Umwelt & Eco

New Mobility: Die neuen E-Boote der Boot - Es tut sich was

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Die Dutchcraft25 wurde speziell für E-Antriebstechnik entwickelt Foto: Dutchcraft

Bei Wasserfahrzeugen dominiert unvermindert der Diesel. Doch auf der Wassersportmesse Boot in Düsseldorf zeigte sich, dass sich der E-Antrieb mittlerweile in vielen Bereichen des Bootsbaus breit macht. 

Anders als Straßenfahrzeuge haben Schiffe zumeist nicht mit strengen Emissionsvorgaben zu kämpfen. Entsprechend steht die maritime Mobilitätswelt noch nicht vor dem Paradigmenwechsel, weg vom Verbrenner hin zum E-Antrieb. Doch die Zahl der Wasserfahrzeuge mit elektrischen Antrieben wächst. Auf der Ende Januar zu Ende gegangenen Wassersportmesse Boot in Düsseldorf wurden rund zwei Dutzend neue Sport- und Luxusboote mit E-Antriebstechnik gezeigt, die zum Teil mit Performance, Riesenakkus und weiteren Techniklösungen beeindrucken.

Auf der Boot sind es traditionell eher die kleinen und feinen Schiffe, die sich zunehmend zahlreicher mit alternativen Antrieben präsentieren. Besonders klein war das Rävik genannte Surfboard des Herstellers Awake, welches schnellen Surfspaß ohne Wind und Wellen erlaubt. Das 35 Kilogramm schwere Board soll dank integrierter Lithium-Ionen-Batterie für rund 45 Minuten einen elektrischen Vortrieb bereitstellen, mit dem sich Geschwindigkeiten bis 56 km/h erreichen lassen. Rund 17.000 Euro sind für ein Surfbrett, auch ein elektrisches, ein allerdings stolzer Preis.

Wie das Rävik andeutet, bieten schnelle E-Boote meist nur kleinen Reichweiten. Um große Reichweiten mit Performance in Einklang zu bringen, hat das schwedische Unternehmen Candela Speed Boat ein besonders effizientes Tragflächenboot mit leichtem Carbon-Rumpf entwickelt, dass trotz einer nur 40 kWh großer Batterie bis zu drei Stunden lang mit 46 km/h fahren kann. Durch das Gleiten auf Tragflächen soll der Energiebedarf um 80 Prozent sinken. Rund 290.000 Euro muss man für den flotten Überflieger investieren.

Dutch Craft hat mit dem DC25 speziell auf den Einsatz mit E-Antrieb optimiertes Boot entwickelt. Der bis zu 12 Personen Platz bietende V-förmige Kohlefaser-Tender verfügt über einen 100 kW/136 PS starken E-Motor und eine maximale Batteriekapazität von 134 kWh. Laut Hersteller kann das Boot bis zu 75 Minuten lang mit seiner Spitzengeschwindigkeit von 32 Knoten (60 km/h) unterwegs sein. Alternativ reicht der Akku für sechs Stunden Fahrt bei einer Geschwindigkeit von 6 Knoten (11 km/h). Die Preise für den dank modularen Deckaufbau wandlungsfähigen DutchCraft25 beginnen bei 275.000 Euro.

Auf der Boot in Düsseldorf konnte man außerdem das derzeit schnellste E-Boot am Markt bewundern: das Speedboot Say 29E des im süddeutschen Wangen beheimateten Herstellers Say Carbon. Die 29E wird von einem 360 kW/490 PS starken E-Antrieb der österreichischen Firma Kreisel Elektric auf über 100 km/h beschleunigt. Wird mit halber Kraft gefahren, soll die 120-kWh-Batterie rund 100 Kilometer Reichweite erlauben.

Komfort statt Tempo steht im Fokus des 24-Meter-Alu-Boots Solarimpact V 2.0 von Schaaf Yachtbau, das sich durch viel Platz und einen großzügig dimensionierten E-Antrieb auszeichnet. Bei dem Katamaran in SWATH-Bauweise steckt in jeden der beiden torpedoförmigen Auftriebskörper ein 500 kW/680 PS starker E-Motor. Der Strom kommt aus einem 800 kWh großen Riesenakku. Dieser soll im Eco-Modus mit einer Geschwindigkeit von 5 Knoten das Boot 430 Kilometer weit antreiben können. Grundsätzlich kann die Solarimpact auch deutlich weiter fahren, denn ihre Außenhaut ist mit Solarpanels mit einer Gesamtfläche von 280 Quadratmeter gepflastert, was im Prinzip unbegrenzte Reichweiten erlaubt. Wie bei PV-Anlagen üblich, ist die Stromausbeute stark von Wetter und Tageslichtstunden abhängig, doch in beliebten Segelgebieten soll der Strom aus Sonnenlicht laut Hersteller für den Vortrieb ausreichen.  

Auch bei Segelschiffen setzt man bereits auf E-Antriebe. So bietet der holländische Bootsbauer Saffier für seinen rund 8 Meter langen Einhandsegler Se 27 Leisure alternativ zum Einbaudiesel einen um 70 Prozent leichteren E-Antrieb. Dabei kommt ein 4 kW/5,5 PS starker Elektro-Einbaumotor mit Faltpropellor von Torqueedo zum Einsatz, der Strom aus einer Lithium-Ionen-Batterie erhält. Im Grundpreis von rund 89.000 Euro ist der E-Antrieb bereits enthalten.

Q-Yachts aus Helsinki hat den Daycruiser Q30 eLimo als Konzept vorgestellt, welches sich durch einen reinen E-Antrieb mit 2 x 10 kW/14 PS auszeichnet, der Geschwindigkeiten bis 27 km/h erlaubt. Schon seit einiger wird die Q30 mit zwei Batteriekapazitäten mit 30 oder 60 kWh angeboten, die 40 bis 80 Kilometer Reichweite erlauben. Das eLimo-Konzept wurde zusätzlich mit einer Brennstoffzelle ausgestattet, die weitere 120 kWh für den Vortrieb bereitstellen, was das Reichweitenpotenzial auf über 250 Kilometer mehr als verdreifacht. Dort, wo die Q30 etwa als Taxi im Dauereinsatz ist, soll die Brennstoffzelle helfen, die Reichweitenproblematik des batterieelektrischen Antriebs zu überwinden.

Natural Yachts aus Holland hat mit der Northman 1200 und der Nexus Revo 870 zwei Jachten im Programm, die sich mit reinem Elektroantrieb kombinieren lassen. Zusätzlich zu einer in Größe variablen Batterie als Stromspeicher lassen sie sich mit einer Brennstoffzelle als Range Extender ausstatten, die von Natural Yachts selbst produziert wird. Im Fall Nexus Revo wird ein 10 kW/14 PS starker E-Motor eingebaut, der das 8,70 Meter lange Boot mit Polyester-Rumpf bis zu 12 km/h schnell antreibt. Reichweiten werden angesichts der grundsätzlich variablen Größe der Batterie nicht genannt. Wer hier eine souveräne Lösung will, kann eine Brennstoffzelle einbauen lassen, die den zur Stromerzeugung benötigten Wasserstoff aus Methanol gewinnt. Diese Lösung erlaubt den Verzicht auf eine aufwendige Wasserstoff-Speichertechnik. Die Lösung von Natural Yachts könnte Zukunft haben. Vor allem für große Fahrzeuge - Lastwagen, Züge oder Boote - sehen viele Experten in der Brennstoffzelle eine Schlüsseltechnologie, die dem E-Antrieb zum Durchbruch verhelfen könnte.

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