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Sonst noch was? - Grüne Ideen und beispielshafte Politik

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  • 12. Juli 2020, 09:24 Uhr
  • Günter Weigel/SP-X
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Sonst noch was? Foto: SP-X

Gute Nachrichten tragen inhaltlich zwar allein kein Medium, sind aber wichtig fürs Gemüt. Weshalb wir uns diesmal mit grünen Lösungen auseinandersetzen. Die helfen allerdings nicht bei allen Problemen.

Einem alten Sprichwort zu Folge, heiligt der Zweck die Mittel. Das gilt auch, wenn dem Vorgang eine gewisse Schein-Heiligkeit innewohnt. In unserem Fall zückt die Bundesregierung einmal mehr jede Menge Scheine, um Klimaschutzzertifikate aus ,,anspruchsvollen internationalen Klimaschutzprojekten" zu erwerben und anschließend zu löschen. Damit werden dann pauschal alle Dienstreisen von Bundesregierung und Bundesverwaltung nachträglich auf grün gestellt, beziehungsweise klimaneutralisiert. Ordentlich, wie die Bundesregierung meistens ist, werden die Umweltzertifikate zur Kompensation von immerhin 347.505 Tonnen CO2 aus Kfz-Fahrten und Flugreisen nun ausgeschrieben, auf das ,,nationale sowie internationale Anbieter von Klimaschutzprojekten", die nach dem ,,UN-Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (Clean Development Mechanism, CDM) geprüft und zertifiziert sind" ausgewählt werden können - also die Projekte, nicht die Anbieter. Ausschreiben heißt üblicherweise, wer das Klima am billigsten schützt, kommt zum Zuge. Solange er den ein CDM-geprüftes Klimaschutzprojekt anbietet natürlich.

In Zukunft wird das aber wohl weniger werden, kündigt Umweltministerin Svenja Schulze an. ,,Auf dem Weg zur klimaneutralen Bundesverwaltung 2030 werden wir auch aus den Erfahrungen der derzeitigen Krise lernen und künftig noch mehr auf virtuelle Treffen setzen. Die Technik dafür ist vorhanden, funktioniert, spart Zeit, Geld und schont das Klima", lässt sich die Ministerin zitieren. Damit bringt sie auf den Punkt, was auch in der Autoindustrie derzeit sehr in Mode kommt. Online-Treffen sparen Zeit und Geld und schonen obendrein die Umwelt. Wir sind begeistert.  

Und weil wir gerade so in grüner Feierlaune sind, freuen wir uns der neuen Erkenntnis, dass man mit Staub von Basaltsteinen CO2 aus der Luft binden kann. Basalt kommt bei uns auf dem Land reichlich vor, gerne auch schon als Staub. Den sollen nun die Landwirte großflächig auf ihren Feldern verteilen. Das bindet CO2 tonnenweise und düngt zugleich den Boden, schont damit das Grundwasser, wirkt der Versauerung der Meere entgegen und steigert den Ernteertrag um 20 Prozent. Forscher behaupten, damit könnten weltweit pro Jahr bis zu fünf Milliarden Tonnen CO2 aus der Luft geholt werden und es wäre deshalb sogar wirksamer als Wälder aufzuforsten. Jetzt muss nur noch möglichst klimaneutral der Steinstaub erzeugt werden. Dazu fällt uns bestimmt auch noch was ein.

Denken wir nur an die aneinandergeketteten Sträflinge aus alten Western, die Steine kloppten, auf dass die Bahnstrecke fertig werde. Heute könnten wir die Ketten durch GPS-Sensoren ersetzen und die Sträflinge durch allerlei CO2-Sünder. Zwei Stunden Steinekloppen für ein ebenso langes unnötiges Meeting mit Pkw-Anreise, zwei Tage für eine vermeidbare Flugdienstreise und zwei Wochen zur Kompensation eines vierwöchigen Fahrverbots wegen Rasens. Es gäbe da schon Möglichkeiten. Aber wir wollen hier niemanden auf dumme Ideen bringen.

Kommen wir von grüngrauen Ideen zu den handfesteren Problemen der Politik. Da wundern wir uns nicht erst seit gestern über unseren Verkehrsminister. Jüngster Stein des Anstoßes - leider ohne CO2-absorbierende Staubbildung - ist die formfehlerbehaftete Verschärfung des Bußgeldkatalogs. Weil die Ziffer ,,3" an einer Stelle fehlt, ist das ganze Werk sinnlos und in allen Bundesländern außer Vollzug gesetzt. Eigentlich würden wir Herrn Scheuer ja zutrauen, mit großem Getöse härtere Strafen anzukündigen und sie dann heimlich still und leise bürokratisch zu verhindern. Andererseits hat er da ja nichts von, außer Gezeter von vielen Seiten und Geläster hinterher.

Daraus folgt einmal mehr die Erkenntnis: Nur weil er in der CSU ist, heißt das nicht, dass er auch Verkehrsminister kann. Wobei uns gerade einfällt, dass just dieses Argument auch auf seine beiden Vorgänger zutrifft. Wenigsten taugt Scheuer Menschen mit viel Zeit, lästerlichen Gedanken und Zugang zu sozialen Medien als Inspiration. Auf dem bei Facebook und anderen asozialen Netzwerken kursierenden Pro- und Kontra-Button für eine Frauenquote in der CDU wird der Andy als Pro genommen. Als lebendes Beispiel gegen die Frauenquote agiert Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Dazu sagen wir jetzt mal nichts. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.

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