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Reifendruckkontrollsysteme: Nutzen bleibt häufig umstritten

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@ Free-Photos (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Seit November 2014 müssen Neufahrzeuge mit einem Reifendruckkontrollsystem versehen sein. Doch die EU-Regelung ist gerade auf Seiten der Autofahrer nach fünf Jahren noch sehr umstritten. Wie sinnvoll sind die Reifendrucksysteme also wirklich?

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Mit der Vorgabe, dass alle Neufahrzeuge mit einem Reifendruckkontrollsystem ausgestattet sein müssen, wollte die Europäische Union vor allem die Sicherheit auf Europas Straßen weiter verbessern. Noch immer wird eine Reifenpanne von vielen Autofahrern unterschätzt. Dabei ist diese gerade bei hohen Geschwindigkeiten brandgefährlich. Handelt der Fahrer in dieser Notsituation falsch, sind schwere Unfälle rasch die Folge. Noch vor Einführung der Systempflicht musste der ADAC 2013 insgesamt 146.790 Mal bei Reifenschäden helfen. Nach Batterie- und Elektrikschäden am Fahrzeug sind sie laut ADAC Pannenstatistik demnach der dritthäufigste Pannengrund.

Dabei sind nur die wenigsten Reifenpannen vorhersehbar. Wie der ADAC mitteilte, resultieren etwa 75 Prozent der Reifenpannen aus einem schleichenden Druckabfall. Dieser erfolgt so langsam, dass ihn die Autofahrer gar nicht bemerken. Genau bei diesen Ursachen sollen die Reifendruckkontrollsysteme anknüpfen. Sie sollen die Autofahrer auf den Druckabfall aufmerksam machen. Das ist aber nur dann möglich, wenn sie zuverlässig funktionieren und genau hier scheint bislang bei einigen Systemen noch eine entscheidende Schwachstelle zu sein.

Natürlich würde sich auch ohne die Reifendruckkontrollsysteme dieser Wert beim eigenen Fahrzeug überwachen lassen. Dafür müssten die Autofahrer lediglich selbst aktiv werden, doch eine Bridgestone-Umfrage zeigte, dass gerade einmal 40 Prozent der Autofahrer ihren Reifendruck auch wirklich regelmäßig kontrollieren. Dabei rät auch der TÜV Süd dazu, wenigstens einmal monatlich den Druck zu überprüfen. Während dem Übergang vom Winter zum Sommer und umgekehrt sollte diese Kontrolle sogar wöchentlich erfolgen, da die Reifen hier aufgrund des Wetters sehr schnell Druck verlieren.

Diese Kontrolle sollen die Reifendruckkontrollsysteme überflüssig machen. Der Grundgedanke ist simpel: Die Systeme schlagen Alarm, sobald der Reifendruck zu stark abfällt. Der Autofahrer kann dann entweder daheim mit einem eigenen Kompressor Luft aufpumpen oder wählt den Abstecher zur nächsten Tankstelle.

Der Nutzen liegt auf der Hand. Da das Reifendruckkontrollsystem permanent den Reifen überwacht, kann viel schneller reagiert werden als bei der manuellen Überprüfung. Selbst wenn einmal im Monat der Reifendruck von Hand kontrolliert wird, vergeht zwischen diesen Kontrollen sehr viel Zeit, in der sich einiges bei dem Reifen verändern kann. Das RDKS kommt demnach vor allem der Sicherheit der Fahrer, aber eben auch der Lebensdauer Reifen zugute.

Nicht zu verachten, sind die die positiven Effekte, die ein RDKS auf die Fahrsicherheit haben kann. Ist der Druck im Reifen zu gering, geht das immer zu Lasten der Fahrsicherheit, wobei sich das in verschiedenen Bereichen zeigt. Zum einen lässt sich das Auto dabei nicht mehr so präzise steuern und fährt schwammig. Zum anderen sorgt ein zu geringer Reifendruck dafür, dass die Bremswege sich deutlich verlängern. Weiterhin belastet ein Druckabfall das eigene Portemonnaie. Ist der Reifendruck zu niedrig, steigt der Spritverbrauch an. All das versucht das Reifendruckkontrollsystem zu verhindern, in dem es frühzeitig Veränderungen anzeigt und dem Autofahrer damit überhaupt die Chance gibt, zu reagieren.

Auch wenn viele Gebrauchtwagen bislang noch nicht mit einem Reifendruckkontrollsystem versehen sind, lohnt es sich dieses nachzurüsten. Die Nachrüstung geht leicht, wobei die einzelnen Schritte aufgrund der unterschiedlichen Systeme doch voneinander abweichen können. Insgesamt bleiben die Kosten für die Nachrüstung überschaubar, der Nutzen ist dafür aber groß.

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