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Sonst noch was? - Sicherheit kommt vor

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  • 18. August 2019, 09:33 Uhr
  • Günter Weigel/SP-X
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Sonst noch was? Foto: SPX

Wie interessante Urteile, unglückliche Verknüpfungen und tragische Sehschwächen zusammenhängen, versuchen wir dieses Mal zu ergründen.

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Was Fortschritt ist und was nicht, wird mitunter auch juristisch entschieden. Ein Amtsrichter in Düsseldorf sieht den Vorteil, den automatische Notrufsysteme bieten, als nicht so überzeugend an. Für ihn steht die damit einhergehende Sammelei von Daten und eine Gefährdung des Schutzes derselben im Vordergrund, genau wie für den Autofahrer der just dagegen klagte. Genau genommen mochte der Autofahrer nicht, dass sein Auto immer weiß ,wo es ist, und er das E-Call-System nicht selbst abschalten konnte. Auch der Richter sah das als schlecht an, definierte es als Mangel und nun muss der Hersteller das System auf eigene Rechnung so umbauen, dass man es abschalten kann. Diese Definition von Mangel kann man teilen, muss man aber nicht. Wir vermuten mal, die nächste Instanz kassiert das Urteil, schon alleine, weil die Konsequenz daraus weniger Sicherheit im Straßenverkehr wäre.

Dass mehr und vor allem total moderne neue Technik in Sachen Sicherheit aber nicht immer hilft, hat jüngst die US Navy erfahren. Die Marines haben nämlich unter anderem die Steuerung ihres Zerstörers USS John S. McCain auf Touchpads umgestellt. Das ist praktisch, weil man das Schiff von mehreren Stellen steuern kann und auch Kommandos auf verschiedene Pads verteilen kann: Einer lenkt, einer kommuniziert und einer schießt und das im munteren Wechsel, damit es niemanden langweilig wird. So stellt der Laie sich das jedenfalls vor und so ähnlich war es wohl auch gedacht.

Nun passierte, was halt immer mal passiert. Ein anderes Schiff kreuzte unverhofft den Weg und es musste flott agiert werden. Anscheinend, so interpretieren wir den Bericht eines US-Onlinemagazins, klappte das mit der Touchpad-Bedienung nicht so wie es eigentlich sollte. Jedenfalls schaffte es ein Marine, die Steuerung in den Ursprungszustand zurückzuversetzen. In der Folge ließ sich dann leider nichts mehr steuern und der Zerstörer machte seiner Gattung alle Ehre als er auf einen Tanker traf. Als Konsequenz aus dieser tragischen Verkettung von Bedienhektik und Fehlern werden die US-Navy-Schiffe wieder auf herkömmliche Steuerung zurückgerüstet.

Umgebaut gehört nach Meinung eines Mountain-Bikers auch der deutsche Wald, jedenfalls das Stück, in dem er zu Fall kam. Er hatte an unübersichtlicher Stelle eine Hangsicherung aus Baumstämmen nicht rechtzeitig erkannt und sich beim anschließenden Sturz verletzt. Und weil er natürlich nicht selber schuld gewesen sein konnte, verklagte er die waldbesitzende Gemeinde auf Schmerzensgeld und Schadensersatz wegen unterlassener Verkehrssicherungspflicht. Das Oberlandesgericht Köln wies die Klage ab und auf waldtypische Gefahren hin, denen er sich eben ausgesetzt habe. Der allgemeine Rat war, langsamer zu fahren und besser zu gucken.

Vor allem letzteres können wir nach Sichtung der Unfallberichte aus unserer Region immer wieder wärmsten empfehlen. Die Möglichkeit, vor dem Losfahren zu schauen, ob tatsächlich frei ist, scheint mitunter vernachlässigt zu werden. Anders können wir es uns nicht erklären, wieso man beim Einbiegen auf eine Vorfahrtstraße einen Rettungswagen unter Blaulicht oder einen Linienbus übersehen kann. Soweit wir es dem Polizeibericht entnehmen konnten, waren die Verursacher der beiden Unfälle dabei weder betrunken noch unter Drogen noch zu alt oder jung und ungestüm, aber hinterher nicht mehr in der Lage, aus ihrem Fehlverhalten zu lernen. Zugegeben, da hätte auch der eingangs erwähnte und beklagte Notrufassistent nicht geholfen, zumal in einem Fall der Rettungswagen ja sofort zur Stelle war. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.

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