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Panorama: Der neue Land Rover Defender auf Safari - Abenteuer Afrika

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Der Defender ist in in der Savanne genauso zuhause wie in den Highlands Foto: Land Rover

Entwickelt wurde er in England und gebaut wird er in der Slowakei, doch wann immer man an den Land Rover Defender denkt, kommt einem vor allem Afrika in den Sinn. Deshalb ist die erste Testfahrt mit dem wiedergeborenen Klassiker auch kein gewöhnlicher Road-Trip, sondern eine waschechte Safari.

Ein handgemaltes Schild, ein rostiges Fass mit Diesel und ein paar verbeulte Cola-Dosen im heißen Sand: Am ,,Rest-Stop" zwei Stunden westlich des Van Zyls Pass ist Afrika noch so, wie es der Westen nach dutzenden Folgen von Daktari und den Dokumentationen der Herren Grzimek oder Sielmann im kollektiven Gedächtnis hat: einsam, abenteuerlich, wild und irgendwie aus der Zeit gefallen. Fehlt eigentlich nur noch die Herde Elefanten im Hintergrund oder das Brüllen eines Löwen, denn die die Landschaft stimmt schon mal und selbst die Himba mit ihren tönernen Frisuren, ihren spärlichen Kleidern und ihren dürren Kühen sind schon da. Doch statt einer Horde wilder Tiere kommt plötzlich eine Armada von Autos ins Bild und ganz hinten am Horizont materialisieren sich aus einer riesigen Staubwolke ein halbes Dutzend neuer Land Rover Defender.Bepackt mit allerlei Expeditionsausrüstung und ausgestattet mit riesigen Batterien zusätzlicher Scheinwerfer wirken sie zwar eher wie Aliens als Autos. Doch so fremd der neue Defender in dieser Szenerie auf den ersten Blick auch wirken mag, so sehr gehört er hierher. Auch wenn seine Wurzeln auf der Insel Anglesey in Wales gründen, wo die Geschichte 1947 begonnen hat, auch wenn der überfällige Nachfolger in Gaydon entwickelt wurde, und auch wenn er mittlerweile in Nitra in der Slowakei vom Band läuft - zu Hause ist er in Afrika. Seit die ersten Expeditionen von England auf den schwarzen Kontinent geführt haben und seitdem Wildhüter über unsere Bildschirme flimmern, ist der Urtyp des Land Rovers in der Savanne genauso zuhause wie in den Highlands.Kein Wunder also, dass er sich hier auch so richtig wohlfühlt. Dabei hat Projektleiter Nick Collins das Auto, das ihn die letzten fünf Jahre Tag für Tag auf Trab gehalten hat, nicht geschont. Mit seinem Team von Ingenieuren und den Abenteuer-Guides der Land Rover Experience hat er eine Route durch den Norden Namibias ausgewählt, auf der sich die Spreu vom Weizen trennt und ein gewöhnliches SUV nach wenigen Kilometern seine polierten Felgen strecken würde.Denn kaum verschwinden die Wellblechhütten der immerhin 7.500 Einwohner zählenden Provinzhauptstadt Opuwo, ist es auch mit dem Asphalt vorbei und aus der Straße wird eine Schotterpiste mit Löchern, die manche Kleinwagen komplett verschlucken würden. Und das ist nur das Vorspiel für ein Allrad-Abenteuer, das den Defender auf seinen weiß lackierten Stahlfelgen mit den grobstolligen Reifen durch Wüsten führen wird, über Geröllhalden, durch Schlamm und Wasser und durch Landschaften, die selbst beim Durchblättern einer Fernweh-Fibel nicht so schnell wechseln wie hier.Zwar referiert Collins abends am Feuer vor den Zelten im ersten Camp ein imposantes Datenblatt und erzählt stolz, dass der neue Defender dem alten in klassischen Offroad-Disziplinen wie der Watttiefe oder dem Rampenwinkle durchweg überlegen ist. Doch muss der Projektleiter auch einräumen, dass es auf der Route nichts gibt, was man nicht auch mit dem Original geschafft hätte. Zumindest in der Theorie. In der Praxis sieht das freilich ganz anders aus. Denn genau wie bei den meisten Sportwagen auf der Rennstrecke ist auch im Geländewagen abseits des Asphalts der limitierende Faktor immer der Fahrer - vor allem in einem derart analogen Auto wie dem alten Defender, wo von Elektronik Jahrzehntelang keine Rede war, geschweige denn von