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Praxistest La Strada Regent S: Eine Klasse für sich

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La Strada Regent S. Foto: Auto-Medienportal.Net/Michael Kirchberger

Der neue Sprinter von Mercedes-Benz hat sich aus dem Stand zu einem überaus beliebten Basisfahrzeug für Reisemobile gemausert. Es scheint, als haben viele Camper gerade auf ihn gewartet, weil die Qualität des in Düsseldorf gefertigten Transporters höher eingeschätzt wird als die des Dauerbrenners Fiat Ducato. Bei La Strada, dem kleinen und feinen Hersteller aus Echzell in der Wetterau, wird der Sprinter unter dem ehrfurchtgebietenden Namen Regent S zum vielfältig nutzbaren Camping-Van.

68.375 Euro kostet das Basismodell, das aber so wohl niemand bestellt. Begehrlichkeiten weckt die umfangreiche Auflistung von Sonderausstattungen, die das Reisen und den Urlaub erst richtig genussvoll machen. Am Ende der Addition steht die Zahl 86.569 auf dem von uns ausprobierten Wagen, womit das Ende aller Ausstattungsmöglichkeiten noch lange nicht erreicht ist.

5,93 Meter lang ist der Regent S. Das erlaubt die Fahrt in die Ortszentren der kleinen Flecken am Wegesrand, wo sich meist ein regulärer Parkplatz finden lässt. Allein auf die Höhe empfiehlt es sich zu achten, bei knapp über 2,80 Meter sollten Erker, Balkone oder Äste nicht übersehen werden, wenn sie auf die Fahrbahn ragen. Bei der Breite muss La Strada beim Standard-Grundriss nacharbeiten. Denn der Aufbau des Sprinters kommt nur knapp über die Zwei-Meter-Marke, um ein Querdoppelbett im Heck mit akzeptablen Maßen anbieten zu können, bauen die Echzeller dort, wo sich sonst Blech oder Fenster finden, zwei Kleinst-Alkoven an. Das bringt die entscheidenden Zentimeter, die das Bett mit 1,98 Meter Länge (bei einer Breite von 1,19 bis 1,44 Meter) auch für größere Camper bequem macht. Die Matratzen sind von hoher Qualität und liegen auf Tellerfedern, die für beste Schlafqualität sorgen.

Clever ist der Unterbau der Liegefläche. Durch die Hecktüren lässt sich der große Stauraum unter ihr nutzen, außerdem haben hier der 100-Liter-Frischwassertank und der Kasten für zwei Elf-Kilogramm-Gasflaschen ihren Platz. Der mittlere Rahmen des Doppelbetts kann nach oben geklappt werden, das Schubladenmodul, das vom Innenraum aus befüllt wird, lässt sich herausheben. Dann bietet der Regent S eine Durchladelänge, die selbst vor klassischen Surfboards nicht kapitulieren muss und auch für den Transport zweier Fahrräder taugt. Den Durchgang zwischen Bordküche auf der rechten und dem Waschraum auf der linken Innenraumseite verschließt auf Wunsch ein Vorhang, die Kassettenverschattungen im Fahrerhaus müssen bei einem Zwischenstopp über Nacht nicht zwingend geschlossen werden. Alle Fenster im Wohnbereich lassen sich ausstellen und sind mit Kombi-Rollos zur Verdunkelung oder Fliegenabwehr ausgerüstet. Ein Insektengitter gibt es außerdem an der seitlichen Schiebetür über der 70 Zentimeter breiten, elektrisch ausfahrenden Einstiegstufe.

Die Pantry-Küche ist mit einem 81 Liter großen Kompressorkühlschrank ausgestattet, der einst dreiflammige Gaskocher, auf dem es schon mit einem Pfannen-Duo eher eng zu ging, ist einem mit zwei Brennern gewichen, was die Platzverhältnisse deutlich verbessert. Die neue Spüle ist rechteckig statt rund, lässt sich daher weniger einfach reinigen, bringt aber ebenfalls mehr Platz beim Abwasch. Knapp ist der Raum im Hygieneabteil, vor allem die Ablagemöglichkeiten für Waschartikel sind überschaubar. Duschen erfordert eine gewisse Gelenkigkeit, funktioniert aber. Die Benutzung der Kassettentoilette ist dagegen überaus komfortabel, die Höhe ihres Sitzes weckt dabei das sprichwörtliche Bild des Thronens.

