Motorsport

Das neue Gesicht der Formel 1

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mid Groß-Gerau - Max Verstappen bejubelt 2019 seinen Sieg in Österreich. Projekt Spielberg

Die Formel 1 startet am 5. Juli in Spielberg in die neue Saison. Doch das Coronavirus bestimmt die Maßnahmen: Die Motorsport-Königsklasse hat 2020 ein anderes Gesicht. Der Motor-Informations-Dienst (mid) zeigt es.


Max Verstappen kämpft mit den Tränen. Völlig ausgepumpt und abgekämpft steht er auf dem Podium in Spielberg, schüttelt immer wieder ungläubig den Kopf. Während der niederländischen Nationalhymne grinst der 22-Jährige, wischt sich den Schweiß von der Stirn. Und genießt den Jubel der Fan-Massen in orange, die ihm frenetisch zujubelt.

Etwas mehr als ein Jahr ist das her. Vergangenheit. Die alte Normalität, wenn man so will. Inmitten der Corona-Krise wirkt es, als seien solche Szenen Jahrzehnte her. Fakt ist: 2020 sind sie undenkbar, wenn die Formel 1 am 5. und 12. Juli 2020 mit einem Doppelpack im österreichischen Spielberg in ihre neue Saison startet. Denn wegen der Pandemie wird in der Königsklasse vieles nicht mehr so sein wie vorher, die Formel 1 bekommt ein neues Gesicht, an das man sich noch gewöhnen muss.

"Ohne Fans wird es ganz anders sein", sagt Verstappen bei Sky. Geister-Rennen sind aber Voraussetzung dafür, dass überhaupt gefahren werden kann. Was am Fernsehen vermutlich nicht so krass auffällt wie beim Fußball, ist aber vor allem für die Fahrer ungewohnt. Denn über das Rennwochenende gab es sonst stets Kontakt zu den Anhängern, es wurden fleißig Autogramme geschrieben oder Selfies gemacht.

Formel-1-Sportchef Ross Brawn zeigt ist jedoch sicher, dass die Formel 1 auch ohne Fans interessant und aufregend sein kann. "Es wird einfach nur anders. Das ist der neue Standard", sagt Brawn. Es sei ungewiss, wie lange es so bleiben werde. "Aber das wird sicher der neue Standard für den Rest des Jahres sein", so Brawn.

Sollte Verstappen wie 2019 die Dominanz der favorisierten Weltmeister von Mercedes mit Champion Lewis Hamilton und dem Finnen Valtteri Bottas erneut brechen und auch Ferrari mit Sebastian Vettel und Charles Leclerc auf Abstand halten können, wird es weitaus weniger emotional. Denn eine Podiums-Zeremonie wird es gar nicht erst geben.

"Wir denken daran, dass die Fahrer die Autos nach der Auslaufrunde zu Start und Ziel zurückbringen und dann vor ihre Wagen treten", erklärt Brawn. "Wir haben schon ziemlich gute Vorstellungen davon, wie wir das neu abwickeln. Derzeit prüfen wir, wie das im Fernsehen am besten rüberkommt."

Auch das Programm vor dem Rennen wird geändert. Wie zum Beispiel die bei den Fans beliebte Fahrerparade, als die Piloten auf einem Lkw-Anhänger um den Kurs gefahren wurden oder in schicken Oldtimern saßen. Auch das ist jetzt Vergangenheit. "Wir werden stattdessen Einzel-Interviews vor den Boxen des jeweiligen Piloten durchführen", so Brawn.

Das Gewusel vor dem Rennen in der Startaufstellung ist ebenfalls nicht mehr so wie sonst durchführbar. War es früher vor allem ein wildes Durcheinander und Getümmel aus Autos, Mechanikern, VIP-Gästen und Kamera-Teams, darf ab Juli nur noch in die Startaufstellung, wer tatsächlich zur Vorbereitung des Autos notwendig ist. Brawn: "Früher war es so, dass sich alle Fahrer vor den Wagen aufgestellt haben, zusammen mit den Grid-Kids, das geht so auch nicht mehr. Die Kinder werden noch immer Teil der Zeremonie sein, aber sie werden per Videobotschaften zugeschaltet."

Hinzu kommt ein ausgeklügeltes Hygiene-Konzept. So sollen rund um die ersten Rennen zwischen 10.000 und 12.000 Coronavirus-Tests durchgeführt werden. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete, sieht das Konzept vor, dass die Proben zweimal täglich in ein Analyselabor in Ebersberg östlich von München transportiert werden. Dort werde dann sieben Tage in der Woche 24 Stunden ausgewertet. Innerhalb von 16 bis 24 Stunden nach der Probenentnahme sollen die Resultate feststehen.

"Alle, die am Ring arbeiten - das sind 3.000 Leute, die sich in der roten Zone bewegen - dürfen ihren Arbeitsbereich nur mit einem negativen Covid-19-Bescheid betreten, der nicht älter als vier Tage ist", sagt Siegfried Schnabl, Geschäftsführer von Eurofins Genomics Österreich und Osteuropa und verantwortlich für Spielberg, der APA.

Bei den Teams sind Gesichtsmasken und Social Distancing zwei von einigen Maßnahmen. Der Automobil-Weltverband FIA hat ein 74-seitiges Dossier an die Rennställe verschickt. In dem steht, was die Teams dürfen und was nicht. Durch die Schutzmaßnahmen wird alles noch schwieriger, wie Ferrari-Sportchef Laurent Mekies bestätigt. "Für die Jungs in der Box wird es hart sein, die ganze Zeit über Maske zu tragen", sagte er. Selbst sie müssen sich erst an das neue Gesicht der Formel 1 gewöhnen.

Andreas Reiners / mid

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