Reisemobil

Caravan-Salon zwischen Hygienekonzept und Reisemobil-Ansturm - Die erste Großmesse nach dem Corona-L

img
In Düsseldorf wird als Neuheiten der schon länger angekündigte Eura Contura vorgestellt Foto: Eura

Das Hygienekonzept ist mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung abgestimmt. Es ist alles bereit für den Caravan-Salon in Düsseldorf, der vom 4. bis 13. September stattfinden wird. Trotz Corona. Und trotz etlicher Absagen. 350 Aussteller sehen sich mit einem umfangreichen Angebot und zahlreichen Neuheiten für den erwarteten Reisemobil-Ansturm gerüstet.

Eins steht fest: Der Düsseldorf Caravan-Salon, der vom 4. bis 13. September mit nur einer Woche Verschiebung zum ursprünglichen Termin tatsächlich seine Pforten öffnet, wird ganz gewiss keine ,,normale" Freizeit-Messe sein. Nicht so, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen - mit stetig zunehmendem Andrang und Rekordzahlen, die im vergangenen Jahr zu der gültigen Bestmarke von rund 268.000 Besuchern führte. In Corona-Zeiten ist alles anders.

Die Tickets können ausschließlich online gebucht werden, um die Tageshöchstgrenze von 20.000 Besuchern einhalten und die personenbezogenen Daten erfassen zu können. In allen Hallen gilt eine generelle Maskenpflicht - außer an den Tischen der gastronomischen Bereiche. Die Gänge sind verbreitert worden, um die Abstandsregeln einzuhalten. Zur Besichtigung der Fahrzeuge dürfen sich maximal zwei Personen eines Haushalts im Innern aufhalten. Und natürlich gelten die allgemeinen Hygieneregeln, stehen an allen Ständen Desinfektionsmittelspender. Inwiefern mit all diesen Maßnahmen bei kaufwilligen Besuchern Urlaubsvorfreude aufkommen kann, wird man sehen.

Immerhin: Dank eines von der nordrheinwestfälischen Landesregierung abgesegneten Hygienekonzepts kann der Caravan-Salon als erste Großmesse nach dem Corona-bedingten Lockdown überhaupt stattfinden und dürfte als Restart für die Messewirtschaft auch von branchenfremden Fachbereichen mit Interesse verfolgt werden. Die Caravaning-Branche selbst erwartet ein kauffreudiges Publikum, haben doch die Monate Juni und Juli mit rekordverdächtigen Zulassungszahlen und einem in Boomzeiten nochmals verschärften Ansturm gezeigt, dass Reisemobile und Caravans zu den Profiteuren der Corona-Pandemie zählen.

Zwar fehlen mit der kompletten Erwin-Hymer-Gruppe (EHG) und deren Traditionsmarken Hymer, Dethleffs, Bürstner und Laika sowie Concorde, Poessl, VW, Ford und Mercedes etliche renommierte Marken, dennoch garantieren 350 Aussteller in den elf Messehallen ein guten Überblick über die Vielfalt der Freizeitfahrzeuge mit zahlreichen Neuheiten. Das gilt vor allem für die Knaus-Tabbert-Gruppe, die als neuer Platzhirsch der Ausstellung ihre Ausstellungsfläche deutlich vergrößert hat und in der neuen Messehalle 1 auch einen exponierten Platz dazu gebucht hat. Aber auch für die Trigano-Gruppe als großer EHG-Konkurrent mit ihrem deutschen Ableger Eura-Mobil und für die Hobby-Werke.

Einer der Haupttrends der vergangenen Jahre hat sich in 2020 sogar noch verstärkt: der Run auf die Kastenwagen oder Camper-Vans. Mittlerweile gehört fast jedes zweite zugelassene Reisemobil dieser Gattung an, für die eigens die Messehalle 15 reserviert ist. Hier setzt sich immer stärker auch die Option auf ein Aufstelldach durch, um etwa für junge Familien vier Schlafplätze anzubieten.

