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Sonst noch was? - Allerlei Schmerz

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  • 28. Juni 2020, 08:58 Uhr
  • Peter Eck/SP-X
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Sonst noch was? Foto: SP-X

Diese Woche geht es - natürlich - mal wieder ums E-Auto, um Ladepunkte und Stromunternehmen. Damit nicht genug sprechen wir außerdem über eine wichtige Online-Petition, allerlei Abschiedsschmerz sowie über das Privatleben des Autors in den 80er-Jahren. Jetzt sind Sie aber mal so richtig gespannt, oder?

Ach ja, das E-Auto. Ist es nun die Rettung für unsere individuelle Mobilität - und für die Umwelt natürlich - oder doch nur, wenn man sich seine Gesamtbilanz und die physikalischen Randbedingungen anschaut, ein großes Missverständnis? Wir wissen es ehrlich gesagt nicht. Aber die deutschen Autofahrer schon. Sieben von zehn sind laut einer aktuellen (!) Umfrage der Meinung, dass das E-Auto zu teuer ist und zu wenig Reichweite bietet. Und dies trotz deutlich gestiegener Reichweiten und hoher Umweltprämien auf Kosten des Steuerzahlers. Erkenntnis 1: Man kann es halt keinem recht machen. Erkenntnis 2: Und ist der Ruf erst ruiniert, dauert es sehr lange, bis man ihn wiederaufgebaut hat.

Apropos Ruf und ruiniert: So ganz unrecht haben die befragten Autofahrer ja nun auch nicht. Die Zahl der öffentlichen Ladepunkte etwa ist heute immer noch viel zu gering und die Bezahlung des aus den Säulen gezapften Stroms nicht nur häufig umständlich, sondern wird nicht selten auch zur regelrechten Abzocke genutzt. Eine freche Behauptung?

Nun ja, bei 0,01 öffentlichen Ladepunkten pro Quadratkilometer in McPom - nur mal so als Beispiel - kann man nun wirklich nicht über ,,Dichte" im eigentlichen Sinn des Wortes sprechen. Falls Ihnen die Bezugsgröße etwas umständlich vorkommt, in echten Zahlen bedeutet das: 267 Anschlüsse im Flächenbundesland. Man sollte sich als künftiger E-Autofahrer also genau überlegen, was man da tun will. Übrigens auch, wenn man in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein wohnt, die bei denen im Vergleich von Ladepunkten zu Quadratkilometern - langsam gewöhnen wir uns an diese Maßzahl - eine ähnlich erbärmliche Ziffer rauskommt.

Vielleicht ist es aber auch gut, dass es nur so wenige öffentliche Ladesäulen gibt. Denn dann ist quasi automatisch auch die Gefahr gebannt, von einem Stromunternehmen abgezockt zu werden. Nicht wenige stolze Besitzer eines Elektroautos haben sich nämlich schon die Augen gerieben, wenn ihnen Tage oder Wochen nach dem Tankvorgang die Rechnung des nicht haus- oder autoeigenen Stromanbieters ins Haus flatterte: Für den Betrag hätte man wohl auch einen großen Tank mit Diesel voll bekommen. Das finden übrigens nicht nur wir so, sondern auch die Bundesnetzagentur, die der Wegelagerei nun ein Ende bereiten will. Das Stichwort heißt: Freie Wahl des Anbieters an jeder Zapfsäule, so wie wir es von zu Hause ja auch gewöhnt sind. Dann wird´s vielleicht auch was mit der Verkehrswende.

Apropos Wende: Auf die hoffen auch jene Lada-Fans, die eine Petition zum Erhalt der russischen Marke in Europa ins Netz gestellt haben. Immerhin rund 1.200 Menschen hatten zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Zeilen schon unterschrieben, darunter auch - wenn wundert es - der deutsche Importeur. Lada hatte im vorigen Jahr den Rückzug aus der EU verkündet, da die Motoren Probleme haben, die neuesten Abgasnormen zu erfüllen. Aber vielleicht gibt es ja bald sowieso ein Comeback mit Hilfe moderner Aggregate von Anteilseigner Renault. Nur, wofür dann die Petition? Vielleicht war der Abschiedsschmerz einfach zu stark und musste sich irgendwie Bahn brechen.

Apropos Abschiedsschmerz: Aus einem Automagazin erfuhren wir diese Woche, dass Volkswagen das geplante Elektro-Spaßauto ID.Buggy nun doch nicht bauen will. Man findet nach der Insolvenz des einst hochgejazzten Start-ups E.Go Mobile aus Aachen keine Ersatz-Produktionsort. Was angesichts des fröhlichen Konzepts schade ist. Weniger Menschen werden wohl den eher biederen Mums-Cars Sportsvan, Touran und Sharan nachweinen, deren Zukunft durch den SUV-Rausch wohl ebenfalls auf der Kippe steht. Dabei sind sie günstiger, häufig sparsamer und bieten vor allem viel mehr Platz als ähnliche große SUV. Aber sie sind eben nicht cool und der Hersteller kann für sie auch nicht so viel Geld erlösen, wie mit einem schicken Stadt-Abenteurer. Alles hat seine Zeit.

Apropos Abenteuer: Das war für uns in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts eine Zeitlang durchaus auch die Fahrt in das rund 30 Kilometer entfernte Autokino. Entweder mit Freunden und ein paar Dosen Bier oder mit der (jeweiligen) Freundin. Im ersten Fall wusste manchmal außer dem Fahrer am nächsten Tag niemand mehr, was da eigentlich gelaufen war, im zweiten Fall wusste es häufig selbst der Fahrer nicht mehr.

Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, Autokino. Diese haben in ,,diesen Zeiten" eine Art Coronaschub erhalten. Mindestens 500 Autokinos haben in den letzten Monaten neu eröffnet, einige davon allerdings schon wieder geschlossen. Es wird kein anhaltendes Comeback des Autokinos in Deutschland geben. Das passt irgendwie: Die im Auto gesponnen Beziehungen waren damals meist auch nicht sehr lang anhaltend. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.

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