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Porsche Heritage Design - Klassiker für die Zukunft

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Der Speedster, selbst schon ein Hingucker par excellence, wird mit dem Heritage-Paket zu einer Hommage an die Anfangszeiten des Autobauers Foto: Porsche

Porsche arbeitet mit Hochdruck an der Zukunft und bringt noch in diesem Jahr sein erstes Elektro-Auto auf den Markt. Ihre Historie wollen die Stuttgarter aber nicht aus den Augen verlieren.

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Den Cayenne hat Porsche gerade neu aufgelegt, der Macan wurde gründlich überarbeitet, und Panamera sowie die 718er haben auch noch nicht viele Jahre auf dem Buckel. Dazu kommt das komplett neue Flaggschiff, der 911er, der erst seit Anfang dieses Jahres auf Kundenfang geht. Kurzum, die Stuttgarter haben ihr bestehendes Portfolio auf Vordermann gebracht, und können sich jetzt mit aller Kraft dem Taycan widmen. Jenem ersten vollelektrischen Porsche, der noch Ende 2019 an den Start geht und enorm wichtig ist, um zukünftige Abgas-Grenzwerte einzuhalten. Dass der Autobauer auch diese Zäsur mit links nehmen wird, darf man gerne glauben, schließlich ist Porsche schon mit ganz anderen Umbrüchen fertig geworden: Wasserkühlung, SUV, Diesel, Vierzylinder - der Aufschrei der Traditionalisten war immer groß, der Erfolg aber noch größer. Trotzdem wollen sich die Zuffenhausener nicht allein auf ihren guten Namen verlassen, und kündigen in einer Zeit, in der alle von der Elektro-Zukunft reden, eine Sondermodell-Reihe an, die Bezug auf die glorreichen Zeiten vergangener Jahrzehnte nehmen wird.

Einen Vorgeschmack auf die von der Porsche Exclusive Manufaktur erarbeiteten History-Modelle hat der 911 Speedster mit Heritage Design Paket gegeben, den Porsche im Frühjahr auf der Auto Show in New York gezeigt hat und der in Windeseile ausverkauft war: Der Speedster, selbst schon ein Hingucker par excellence, wird mit dem Heritage-Paket zu einer Hommage an die Anfangszeiten des Autobauers. Nicht umsonst war der in GT Silber Metallic lackierte Zweisitzer mit den auffälligen Gumball-Grafiken an Front und Türen auf 1.948 Einheiten limitiert - dem Geburtsjahr des 356ers. Cognac-farbenes Leder, goldene Schriftzüge und historische Porsche-Wappen auf der Motorhaube und den Radnaben der 20-Zoll-Zentralverschluss-Felgen sind Zitate aus der Geschichte.

Mit solchen Zitaten sollen auch die vier jetzt angekündigten Heritage-Design-Modelle arbeiten, die sich jeweils auf ein Jahrzehnt von den 50ern bis zu den 80ern beziehen. Viele Details will Porsche noch nicht verraten, fest steht aber schon jetzt: Alle Sondermodelle werden auf Basis des neuen 911ers gefertigt, den Anfang macht im ersten Halbjahr 2020 die 50er-Edition - wahrscheinlich auf Basis des dann gerade erscheinenden 911 Targa. Zwischen den einzelnen Modellen werden immer rund anderthalb bis zwei Jahre vergehen, so will Porsche den gesamten Bauzeitraum der aktuellen Elfer-Reihe ausnutzen. Und natürlich sind die Sonderedition limitiert, wahrscheinlich wird es jeweils kaum mehr als 1.000 Einheiten geben. Wie teuer die Heritage-Elfer sind, ist noch offen. An die rund 20.000 Euro, die für das Speedster Heritage Design Paket in Rechnung gestellt wurden, wird der Aufpreis aber wohl nicht heran reichen.

Kleiner Trost für alle, denen die limitierten Exemplare vor der Nase weggeschnappt werden: Porsche plant, in Anlehnung an die sogenannten ,,Leuchtturm-Modelle", auch Ausstattungspakete mit einzelnen Design-Details anzubieten, die dann für alle 911er erhältlich sein soll. Welche Details die Heritage-Elfer genau ausmachen sollen, verrät Porsche noch nicht. Ein erster Entwurf des 50er-Jahre-Modells arbeitet beispielsweise mit Cherry-roter Metallic-Lackierung, Sitzbezügen in crèmefarbenem Samt-Cord, und einer bordeauxroten-beigen Lederausstattung. Eine kleine, feine Hommage an die ersten Porsche-Modelle sind die grünen Ziffern im Drehzahlmesser und der Stopp-Uhr des Sport-Chrono-Pakets.

Zwar haben die Designer für die Heritage-Modelle tief in alten Stoffkisten gewühlt, und der Cord-Sitzbezug war auch in den 50ern so ähnlich erhältlich. Für die neuen Sondermodelle konnte aber nicht einfach der alte Stoff, von dem sich sicher noch einige Rollen in den Lagern gefunden hätten, verwendet werden. Schließlich muss dieser heute ganz neue Ansprüche erfüllen, sei es hinsichtlich Brandschutz, Licht-Echtheit, Witterungsbeständigkeit aber auch bezüglich der ,,Beschleunigung des Körpers auf der Sitzmittelbahn im Falle eines Unfalls" - Dinge, über die sich in den 50er Jahren niemand Gedanken gemacht hat.

Schon jetzt arbeiten die Entwickler deshalb auch an den Pepita-Stoffen für das 60er-Jahre-Modelle, dem Sitzbezug mit Pascha-Muster aus den 70ern und dem Tartan-Schottenkaro-Stoff für die 80er-Edition. Selbst die goldenen Schriftzüge, die schon beim Speedster zum Einsatz kamen und die wir auch bei den Heritage-Modellen wieder sehen werden - nicht aber in den einzelnen Design-Paketen - haben die Ingenieure vor Herausforderungen gestellt: Porsche hatte schlichtweg keinen lizenzierten Lieferanten mehr in seiner Kartei, der goldene Schriftzüge herstellt.

Ob die stark limitierten Sondermodelle am Ende Geld in die Porsche-Kasse spülen, ist in Anbetracht des hohen Aufwands fraglich. Freilich, mit den als Spin-off angebotenen Ausstattungspaketen lässt sich sicher der ein oder andere Euro verdienen. Und auch die passenden Merchandising-Artikel, wie die geplanten Chronografen der hauseigenen Porsche-Design-Uhrenmanufaktur, die nur kaufen kann, wer eines der Sondermodelle besitzt und die mit den gleichen Stoffen, Ledern und Farben arbeiten, wie die Autos, werden sich für den Autobauer lohnen. Vor allem aber will Porsche mit den Heritage-Modellen seine Historie betonen und das Erbe, das den Mythos Porsche ausmacht, hochalten. Auch in Zeiten der Elektromobilität.

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