Neu ist dieses Feature etwa beim Karmann Davis, beim Malibu-Van oder auch bei den - dort CUV genannten - Modellen von Knaus und Weinsberg. Die bieten ein selbst entwickeltes Pop-Up-Roof mit Dachfenster, Ambientebeleuchtung und Heizungsausströmern sowie in neuer LFI-Technik (Langfaser-Injection) an. LFI-Komponenten sind leichter und sowohl bei hohen als auch bei niedrigen Temperaturen extrem widerstandsfähig.

Malibu bringt mit der Van-Variante ,,First Class two rooms" im Modell 640 LE eine blickdichte Trennung zwischen Bad-Schlafbereich und Wohnraum ins Spiel. Und beim Adria Twin finden vier Personen bereits in den Doppel-Stockbetten im Heck Platz.

Weitere Trends? Der Mercedes Sprinter bleibt als Basis-Fahrzeug im gehobeneren Preissegment beliebt. In Düsseldorf etwa werden als Neuheiten der Carthago C-Tourer, der schon länger angekündigte Eura Contura sowie eine dritte Variante des Frankia Yukon vorgestellt. Außerdem beweist die Kategorie Alkoven: Totgesagte leben länger. Hier beleben Modelle wie der Forster A699 DVB, der auf nur sieben Metern Länge mit einem Doppel-Etagenbett im Heck und der Liegefläche im Alkoven auf sechs feste Schlafplätze kommt, und der fast baugleiche Roller Team 271M die Szenerie. Die neue Hobby-Baureihe Ontour mit dem Erker überm Fahrerhaus ersetzt die bisherigen Siesta-Alkoven und rutscht mit dem Citroen Jumper als Basis in der bereits umfänglich ausgestatteten Grundvariante deutlich unter die 50.000-Euro-Grenze.

Schließlich gibt es bei den Reisemobilen noch einen Debütanten zu feiern. Der spanische Marktführer Benimar, ein Unternehmen der Trigano-Gruppe, wird über den Sprendlinger Hersteller Eura-Mobil jetzt auch in Deutschland vertreten und stellt in Düsseldorf erstmals seine Produktpalette vor. Benimar steht für gut ausgestattete Fahrzeuge im mittleren Preissegment und deckt als Vollsortimenter vom kompakten Kastenwagen-Van über teil- und vollintegrierte Fahrzeuge bis zum Alkoven alle Spielarten der Branche ab.

Elektromobilität spielt auf dem Caravan-Salon diesmal keine Rolle, zumal mit der Marke Dethleffs, die in den vergangenen Jahren mit diversen E-Studien aufhorchen ließ, ein Protagonist dieser Sparte fehlt. Allerdings rückt die Knaus-Tabbert-Gruppe zumindest das Thema Elektrizität mit ihren neuem Weinsberg-Wohnwagen Cara-Cito, der die bisherige Cara-Two-Baureihe ersetzt, in den Blickpunkt. Er ist der erste serienmäßigen Caravan, der ohne Gas auskommt. In dem Einsteiger-Modell ab knapp unter 11.000 Euro wird auf einem 230-Volt-Ceran-Kochfeld mit zwei Platten gekocht, läuft der 60-Liter-Kompressor-Kühlschrank auf 12 oder 230 Volt und funktionieren sowohl Heizung als auch die Klimaanlage nur, wenn der Wohnwagen an einer externen Stromquelle angestöpselt ist.

Weitere Caravan-Highlights sind die speziell auf Europa zugeschnittene Variante International 25 iB des amerikanischen Luxus-Kult-Wohnwagens Airstream, die komplett renovierte Fendt-Topbaureihe Diamant, der neue Tabbert Da Vinci mit einem frischem Exterieur-Design oder der Knaus-Klassiker Südwind in einer 60-Jahre-Jubiläumsedition mit einem Preisvorteil von über 6.000 Euro. Als Grundriss-Trend ist generell eine Tendenz zu einem über die ganze Wagenbreite reichenden Sanitärraum mit Dusche und Toiletten erkennbar.

STARTSEITE