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Sonst noch was? - Ein Plan, sie zu knechten

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  • 25. August 2019, 08:02 Uhr
  • Günter Weigel/SP-X
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Sonst noch was? Foto: SPX

Wenn Ritter in weißer Rüstung kommen, zu retten, was eigentlich nicht mehr zu retten ist, hat das einen gewissen Unterhaltungswert. Statt uns aufzuregen, nehmen wir es also mit Humor.

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten aus der Welt der autobasierten Mobilität. Letztere befindet sich wegen allerlei disruptiver Ereignisse und ein Stück weit auch aus eigenem Verschulden bekanntlich in einer Krise. Doch Rettung naht aus unerwarteter Richtung. Ausgerechnet die Deutsche Umwelthilfe (DUH) präsentierte einen 12-Punkte-Plan für Klimaschutz und Arbeitsplätze der zweifelsfrei zur Rettung der deutschen Automobilindustrie führen würde. Das glaubt jedenfalls Jürgen Resch, als Ritter in weißer Rüstung angetreten, um die Welt von den Übeln des Verbrennungsmotors und der bösen SUVs zu befreien. Allerdings versteckte er die guten Ideen unter einer dicken Schicht von Zeder und Mordio und so ganz klar scheint ihm auch nicht zu sein, von was er da eigentlich schreiben ließ.

Dem geneigten Leser des 12-Punkte-Evangeliums werden just die deutschen Hersteller als die Deppen dargestellt, die einfach nicht begreifen, dass die Welt längst auf kleine, leichte, günstige E-Autos setzt und lediglich Mercedes und Co. nicht in der Lage sind, diesen Wechsel der Kundenwünsche zu erkennen. Das kann man natürlich so sehen. Der Eindruck hat zwar mit der Realität nur wenig zu tun, aber wenn Herr Resch denn nun unbedingt glauben will, dass alle anderen Hersteller längst preiswerte E-Autos offerieren und die Kunden ihnen dieselben weltweit aus den Händen reißen, während im dunklen Deutschland böse SUV gekauft werden - soll er doch.

Man kann durchaus zu Recht finden, dass übergroße und überstarke SUV nicht in die Zeit passen. Die allermeisten der sportlich-nützlichen Vehikel werden allerdings im Kompakt- und zunehmend im Kleinwagensegment gekauft, von Menschen die täglich älter werden und im Alltag gerne darauf verzichten, sich in ein Auto zu bücken. Der Verbrauch solcher SUVs ist, wie wir wissen, nicht signifikant höher als der von normalen Kleinwagen. Ein kurzer Blick in die Zulassungsstatistik der Welt offenbart im Übrigen, dass Deutschland bei den SUVs beileibe nicht vorne liegt. Im Segment der Pickups und SUVs, die wir hier aus Gründen der internationalen Vergleichbarkeit zusammenfassen, hat Deutschland deren Anteil an den Neuzulassungen von 4 Prozent im Jahr 2002 auf heute 29 Prozent gesteigert. In der EU stieg er im gleichen Zeitraum von 4 auf 35 Prozent, in China von 3 auf 41 und in den USA von 42 auf 69 Prozent. Die Cowboys mochten schon immer Pickups und die zählen nun mal mit.

Die Einzelheiten des 12-Punkte-Plans enthalten aber auch durchaus Bedenkenswertes, etwa ein Tempolimit auf Autobahnen oder ein Ende der Dieselsubvention an der Zapfsäule. Das Verbot von Fahrzeugen mit reinen Verbrennungsmotoren ab 2025 scheint uns schon deutlich unrealistischer. Das dürfte, selbst wenn Politik und Kunden das wollten, nicht wirklich zur Rettung irgendeiner Autoindustrie nebst Arbeitsplätzen führen - nicht nur in Deutschland. Dass im Vortext zu den 12 Punkten E-Autos aller möglichen Preissegmente munter vermischt werden und 50.000 Euro Autos als boomende Mittelklasse suggeriert werden - Schwamm drüber.

Die in diesem Zusammenhang von Herrn Resch und auch, immer wieder, vielen Nicht-Mobilitätsjournalisten hochgelobte Firma Tesla fiel in der vergangenen Woche übrigens auf, weil sie tatsächlich auf den Absatz von 85 Fahrzeugen verzichtete. Löblich, auch Tesla-Batterien verursachen schließlich CO2 in der Produktion. Aber da war dann doch nicht der Grund. Tatsächlich hatte der E-Autoverleiher Nextmove 100 Tesla Model 3 bestellt, die ersten 15 Exemplare wegen allerlei Qualitätsfehlern aber bemängelt. Statt die Fehler zu beheben hat dann wohl Tesla den Auftrag storniert. Kann man so machen - hilft aber nichts. Anscheinend waren bei den bestellten oder zumindest angeliefert Neuwagen auch welche dabei, die schon einmal zugelassen waren. Wenn das so stimmt, ist das Geschäftsgebaren zumindest der europäischen Statthalter von Tesla durchaus verbesserungsfähig. Von der DUH haben wir dazu übrigens nichts gelesen. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.

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