Kern des Wohnbereichs ist die Dinette, links vor dem Waschraum angeordnet. Der Tisch vor der Zweier-Sitzbank lässt sich allerdings nur im Stand, wenn die beiden Sitze im Fahrerhaus gedreht wurden, nutzen. Während der Fahrt fehlen dem Sprinter, verglichen mit dem Ducato, sechs Zentimeter Länge, daher muss die Tischplatte samt Säule abgenommen und verstaut werden, nur so passt der Fahrer auf seinem zurückgeschobenen Sitz hinters Volant. Das ist keine Kräfte zehrende Aktion, die sich rasch erledigen lässt, aber den Stauraum in einem Klappfach über dem Fahrerhaus, in dem die Platte vorzugsweise untergebracht wird, würde man gerne zum Transport anderer Ausrüstungsteile nutzen.

Die Einrichtung und Installation des La Strada ist durchweg hochwertig. Nichts knarzt oder klappert während der Fahrt, die rollengelagerten Auszüge des Küchenblocks trotzen auch schlechten Wegstrecken und geraten nicht aus der Fassung. Lichtquellen und Steckdosen, einschließlich zweier USB-Buchsen, finden sich an den richtigen Stellen. Die Verarbeitung und Materialwahl gibt dem Hersteller ein Alleinstellungsmerkmal in der Branche, nicht umsonst werden gebrauchte Mobile aus Echzell, wenn überhaupt, zu Höchstpreisen gehandelt.

Das sollte auch für den Sprinter gelten. Und in der Tat beschränkt sich die Kritik auf den hohen Einstieg ins Fahrerhaus, der mehr als einen kleinen Schritt für einen Menschen bedeutet, und auf die weiche Vorderachsfederung. Die steigert zwar den Fahrkomfort, lässt die Karosserie jedoch bei Unebenheiten heftig ins Wanken kommen. Dabei ist die Massenverteilung in einem ausgebauten Kastenwagen noch weitaus vorteilhafter für das Fahrverhalten als in einem Mobil mit Aufbau. Der 2,2-Liter-Diesel erweist sich in der 163-PS-Version als idealer Partner, vor allem in der Verbindung mit dem neunstufigen Automatikgetriebe macht er das Fahren im Regent zum Erlebnis. Das wechselt die Übersetzungen mit größtem Sanftmut und rückt die 380 Newtonmeter Drehmoment des Vierzylinders stets ins rechte Licht. Der Verbrauch von 10,2 Litern ist akzeptabel, der Aufpreis für den Automaten von fast 2600 Euro weniger.

Der Sprinter spielt auch bei den Reisemobilen in der ersten Liga. In Verbindung mit dem funktionalen und soliden La-Strada-Ausbau entsteht so eine überaus harmonische Kombination, die allerdings auch beim Preis in einer eigenen Klasse unterwegs ist. (ampnet/mk)

Daten La Strada Regent S

Basisfahrzeug: Mercedes Sprinter
Motor: 4-Zyl.-Turbodiedel, 2134 ccm
Leistung: 120 kW /163 PS
Max. Drehmoment: 380 Nm bei 1400 U/min
Automatikgetriebe mit neun Stufen
Verbrauch: 10,2 Liter Diesel/100 km
Abgasnorm: Euro 6d
Länge: 5,93 Meter
Breite: 2,04 Meter
Höhe: 2,83 Meter
Stehhöhe: 1,94 Meter
Radstand: 3,66 Meter
Leergewicht: 2950 kg
Gesamtmasse: 3500 kg
Zuladung: 550 kg
Reifengröße 235/60 R 17 C
Isolierung Wand/Dach/Boden 2,2/2,4/3,4 cm
Schlaf-/Sitzplätze: 2/2
Frisch-/Abwasser: 100/70 Liter
Grundpreis: 68.375 Euro
Testwagenpreis: 86.569

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