Gebrauchtwagen-Check: VW Beetle (Typ 5C)

Gebrauchtwagen-Check: VW Beetle (Typ 5C) - Cabrio bevorzugt

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Im Vergleich zum New Beetle zieht der Ende 2011 gestartete Nachfolger Beetle deutlich weniger die Retro-Karte Foto: VW

Der VW Beetle hat ausgekrabbelt. Der Enkel des legendären Käfers läuft nicht mehr vom Band. Für Gebrauchtwagen-Verkäufer kann es aber durchaus gut laufen, besonders wenn sie eine bestimmte Variante ihr Eigen nennen.

Die Zeit der Krabbeltierchen bei VW ist endgültig vorbei. Mit dem Beetle, Nachfolger des New Beetle (1998 bis 2010), unternahmen die Wolfsburger den (vorerst) letzten Versuch an die Erfolge des legendären Käfers anzuknüpfen. Da dies nur mittelgut gelang, wurde er in Deutschland 2016 in Rente geschickt, für die Cabrio-Variante kam 2018 das Aus.

Karosserie und Innenraum: Im Vergleich zum New Beetle zieht der Ende 2011 gestartete Nachfolger deutlich weniger die Retro-Karte. Reminiszenzen an den Ur-Käfer sind zwar auch hier zu finden, sie wirken aber weniger verspielt als zuvor. Das Design setzt auf maskuline und sportliche Akzente, insgesamt wirkt der Beetle erwachsen. Das Platzangebot des immer zweitürigen und 4,28 Meter langen Fahrzeugs geht in Ordnung, selbst im Coupé können auch hinten zwei Erwachsene ohne Angst vor Körperkontakt zumindest für kurze Zeit Platz nehmen. Durch die großen, weit öffnenden Türen gelingt der Einstieg vergleichsweise einfach. Nachteil: Man benötigt beim Parken viel Raum, wenn man sie weit aufmachen will. Das Kofferraumvolumen des Coupés kommt auf 310 bis 905 Liter, Besitzer des 2013 auf den Markt gekommenen Cabrios müssen sich mit bei geschlossenem Dach mit 225 Litern bescheiden. Ist das vollelektrischen Stoffdach nach hinten gefahren, schrumpft das Gepäckteil mit 145 Litern auf besseres Aktentaschenformat.

Technischer Genspender des Beetle ist der Golf VI; auch Instrumente, Schalter, Sitze und Infotainmentsysteme kennt man aus dem Kompaktwagen. Im Innenraum zeigt sich ein weiterer Unterschied zum Vorgänger: Die Verarbeitung stimmt. Je nach Ausstattungslinie kommt sogar das Gefühl von Luxus auf. Ein dezentes Facelift im Jahr 2016 änderte am Außenauftritt nur wenig: ein bisschen Stoßfänger- und Heckleuchtenkosmetik - das war's schon.

Motoren und Antrieb: Das Motorenprogramm, das man aus dem Golf VI-Angebot kennt, ist vielfältig. Sparsame und sportliche Triebwerke stehen zur Wahl, darunter Benziner und Selbstzünder. Dabei handelt es sich immer um aufgeladene Vierzylinder-Aggregate. Zum Marktstart decken ein 1,2-Liter-TSI mit 77 kW/105 PS und ein 1,4-Liter-TSI mit 118 kW/160 PS die Benziner-Ansprüche ab. Fast gleich stark sind die angebotenen Dieselaggregate: ein 1,6-Liter TDI mit 77 kW/105 PS und ein 2,0-Liter-TDI mit 103 kW/140 PS. Hier liegt der Durchschnittsverbrauch zwischen 4,3 und 5,6 Litern, die Benziner kommen im Schnitt auf Verbrauchswerte zwischen 5,6 und 6,8 Litern. Wer einen Diesel will, sollte checken, ob die mit Schummelsoftware belasteten 1,6- und 2,0-Liter-Dieselmotoren (EA 189 ab Baujahr 2008) schon in der Werkstatt nachgebessert wurden. Wenn es sportlicher sein darf: Der aus dem Golf GTI bekannte 2.0 TSI mit 147 kW/200 PS, später mit 155 kW/210 PS und ab 2014 sogar mit 162 kW/220 PS, befeuert ebenfalls den Beetle und macht aus ihm einen richtig flotten Käfer. Er schafft die 230 km/h-Marke und absolviert den Standardsprint in bis zu 6,7 Sekunden. VW gibt als Normverbrauch 6,7 bis 7,8 Liter an.

Bis auf den 105 PS-Diesel sorgt immer ein manuelles Sechsgang-Getriebe für die Kraftübertragung. Beim kleinen Selbstzünder kommt eine Fünfgang-Schaltung zum Einsatz. Alternativ stehen Doppelkupplungstriebe mit sechs oder sieben Stufen zur Wahl. Der kleine Selbstzünder mobilisiert dann 81 kW/110 PS, der größere 110 kW/150 PS.

Ausstattung und Sicherheit: Nicht ganz überraschend hängt der Wohlfühl-Charakter stark von der gewählten Ausstattungslinie ab. Die Basisversion (,,Beetle") fährt noch ohne Klimaanlage vor. Ob das als Reminiszenz an den Urahn gedacht war? Besser man sucht in den Gebrauchtwagen-Börsen nach höheren Ausstattungsstufen. Aber auch hier gibt es Luft nach oben. Klimaautomatik, Navigation, Bluetooth-Freisprecheinrichtung oder ein schlüsselloses Schließ- und Parksystem mussten als Extra dazu gebucht werden genauso wie schicke Lacktöne und Rallyestreifen.

Beim Thema Sicherheit erfüllt der Beetle die Standardvorgaben und erreichte beim NCAP-Crashtest fünf Sterne. Mit dem Facelift kamen auch weitere Assistenzsysteme wie Totwinkelwarner und Ausparkhelfer zum Einsatz. Außerdem gab es nun eine Smartphone-Einbindung ins Infotainment-System mittels Apple und Android.

Qualität: VW hatte aus den Fehlern des New Beetle gelernt und die Produktionsabläufe im mexikanischen VW-Werk verbessert. Mit Erfolg, die Fahrzeuge glänzen über die gesamte Produktionszeit mit einer unterdurchschnittlichen Mängelquote beim TÜV. Die Prüfer winken den Beetle während der Hauptuntersuchung (HU) meistens durch. Probleme macht aber hin und wieder ab der dritten HU die Radaufhängung. Rostige Bremsscheiben finden ebenfalls Eintrag in die Mängelliste.

Fazit: Der Beetle war schon beim Neuerwerb kein billiges Vergnügen. Mindestens 17.000 Euro verlangte VW für das kultige Krabbelwesen. Das Cabrio kostete 4.000 Euro mehr. Die hohen Preise gerade der offenen Variante störten die Erstkäufer wenig. Rund 75 Prozent entschieden dafür. Und sie lieben ihr Cabrio offensichtlich immer noch sehr und fahren es weiter. Nur ein geringer Teil der in den Gebrauchtwagen-Portalen offerierten Beetle-Modelle sind Cabrios. Interessenten müssen für diese auch ganz schön tief in die Tasche greifen. Fahrzeuge vom ersten Auslieferungsjahr sind ab rund 12.000 Euro zu haben. Das reduzierte Angebot an neuen Cabrio-Modellen sorgt für stabile Preise. Wer das Coupé sucht, muss mindestens 6.000 Euro anlegen.

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