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Sonst noch was? - Ziemlich digital

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  • 1. Dezember 2019, 10:42 Uhr
  • Günter Weigel/SP-X
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Sonst noch was? Foto: SP-X

Der VDA bekommt eine Chefin, Digitales wird wichtiger und Elon Musk bedient sich beim Film. Wir haben das etwas ausführlicher zusammengetragen.

Wo die nächste Pkw-IAA stattfinden wird, wissen wir noch nicht, aber immerhin, seit Freitag offiziell, wer den Verband der Automobilindustrie dann leitet. Hildegard Müller heißt die auserwählte Präsidentin. Sie löst Bernhard Mattes ab, der sein Amt bekanntlich zum Jahresende zur Verfügung stellt. Frau Müller kennt sich mit den angesagten Themen der Industrie aus. Als Vorstandsmitglied von innogy ist sie mit Strom vertraut und war zudem für Netz und Infrastruktur zuständig. Als Staatsministerin im Bundeskanzleramt von Frau Merkel dürfte sie auch die zwischenmenschlichen Komponenten des Themas Vernetzung bestens beherrschen. Zumindest ist ein kurzer Weg in die Politik wohl gegeben.

Tatsächlich wird das Thema Vernetzung auch für die Industrie immer wichtiger. Einer Studie des Beratungsunternehmens GP Bullhound zu Folge verdienten die Hersteller im Jahr 2015 noch 41 Prozent ihres Gewinns mit der Produktion von Fahrzeugen. In zehn Jahren werden es nur noch 29 Prozent sein. Gleichzeitig steigt der Gewinn mit digitalen Dienstleistungen von null auf 20 Prozent vom Ergebnis. Kein Wunder, dass Neuwagen wie der gerade vorgestellte Golf und das allermeiste, was in Zukunft kommt, von Hause aus voll digital und immer online ist oder sein wird. Neben dem netten Zusatzgeschäft mit Extras, die man auch später noch dazubuchen kann - ,,on demand" heißt das auf neudeutsch - locken umfassende Kommunikation, Werbung und Überwachung.

Unsereins ist davon eher so mittelbegeistert. Aber wir weigern uns ja auch in der Regel, mit dem Auto zu sprechen, was selbstredend die Lernfähigkeit der künstlichen Intelligenz mit der meist weiblichen Stimme im Armaturenbrett einschränkt. So gesehen sind wir natürlich selbst schuld, wenn sie uns nicht so versteht, wie angedacht. Als wir, wie neulich, etwas genervt auf ungefragtes Zwischenreden reagieren, bloß weil im Gespräch der Name eines süddeutschen Premiumherstellers fiel, konstatierte die Stimme, sie hätte einen harten Tag gehabt bis dahin. Dass im weiteren Verlauf der Fahrt kleinere Mängel in der Steuerung auftraten, könnte natürlich auch daran gelegen haben, dass diese Vertreterin der KI etwas nachtragend war. Wie gesagt, wir finden derlei so mittel und suchen in Neuwagen gerne nach dem Ausschalter von Touchpads und ähnlichem, schon um unbeabsichtigte Aktionen durch Tatschen zu vermeiden.

In der vergangenen Woche haben wir uns unter Aufbietung großer Willenskräfte verkniffen, den Cybertruck von Tesla durch den Kakao zu ziehen. Das erledigte die Netzgemeinde auch ohne unsere Hilfe ganz formidabel. Diese Woche fiel uns ganz nebenbei der Ursprung der Designidee dieses wahrhaft kantigen Gefährts auf. Der Lotus Esprit alias ,,Wet Nellie" aus dem James Bond Film ,,Der Spion, der mich liebte" ist das fünfbekannteste Filmauto der Geschichte, wenn man dem britischen Online-Nummernschildvermittler Click4reg trauen darf, der das in einer großangelegten Umfrage herausgefunden hat. Und just die Hülle des tauchfähigen Fake-Lotus hat 2013 ein wohlhabender Unternehmer namens Elon Musk für 550.000 Dollar ersteigert. Autodesign kann so einfach sein.

Vor allem dann, wenn man nicht im realen Leben damit fahren muss. Das zeigt auch Audi mit dem RSQ e-tron, einem fast schon klassischen Sportwagen, der, wie Wet Nellie, als Transportvehikel für einen Superagenten dient. Allerdings existiert der Audi nur digital in einem Animationsfilm und hat somit natürlich auch keine Probleme mit den alltäglichen Sorgen, die die Autoindustrie in Sachen Vernetzung und E-Antrieben so umtreibt. Wir wollen hoffen, dass er damit nicht der Vorläufer aller zukünftigen Supercars wird. Nur digital ist auch nicht schön. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.

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