Test BMW R 100 GS Paris-Dakar

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  • 24. Mai 2019, 09:30 Uhr
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mid Groß-Gerau - BMW Motorräder stehen im Ruf von Reisekomfort. Ein Ruf, den sich die bayerische Traditionsmarke seit langem mit ihren Boxer-Modellen erworben hat. Der neueste Vertreter ist die Paris-Dakar Version der Einliter-Enduro R 100 GS. BMW

Am 18. September 1989 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 44. Jahrgang über die BMW R 100 GS Paris-Dakar.

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Am 18. September 1989 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 44. Jahrgang über die BMW R 100 GS Paris-Dakar.

Besonderes Kennzeichen: Tourentauglich

BMW Motorräder stehen im Ruf von Alltagstauglichkeit und Reisekomfort. Ein Ruf, den sich die bayerische Traditionsmarke seit langem mit ihren Boxer-Modellen erworben hat. Der neueste Vertreter dieser Gattung ist die Paris-Dakar Version der Einliter-Enduro R 100 GS. Als Langstrecken-Variante im auffallenden Wüsten-Look weist sie eine Reihe von Extras gegenüber der normalen GS auf: eine rahmenfeste und Sturzbügel abgesicherte Verkleidung inklusive Zusatzinstrumenten und einen Riesentank von annähernd 35 Litern Fassungsvermögen. Darüber hinaus ist sie noch mit einem größeren Schutzblech vorne und einer Abschirmung im Motorbereich ausgerüstet. Standardmäßig ist eine gut gepolsterte Einzelsitzbank vor einem Getränkekasten-tauglichen Gepäckträger vorgesehen. Doch gibt es auf Wunsch auch eine Doppelsitzbank mit entsprechend geringeren Gepäckträgerausmaßen.

Der luftgekühlte Zweizylinder-Viertaktmotor blieb dagegen unverändert. 980 ccm Hubraum produzieren hinreichende 44 kW/60 PS bei 6.500 Kurbelwellenumdrehungen. Der Drehmomentverlauf ist bullig, wobei der Maximalwert von 76 Nm bei nur 3.750 U/min anfällt. Nach dem problemlosen E-Starten (zusätzlicher Kickstarter gegen Aufpreis) und der etwas andauernden Warmlaufphase zieht der Zweizylinder bereits bei unteren Drehzahlen von 2.000 Touren kräftig los. Der Leistungszuwachs setzt sich dann unverdrossen im mittleren Drehzahlbereich fort, wobei der Boxer obenherum dann doch langsam träge wird. Sind Ventile und Vergaser gut eingestellt, hängt die Einlitermaschine sauber am Gas und läuft kultiviert ohne die sympathischen Vibrationen vermissen zu lassen.

Auch strapaziert der Boxer-Auspuffsound die Mitmenschen nicht. Insgesamt kann die Paris-Dakar jedoch aufgrund ihrer geringeren aerodynamischen Stirnfläche und des höheren Gewichts die Fahrleistungen der normalen GS nicht erreichen. Rund 175 km/h Höchstgeschwindigkeit zeigt der Tacho der Reise-Enduro dennoch an. Mit ihrem 35 Liter-Tank erzielt sie - ungeachtet des hohen Benzinverbrauchs von durchschnittlich sieben Litern bleifrei Normalbenzin auf 100 km - eine bei Motorrädern selten große Reichweite. Abgerundet wird die Antriebsseite durch die leichtgängige Kupplung und das präzise zu schaltende Fünfgang-Getriebe.

Telegabel und Federbein bieten mit 255 mm beziehungsweise 180 mm Federweg ausgesprochenen Tourenkomfort. Soll es jedoch zügig vorangehen oder heißt es ab ins (leichte) Gelände, empfiehlt sich eine straffere Einstellung der Federelemente. Bei dem vierfach verstellbaren Federbein ist das zwar noch möglich, wenn es auch auf Kosten des sensiblen Ansprechverhaltens geht, aber nicht mehr bei der Telegabel. Für die Fahrweise im Alltag reicht es jedoch. Geradeauslaufverhalten und Handlichkeit stellen zufrieden. Doch leichte Einbußen müssen durch die Stollenreifen und die gewisse Windempfindlichkeit hingenommen werden. Auch beeinträchtigt das hohe Gewicht von etwa 240 Kilogramm ein bisschen. Unverständlich ist, wieso die Paris-Dakar laut der Fahrzeugpapiere nur 215 Kilogramm wiegt und damit nicht schwerer sein soll, als die kleinere und einfacher ausgestattete R 80 GS.

Wären die Beine des Fahrers nicht so weit nach hinten angewinkelt, hätte sich durch den breiten Lenker und die akzeptable Sitzhöhe eine vorbildliche Sitzposition ergeben. Die BMW-eigenen Lastwechselreaktionen des Kardanantriebes werden durch die Paralever-Schwinge genügend unterdrückt. Neben dem Benzindurst fällt auch die Bremsanlage unangenehm auf: Angesichts des Maschinengewichts von 240 Kilogramm ist die Trommelbremse hinten endgültig überfordert. Die vordere Scheibenbremse gefällt durch effektive Verzögerungsarbeit, wobei sie allerdings auch durch Quietschen nervt.

Das Ausstattungsdetail Verkleidung bietet dem Oberkörper eines 180 Zentimeter großen Bikers spürbaren Windschutz, doch ist der Kopf mitunter heftigen Turbulenzen ausgesetzt, was auf Dauer unangenehm wird. Erfreulicherweise bietet das Cockpit neben dem Tacho serienmäßig Drehzahlmesser und Zeituhr. Doch gestaltet sich das Absperren des Lenkradschlosses umständlich, ist es doch tief in der Verkleidung untergebracht und lässt ein Zentralschloss vermissen. 15.670 DM verlangt BMW für die R 100 GS Paris-Dakar, die sich durch bewährte Technik und Langstreckenambitionen auszeichnet.

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