Oldtimer

5x: Wiederbelebte Oldtimer-Ikonen - Auferstanden aus Ruinen

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Beim Garmisch 2200ti handelt es sich um ein Konzeptauto aus dem Jahr 1970, den BMW 49 Jahre nach seiner Premiere als Nachbau neu vorgestellt hat Foto: BMW

Verschollene oder zerstörte Ikonen scheinen bei manchem Autohersteller Phantomschmerzen auszulösen. Werden diese zu stark, wird einfach nachgebaut, wie etwa in den folgenden fünf Fällen.

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Feuersbrunst, ein Unfall, Bombenhagel oder der Zahn der Zeit - es gibt viele Gründe, warum historisch bedeutende Automobile verschwunden sind. Einige traditionsbewusste Hersteller haben solche Lücken wohl als Makel empfunden und diese deshalb mit Hilfe fragmentarischer Überbleibsel oder auf Grundlage noch vorhandener Konstruktionszeichnungen mit viel Aufwand nachgebaut. Hier fünf Ikonen, Missing Links oder einfach nur sehenswerte Meilensteine der Autogeschichte, denen ein zweiter Frühling gewährt wurde.

BMW Garmisch 2200ti

Einer der ungewöhnlichsten Wiederbelebungen war der komplette Neuaufbau einer vor fast 50 Jahren vorgestellten BMW-Studie namens Garmisch 2200ti. 1970 wurde dieser sehr futuristisch anmutende Designvorläufer der späteren Baureihen 5er und 7er auf dem Genfer Autosalon präsentiert. Das Design stammt aus der Feder von Marcello Gandini, der so wegweisende Ikonen wie den Lamborghini Miura oder Lancia Stratos schuf. Über den Verbleib seines Garmisch-Konzepts herrscht Unklarheit. Doch BMWs Chefdesigner Adrian van Hooydonk war von Bildern des Beaus derart fasziniert, dass er den Neubau der historischen Studie angestoßen hat. Um diesen Nachbau möglich zu machen, konnte BMW auf einige historische Zeichnungen und Fotos zurückgreifen. Darüber hinaus wurde der 80 Jahre alte Gandini kontaktiert, das Projekt zu begleiten, damit der Nachbau so nahe wie möglich an das einstige Original heranreicht. Bei der Produktion einiger Teile konnte man auf ganz moderne Methoden wie etwa den Einsatz von 3D-Druckern zurückgreifen. Die technische Basis für den Garmsich war ohnehin schon fertig, denn hier wurde ein vorhandenes Fahrgestell eines historischen 2002ti verwendet.

Bentley Corniche von 1939
Über den Verbleib des Corniche Performance von 1939 gab es bei Bentley keine Zweifel. Das einst  fortschrittliche und prunkvolle Einzelstück endete zunächst in einem französischen Straßengraben. Die Rückkehr des ramponierten Fahrzeugs nach England verhinderten deutsche Flieger, deren Bomben auch dem im Hafen von Dieppe gelagerten Bentley zerstörten. Unter anderem konnte Bentleys Veredlungsabteilung Mulliner auf Originalzeichnungen des Corniche zurückgreifen und auf deren Grundlage einen kompletten Neubau durchführen. Dabei war vor allem viel handwerkliches Geschick gefragt. Allein für den Kühlergrill benötigten die Metallarbeiter drei Monate. Viel Mühe hat man sich auch dabei gegeben, im Innenraum Leder, Holz und Textilien in der Qualität zu verbauen, wie sie vor 80 Jahren üblich war. Wie beim Original wurden leichte Stahlbleche verwendet, das Getriebe mit einem Overdrive-Gang ausgestattet und der 4,25-Liter-Reihensechszylinder auf mehr Leistung getrimmt. Das Original soll einst auf dem Oval von Brooklands über 160 km/h erreicht haben. Diesen Strapazen wird Bentley den Nachbau gewiss nicht mehr aussetzen. Er wird Teil der Heritage-Flotte, die Bentley immer mal wieder der Öffentlichkeit präsentieren wird.

