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Sonst noch was? - Es kommt auf das Gesamtbild an

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  • 6. Oktober 2019, 09:12 Uhr
  • Günter Weigel/SP-X
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Sonst noch was? Foto: SPX

Manch einer sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht und generell hilft es, auch mal den etwas weiteren Blick zu wagen. Selbst wenn es um Autos und ähnlich altertümliche Vehikel geht.

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Bekanntlich kommt es im Leben ja oft auf den ersten Eindruck an. Ist der gut, fällt hinterher manches leichter. Das gilt auch für vieles in der uns vertrauten Welt der Mobilität. Bei BMW Motorrad hat man beispielsweise inzwischen erkannt: ,,Das Gesamtbild ist entscheidend." Gemeint ist nicht, wie sieht das Motorrad aus, sondern wie sieht das Motorrad aus, wenn der Fahrer oder in seltenen Fällen eine Fahrerin drauf sitzt. Nun könnte der Designer zwar inzwischen am Computer via KI gestaltete und fast echt aussehende sehr schöne Menschen zu Photoshop-Zwecken auf die von ihm gezeichnete Maschine setzen, aber wenn dann im echten Leben eben ein richtiger Mensch drauf sitzt, sieht das schon mal anders aus. Und nicht immer gut.

Was nicht nur daran liegt, dass der Biker des Jahres 2019 in der Regel kein Twen mit sportlicher Figur ist, sondern doch eher die 50 überschritten hat. Wie wir aus eigener Erfahrung wissen, neigt man mit zunehmendem Alter dazu, über sich hinauszuwachsen, in der Regel nach vorne. Manch einer wird zur gewichtigen Persönlichkeit, weshalb es ja auch zunehmendes Alter heißt. Langer Rede kurzer Sinn: Es sieht eher minder elegant aus, wenn man den mittels Haxen und Bier wohl gerundeten Bikerbody in eine enge Lederkluft zwängt und es sieht nachgerade albern aus, wenn man sich dann noch auf eine schmalbrüstige kleine Maschine hockt. Das Problem der zu kleinen Maschine stellt sich im reifen Alter als Biker selten. Schließlich gibt es reichlich Harleys und große BMWs, neuerdings gerne auch im Retro-Stil. Der Biker von heute war schließlich auch mal jung und erinnert sich gerne an die wilden Zeiten von früher.

An dieser Stelle kommt nun wieder das BMW-Design ins Spiel. Um dem Biker von heute die Eleganz von damals zu ermöglichen, ersannen die Designer gleich eine ganze Bekleidungslinie, die zum Motorrad von heute, das ja optisch eins von gestern ist, passt. Ganz moderner Retro und garantiert auch in großen Größen ohne peinliche Enge oder knallige Farben, die nicht zum Motorrad passen. Es kommt schließlich auf das Gesamtbild von Bike und Biker an. Wir haben schon fast Lust, doch nochmal über ein Motorrad nachzudenken. Aber apropos Gesamtbild.

Betrachtet man das der Autobranche kurz nach der IAA und nicht allzu lange, bevor neue CO2-Grenzwerte in Kraft treten, ergibt sich ein durchaus seltsames Bild. Wir lernen zum Beispiel, dass die Händler einer Marke in Spanien - der Name der Marke tut mal nichts zur Sache, die anderen werden es ähnlich halten - keine E-Autos in diesem Jahr mehr zulassen dürfen, auch wenn sie könnten. In diesem Jahr zahlen diese Autos nämlich nicht auf das CO2-Konto der Marke ein. Die mangelnde Verfügbarkeit wird gerne mit fehlenden Batterieproduktionskapazitäten, Nachfrageüberhang und dergleichen mehr begründet, aber eigentlich geht es doch nur darum, dass im nächsten Jahr 95 Gramm CO2 im Schnitt der gewünschte Flottenwert sind und da kommt man nicht hin, wenn man nicht ganz viele E-Autos verkauft.

Es wird übrigens umso schwerer, wenn man den Kunden alternativ zu den E-Autos schöne neue SUVs der 600-PS-Klasse vor die Nase hält. Solche Fahrzeuge schaffen, soweit wir das überblicken, 95 Gramm CO2 noch nicht einmal auf 50 Kilometern. Nun sind wir, schon aus den oben bereits erwähnten persönlichen Wachstumsgründen und der nötigen Bequemlichkeit grundsätzlich für SUVs. Die Sinnhaftigkeit solch praktische Autos mit rennstreckentauglichen Motoren zu pimpen, erschließt sich uns allerdings nicht. Und es passt auch generell nicht ins Bild einer Branche, die auf der IAA nach neuen Mobilitätslösungen sucht, Probleme verstanden hat, nachhaltig arbeiten und die Umwelt schonen will. Aber vielleicht sehen wir nur das Gesamtbild falsch. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.

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