einer Traktionskontrolle oder dem Terrain Response System. Im neuen dagegen verschieben die Briten dieses Limit so weit, dass es jenseits der individuellen Vorstellungskraft liegt.Denn die Elektronik trimmt alle Parameter des Antriebs so feinfühlig auf den jeweiligen Untergrund, dass man allenfalls noch die Luftfederung anheben und die Getriebeuntersetzung aktivieren muss, damit der Defender buchstäblich zum Selbstläufer wird. Selbst der Beifahrer wird überflüssig. Wo der sonst zu Fuß als Vorhut den Weg erkunden oder den Wasserstand ermessen musste, öffnen im Defender ein Dutzend Kameras und Sensoren dem Fahrer die Augen: Er sieht, wenn spitze Steine den Reifen zu nahe kommen, kann an steilen Kuppen durch eine elektronisch transparent geschaltete Motorhaube auf die Piste schauen, weiß um die Wassertiefe bei Flußdurchfahrten und hat, eines virtuellen Rückspiegels sei Dank, auch dann ungetrübten Blick nach hinten, wenn das Expeditionsgepäck im Kofferraum die Sichtachse blockiert. So fahren selbst Laien am Lenker die schwierigsten Passagen mit dem kleinen Finger und dem großen Zeh und fühlen sich dabei wie die Sieger bei der Camel Trophy.Und spätestens am zweiten Morgen gibt's dafür auch die Bestätigung. Denn selbst wenn es drei Stunden dauert und es oft nur im Schritttempo voran geht, schafft die gesamte Defender-Armada sogar den rund zehn Kilometer langen Van Zyl-Pass, der bei Afrika-Reisenden einen ebenso legendären wie gefürchteten Ruf hat - und schaut nur lachend hinab auf die rostigen Wracks all jener Autos, die an dieser Geröllpiste gescheitert sind.Doch lange Zeit für Pausen gibt es nicht auf diesem Trip und auch nicht für die stolze Rückschau. Zwar sind alle Autos mit dem so genannten Adventure Pack ausgestattet, haben Klappleitern, die aufs Dach führen und oben drauf eine Pritsche, auf der man zur Not auch ein Zelt aufstellen kann. Doch wer nicht ins Biwak will, muss Gas geben und weiter den Koordinaten auf dem Navi folgen. Das findet zwar erst in 250 Kilometern einen Coffeeshop und bis zum nächsten Restaurant sind es 12 Stunden und eine Grenze, doch haben Here & Co selbst an der Nordküste Namibias mittlerweile jeden Feldweg vermessen - oder was sie hier in Afrika eben Feldweg nennen.Doch Wege sind nur was für Weicheier und wo immer es möglich ist, fährt der Defender neben der Spur - und bahnt sich so seinen eigenen Weg. Egal, ob der durch ausgetrocknete Flussbetten führt oder durch welche, die über Nacht vollgelaufen sind, ob es durch die Savanne geht, über endlose Schotterhalden oder durch den Skeleton-Nationalpark, der seinen Namen von den vielen Schiffsskeletten hat, die hier nach zahllosen Havarien an den Strand gespült wurden. Der Defender kommt ohne Havarien durch und strandet auch nirgendwo, und wenn er doch mal stecken bleibt, dann nur wegen eines dämlichen Fahrfehlers. Aber jeder, der einen Fehler macht, kann ihn hier schnell auch wiedergutmachen. Wozu liegen auf dem Dach schließlich zwei Sandleitern, mit denen man den Wagen wieder frei bekommt, und weshalb hat jedes Auto im Bug eine Winde mit über sechs Tonnen Zugkraft? So zieht sich der Defender zur Not sogar selbst aus dem gröbsten Dreck.Drei Tage und 800 Kilometer später rollt die Armada der Defender deshalb wieder in Opuwo ein und hat außer einem halben Dutzend platter Reifen keine Schäden zu vermelden. Die Autos sind dreckig und die Fahrer auch, jeder hat ein Grinsen im Gesicht und keiner will ins Flugzeug, das auf einer staubigen Buschpiste für die Heimreise wartet. Jetzt, wo sich der Defender im Abenteuer beweisen hat, wäre es doch eine gute Gelegenheit für einen ordentlichen Test auf der Straße. Und bis zurück nach Europa sind es keine 10.000 Kilometer. Das dürfte für den Defender doch keine Herausforderung sein, Mr. Collins? Steigen Sie deshalb ruhig ins Flugzeug, wir bleiben im Auto - und sehen uns jenseits von Afrika.

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