Motorsport

Robert Kubica: Ist der Ruf erst ruiniert

  • In MOTORSPORT
  • 3. September 2020, 10:31 Uhr
  • Andreas Reiners
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mid Groß-Gerau - In der DTM chancenlos: Robert Kubica. DTM

Robert Kubica ist in der DTM weiterhin chancenlos. Die Euphorie um den Einstieg des Formel-1-Stars in die Tourenwagenserie ist verflogen, er fährt mit großem Abstand hinterher und ist ratlos. Besserung ist nicht in Sicht.


Robert Kubicas DTM-Abenteuer bleibt ein Mysterium. Ein Rätsel. Nicht nur für seine zahlreichen Fans, sondern auch für ihn selbst. Denn der Pole war auch am dritten Rennwochenende der Tourenwagenserie chancenlos. Und wird es wohl auch beim vierten Event in Assen sein.

So langsam muss man Kubicas Einstieg hinterfragen: War der Wechsel in den Tourenwagen eine gute Idee? Macht sich Kubica mit seinen Auftritten den Ruf kaputt? Ist das blamabel und peinlich? Oder ist es der üblichen Eingewöhnungszeit mit einem nicht konkurrenzfähigen Auto geschuldet, inklusive eines Teams, das als BMW-Kundenteam auch noch den Weg sucht?

Fakt ist: Längst ist die Euphorie über den Einstieg, die Freude über einen namhaften Fahrer der Ernüchterung gewichen, dass nichts geht bei dem 35-Jährigen. Das Problem: Viele Leute draußen bilden sich ihr Urteil anhand der Ergebnisse, wagen keinen zweiten Blick, warum das so sein könnte. Und schon ist der Ruf, der bereits 2019 in der Formel 1 arg litt, noch weiter ruiniert. Keine Frage: Seine tolle Comeback-Story nach seinem Rallye-Unfall bleibt trotzdem das, was sie ist - bewundernswert.

Das Bittere: Fortschritte sind bei Kubica nicht oder nur unwesentlich zu erkennen. Die Gründe? Wahrscheinlich ist es wie so oft von allen Faktoren etwas. Fakten, dass Kubicas Leistung schlicht zu schlecht ist, gibt es genug. So wurde er in beiden Rennen zuletzt auf dem Lausitzring chancenlos Letzter, sowohl unter Mischbedingungen am Samstag als auch Sonntag im Trockenen. Samstag lag er 17,883 Sekunden hinter dem Vorletzten Harrison Newey, am Sonntag 12,694 Sekunden hinter Fabio Scherer. Beide wie Kubica Rookies, in Diensten des Audi-Kundenteams WRT.

Das Argument, man kenne die Strecke nicht gut genug und habe zu wenig Eingewöhnungszeit, gilt nicht, schließlich war es das zweite Rennwochenende auf dem Lausitzring hintereinander. Hatte BMW beim Auftakt in Spa über den kompletten Kader verteilt Probleme, feierte Lucas Auer am Sonntag den ersten BMW-Sieg seit dem 10. August 2019. Doch Kubica war einmal mehr nur Statist.

Einen Lichtblick gibt es aber: "Es ist inzwischen klar, welches Problem wir haben und wo etwas nicht funktioniert", sagte er bei "Przeglad Sportowy". Zwei Bereiche würden entscheidend Performance kosten. Das Problem: Alle tappen im Dunkeln. "Denn wir wissen nicht, warum das so ist."

Wie Kubica verrät, gibt es Probleme mit der Beschleunigung, denn "90 Prozent oder sogar der gesamte Rückstand, den ich im Qualifying habe, entsteht auf den Geraden". Bei den Topspeed-Listen steht Kubicas BMW M4 DTM tatsächlich meistens ganz hinten. "Das einzig Beruhigende daran: Der Fahrer hat darauf wenig Einfluss", so Kubica.

Mit viel Downforce fahre man nicht, um Vorteile in den Kurven zu bekommen, sagte er: "Wenn wir das Auto so einstellen würden wie die anderen BMW, dann würde das nicht helfen. Und wenn die anderen mit meinen Einstellungen fahren würden, würden die Jungs nicht weit kommen. Das zeigt, dass irgendetwas nicht so funktioniert, wie es sollte."

Robert Kubica wird klar sein, dass sich diese Erklärungen schnell wie Ausreden anhören, wenn man der Einzige ist, der in diesem Ausmaß damit zu kämpfen hat. Und so lange wird der Ruf wohl auch weiter leiden.

Andreas Reiners / mid

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