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Künstliche Intelligenz gegen Reiseübelkeit - Erkennen statt Erbrechen

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Bei Tests an Probanden in einem ,,Motion Sickness Research Vehicle" werden im realen Straßenverkehr die physiologischen Reaktionen verschiedene Fahrsituationen untersucht Foto: ZF

Viele Menschen wird es im Auto schlecht. Besonders Kinder leiden unter Reiseübelkeit. ZF geht den Ursachen jetzt mit viel Datenvalidierung auf den Grund.

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Automobilzulieferer ZF arbeitet in Zusammenarbeit mit Universität des Saarlandes daran, Ursachen für Reiseübelkeit bei Autoinsassen zu erkennen. Bei Tests an Probanden in einem ,,Motion Sickness Research Vehicle" werden im realen Straßenverkehr die physiologischen Reaktionen auf verschiedene Fahrsituationen untersucht. Ziel ist es herauszufinden, welche Faktoren maßgeblich zur Übelkeit beitragen. Gemessen wird dabei zum Beispiel Veränderung der Körpertemperatur sowie der Hautleitfähigkeit. Bei bislang über zehntausend Fahrkilometern sammelten die Forscher mehr als 50.000 Gigabyte an physiologischen Merkmalen des zentralen und autonomen Nervensystems als Thermografie-, Bild- und Fahrdynamikdaten.

Gleichzeitig dient das Fahrzeug als Plattform zur Entwicklung und Validierung von Algorithmen. Ziel ist es, ein System zu entwickeln, das eine kontaktfreie Erkennung der Reisekrankheit erlaubt. So soll im ersten Schritt der Fahrer frühzeitig registrieren können, wenn es einem Passagier unwohl wird und die Fahrweise entsprechend anpassen. Später soll die Steuerung eines automatisierten Fahrzeugs in der Lage sein, mittels eines Algorithmus die jeweils individuelle Fahrkomforteinstellung umzusetzen, um so einen Wohlfühleffekt zu generieren.

Auslöser der Reisekrankheit ist ein Verarbeitungskonflikt im Hirn. Dieses erhält widersprüchliche Informationen: So registriert es die Bewegung des Körpers, obwohl die auf Buch oder Bildschirm fokussierten Augen Stillstand melden. Weil die wirren Eindrücke Vergiftungssymptome sein könnten, reagiert der Körper mit Übelkeit und schließlich Erbrechen. Im konventionellen Auto ist immerhin der Fahrer immun gegen die Symptome, im fahrerlosen Auto können sie hingegen jeden Insassen treffen. So testen Hersteller und Zulieferer bereits an sich automatisch anpassenden Fahrwerksverstellungen oder Sitzkonfigurationen oder an der Zugabe von Düften. Spezielle Brillen sollen ebenfalls gegen Reiseübelkeit helfen.

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