Ratgeber & Verkehr

Kfz-Sachverständigen einschalten - sinnvoll oder nicht?

img
@ rhonda_jenkins (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Täglich werden viele Verkehrsteilnehmer unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt und stehen vor der Frage, wie die Höhe der Schäden ermittelt wird. In der Regel ist hier ein unabhängiger Sachverständiger der richtige Ansprechpartner.

Anzeige

Die gute Nachricht: Kfz Gutachten Kosten müssen bei einem unverschuldeten Unfall nicht vom Geschädigten selbst getragen werden. Sie werden ebenso wie die Kosten für Anwalt, Reparatur und weitere Posten in vollem Umfang von der gegnerischen Versicherung übernommen.

Kein Risiko für Geschädigte

Die Kostenübernahme durch die gegnerische Versicherung gewährleistet, dass unverschuldet in einen Unfall verwickelte Geschädigte kein finanzielles Risiko eingehen. Der unabhängige Gutachter dokumentiert ordnungsgemäß die entstandenen Schäden am Fahrzeug und schätzt die Höhe der Kosten für die erforderlichen Reparaturen ein. Keinesfalls sollten Geschädigte den hauseigenen Sachverständigen des jeweiligen Versicherers akzeptieren. Diese Gutachter arbeiten ausschließlich im Auftrag des Versicherungsunternehmens und sollen in erster Linie die Kosten senken. Im Sinne des Geschädigten handeln sie somit nicht.

Ein unabhängiger Gutachter konzentriert sich hingegen grundsätzlich auf die seriöse und zuverlässige Feststellung der tatsächlich entstandenen Schäden. Er kalkuliert die voraussichtlichen Reparaturkosten und gewährleistet weiterhin eine umfassende Schadendokumentation. Dazu gehören insbesondere zahlreiche Lichtbilder, der Unfallhergang, Angaben zum Fahrzeug, der Restwert und weitere Faktoren, die für die Abwicklung des Schadens relevant sind.

Wichtige Beweissicherung

Der Umfang des Gutachtens ist insbesondere bei Streitigkeiten wichtig, da dieses von einem unabhängigen Sachverständigen erstellte Dokument große Beweissicherungskraft besitzt. Verweigert die Versicherung beispielsweise die Zahlung mit Verweis auf mögliche Vorschäden, kann dies mit einem Kfz-Gutachten schnell widerlegt werden. Ein versierter Kfz-Sachverständiger erkennt bei der Begutachtung eines beschädigten Fahrzeuges auch mögliche Vorschäden und dokumentiert diese im Gutachten. Kommt es zum Gerichtsverfahren, bezeugt das Gutachten die Richtigkeit der Forderungen eines Geschädigten und zeigt sich als wichtiger Beweis zur Durchsetzung berechtigter Schadenersatzansprüche.

Für Laien ist die Einschätzung eines Schadens nahezu unmöglich. Was auf den ersten Blick als überschaubarer Bagatellschaden von maximal 750 bis 1.000 Euro erscheint, kann sich bei einer Begutachtung schnell als deutlich teurer erweisen. Viele Schäden sind nicht sofort erkennbar, daher kann sich die Einschätzung eines vermeintlichen Bagatellschadens bei genauer Betrachtung schnell als Fehlinterpretation herausstellen. Im Zweifelsfall ist es daher ratsam, einen Kfz-Sachverständigen um eine erste Einschätzung zu bitten. Moderne Autos besitzen eine komplexe Karosserietechnik und eine umfangreiche Technikausstattung. Ein Gutachter kann einschätzen, ob der vermeintliche Bagatellschaden tatsächlich vorliegt und wird im gegenteiligen Fall zur Erstellung eines Gutachtens raten.

Vorteile gegenüber Kostenvoranschlägen

Viele Verkehrsteilnehmer vertrauen ihrer bewährten Werkstatt und glauben, dass ein einfacher Kostenvoranschlag absolut ausreicht. Diese Annahme ist jedoch falsch und kann bei Streitigkeiten mit der gegnerischen Versicherung zu großen Problemen führen. Im Kostenvoranschlag wird lediglich die Höhe der voraussichtlichen Reparaturkosten kalkuliert, weitere Aspekte spielen hier keine Rolle.

So ist beispielsweise die merkantile Wertminderung ein wichtiger Punkt und wird ausschließlich im Gutachten thematisiert. Die Wertminderung kann je nach Schadensfall durchaus im drei- oder sogar vierstelligen Bereich liegen. Auch weitere Faktoren wie Restwert und Wiederbeschaffungswert spielen im Kostenvoranschlag keine Rolle. Zudem besitzt die Kostenkalkulation der Autowerkstatt keine beweissichernde Wirkung, bei Streitigkeiten kann sich dies für den Geschädigten sehr negativ auswirken.

Anspruch auf Nutzungsausfall oder Mietwagen

Für die Zeit, in der das Unfallauto nicht genutzt werden kann, hat der Geschädigte Anspruch auf Entschädigung. Dies kann mittels Inanspruchnahme eines Mietwagens oder alternativ durch eine Nutzungsausfallentschädigung erfolgen. Der Gutachter kalkuliert die relevante Zeitspanne und ordnet das beschädigte Fahrzeug einer passenden Gruppe zu. Daraus ergibt sich der Anspruch auf einen adäquaten Mietwagen oder auf einen finanziellen Ausgleich für den Nutzungsausfall.

Nachweis beim Fahrzeugverkauf

Meist müssen Geschädigte nach einem Verkehrsunfall mit einem Wertverlust rechnen. Wenn das Fahrzeug verkauft werden soll, mindert dies häufig den Kaufpreis des reparierten Fahrzeuges. Autoverkäufer sind in der Regel dazu verpflichtet, Kaufinteressenten hinsichtlich relevanter Unfallschäden zu informieren. Häufig nehmen potenzielle Käufer dies zum Anlass, den veranschlagten Preis deutlich zu unterbieten. Die Vorlage eines Gutachtens kann hier vor einem allzu stark gedrückten Kaufpreis bewahren, da alle relevanten Wertangaben genau aufgelistet sind und somit die Argumente des Bieters negiert werden können.

In vielen Fällen versuchen die Versicherer, die Einschaltung eines freien Sachverständigen zu verhindern. Ein unabhängiges Gutachten ist jedoch die beste Grundlage für eine umfassende Beweissicherung und eine optimale Schadensabwicklung im Sinne des Geschädigten.

STARTSEITE