Formel 1

"Peinlicher Dreher" zum Auftakt: Vettel in der Sackgasse

  • In MOTORSPORT
  • 6. Juli 2020, 12:26 Uhr
  • Andreas Reiners
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mid Groß-Gerau - Mit Vollgas in die Sackgasse? Sebastian Vettel gegen in der Formel 1 die Optionen aus. Red Bull

Die Ansage kommt von ganz oben. Und sie ist unmissverständlich. Für Sebastian Vettel bedeutet sie, dass der Deutsche für 2021 eine Option weniger hat. Das Bittere: Es war sein vermeintliches Ass. Noch bitterer ist: Damit sieht sein Blatt für die Zukunft automatisch sehr übersichtlich aus.


Die Ansage kommt von ganz oben. Und sie ist unmissverständlich. Für Sebastian Vettel bedeutet sie, dass der Deutsche für 2021 eine Option weniger hat. Das Bittere: Es war sein vermeintliches Ass. Noch bitterer ist: Damit sieht sein Blatt für die Zukunft automatisch sehr übersichtlich aus. Vettel steckt mehr und mehr in der Karriere-Sackgasse. "Wir bleiben bei unseren zwei Jungs", hatte Daimler-Konzernchef Ola Ola Källenius vor dem Formel-1-Saisonauftakt in Spielberg betont. Bei Mercedes ist die Tür also zu, die Silberpfeile setzen 2021 auf Weltmeister Lewis Hamilton und Valtteri Bottas.

"Ich kann verstehen, dass das ein ganz spannender Gedanke ist für die deutschen Fans", sagte Källenius. Aber in Hamilton und Bottas habe Mercedes bereits "eine Superpaarung. Wir stehen zu unseren zwei Fahrern, die wir jetzt haben, die performen auf höchstem Niveau." Wie zum Beweis gewann Bottas das erste Rennen in der Corona-Krise unter strengen Sicherheits- und Hygieneauflagen, Hamilton wurde Vierter.

Und wie zum Beweis, warum sich Ferrari nach der aktuellen Saison von Vettel trennen wird, drehte sich der viermalige Weltmeister in der 31. Runde des Rennens, ausgerechnet nach einer Kollision mit Carlos Sainz (McLaren), seinem Nachfolger bei Ferrari.

Vettel hatte den Schuldigen sehr schnell ausgemacht: Es lag vor allem am Ferrari, dass er sich gedreht hatte. "Ich bin froh, dass ich mich nur einmal gedreht habe", sagte er: "Ich hatte unheimlich Mühe, das Auto auf der Strecke zu halten."

Die chaotische Schlussphase mit einigen Ausfällen spülte Vettel noch in die Punkte, er wurde Zehnter. Für Vettel ist aber klar: Mit der Spitze könne er momentan "nicht viel mitreden. Unter normalen Umständen ist der fünfte, sechste, siebte Platz das, was in uns steckt." Sein Problem: Teamkollege Charles Leclerc nutzte das Chaos und fuhr als Zweiter auf das Podium.

Vettel gehen die Argumente aus. Die englische Daily Mail bringt es auf den Punkt: "Sebastian Vettel zeigt, warum Ferrari ihn loswerden will."

Auch von den Experten gab es heftige Kritik für den Dreher. "Ganz ehrlich gesagt ist das eher eine Sache, die einem Nachwuchsfahrer passieren sollte - aber nicht Sebastian. Ich weiß auch nicht, was manchmal in ihm vorgeht", sagte Sky-Experte Ralf Schumacher.

Für Ex-Champion Jenson Button war der Fauxpas ein "ziemlich peinlicher Dreher". Nico Rosberg sparte ebenfalls nicht mit Kritik. "Das war eine eklatante Fehleinschätzung der ganzen Situation, wie es ihm schon oft passiert ist. Unerklärlich irgendwie. Immer wieder diese Fehler, wenn er sich beim Überholen nach innen dreht", so der Weltmeister von 2016.

"Ich fand es auch ernüchternd, wie er sich rausgeredet hat. Er sagt, Ferrari wird höchstens Sechster oder Siebter, aber sein Teamkollege ist Zweiter. Da geht schon was mit dem Auto", so Rosberg weiter. Was bedingt stimmt, denn tatsächlich ist der Ferrari kein Auto, mit dem man die WM gewinnen kann. Eine Portion Selbstkritik wäre also angebracht gewesen.

"Es war heute sicher nicht sein tollstes Rennen. Er sagte, das Auto sei weniger gut fahrbar gewesen als noch am Freitag. Unter diesen Bedingungen kann ein Fahrer nicht sein Bestes zeigen", sagte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto: "Was aber den Dreher angeht, war das keine tolle Aktion von ihm. Dessen ist er sich bewusst."

Eine gute Nachricht gibt es: Am nächsten Wochenende geht es bereits weiter, dann steht das zweite Saisonrennen an, ebenfalls in Spielberg. Heißt also für Vettel: Abhaken, nach vorne schauen, besser machen.

Damit sich sein Blatt für 2021 vielleicht doch noch ändert.

Andreas Reiners / mid

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