Porsche Nr. 1
Anders als etwa der Bentley Corniche ist der Ur-Porsche aus dem Jahr 1948 immer noch erhalten. Doch dieser Porsche Nr. 1 hat sich über die Jahre immer wieder verändert. Ob ramponiert, repariert oder modernisiert - die ursprüngliche Form blieb auf der Strecke. Den 70sten Geburtstag hat Porsche zum Anlass genommen, in achtmonatiger Detailarbeit ein Fahrzeug aufzubauen, welches der verlorengegangenen Ursprungsform deutlich näher kommt. Um möglichst nahe ans Original zu kommen, war akribische Vorarbeit gefragt. Unter anderem wurde der im Porsche-Museum ausgestellte erste 356 mit 3D-Scannern vermessen und mit ursprünglichen Konstruktionszeichnungen abgeglichen. Dabei offenbarten sich etliche Unterschiede. Aufzeichnungen, alte Fotos und weiteres Archivmaterial halfen, das Computermodell auf die Urform zu trimmen. Auf dieser Basis wurde ein 1:1-Modell aus einem Hartschaumblock gefräst, welches dann als Vorbild für die nachfolgenden Karosseriearbeiten diente. Einen Motor bekam der neu aufgebaute Ur-Porsche hingegen nicht. Als Hinterachse dient ein einfaches Rohr. Lediglich Lenkung und Vorderachse stammen von einem VW Käfer, der ja einst auch als Teilespender für den ersten 356 diente. Mittlerweile ist der Nachbau im Porsche-Museum zu bewundern.

Mercedes SSKL
Erst kürzlich, auf dem Festival of Speed im Juni 2019, hat Mercedes den Nachbau des SSKL vorgestellt, bei dem es sich um eine Art Missing Link zwischen den im Rennsport einst erfolgreichen weißen Riesen und den späteren Silberpfeilen handelt. Der SSKL gilt als eine Art Vorläufer der Silberpfeile. Abgeleitet wurde er Anfang der 1930er-Jahre vom SSK, von dem er sich durch eine besonders aerodynamische Karosserie unterschied. Einen großen Auftritt hatte der SSKL im Mai 1932, als Manfred von Brauchitsch mit einem unlackierten und entsprechend silbrigen Exemplar beim AVUS-Rennen in Berlin den Sieg einfuhr. Der von der Dominanz des Sternträgers begeisterte Stadionsprecher soll vom ,,silbernen Pfeil" gesprochen haben. Diesen hat nun Mercedes dank der Handwerkskunst seiner Classic Abteilung auf Grundlage historischer Konstruktionszeichnungen nachgebaut hat.

Mercedes Renntransporter
Für die Silberpfeile der Nachkriegszeit hat Mercedes 1955 einen betont aerodynamisch gestylten, knallblauen Renntransporter eingesetzt, der allerdings in den 1960er-Jahren in der Schrottpresse landete. Um die Jahrtausendwende beauftrage Mercedes die Firma Mika aus Mölln damit, dieses ungewöhnliche Fahrzeug zu rekonstruieren. Auf Zeichnungen oder Konstruktionsunterlagen konnten die für den Neubau Verantwortlichen nicht zurückgreifen. Alte Fotos und viel Improvisationstalent mussten reichen, um den eigenwilligen Flachbau möglichst orignalgetreu umzusetzen. Wie beim Original wurde zudem ein fast 200 PS starker Dreiliter-Benzinmotor aus einem Mercedes SL montiert, der mit dem leer nur 2,1 Tonnen schweren Renntransporter leichtes Spiel hatte. Einst soll der kleine Laster eine Höchstgeschwindigkeit von fast 170 km/h erreicht haben. Heute wartet die blaue Skurrilität ganz entspannt im Mercedes-Museum auf Bewunderer. 

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