Ratgeber

Gefahr durch unbeschrankte Bahnübergänge

  • In RATGEBER
  • 3. September 2020
  • Redaktion
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@ schofi (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

In der Regel werden Schranken von Verkehrsteilnehmern eher als lästiges Hindernis angesehen, welches die Durchfahrt versperrt oder nur gegen die Entrichtung einer Gebühr ermöglicht. Es gibt allerdings eine Situation im Verkehr, in der sich die Autofahrer eher mehr als weniger Schranken wünschen.

Die Rede ist von Bahnübergängen. Über 16.000 gibt es im Verantwortungsbereich der Deutschen Bahn davon in Deutschland, viele davon sind unbeschrankt. Doch auch wenn sich die Anzahl der Bahnübergänge seit Jahren verringert und auch die Unfallhäufigkeit sinkt, kommt es immer wieder zu folgenschweren Unfällen aufgrund nicht technisch gesicherter Bahnübergänge. Viele davon enden tödlich. Fast alle wären vermeidbar.

Schranken und Parkmanagementsysteme verursachen natürlich zunächst Kosten. Ob und wie ein Bahnübergang gesichert werden muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Maßgeblich hierfür sind die Art der Bahnstrecke, die Anzahl der Fahrzeuge auf der kreuzenden Straße, sowie die Geschwindigkeit der Züge. Eingleisige Nebenstrecken, auf denen Züge mit maximal 80 km/h verkehren, bedürfen grundsätzlich überhaupt keiner technischen Sicherung. Ein Andreaskreuz ist hier ausreichend. Dies betrifft in Deutschland ca. 38 % der Bahnübergänge. Der Rest verfügt über Sicherungssysteme entweder in Form von Lichtzeichen oder Schranken (Halbschranken oder Vollschranken). Natürlich wird häufig die Frage gestellt, warum nicht alle Bahnübergänge in Deutschland beschrankt werden. Doch die Installation dieser Systeme ist teuer und zeitaufwändig. Erst ab einem bestimmten Verkehrsaufkommen wird daher über die Installation technischer Sicherungen überhaupt nachgedacht. In Deutschland ist dies aber einer Frequenz von 2.500 Autos täglich der Fall.

Da Bahnübergänge sowohl Straße als auch Schiene betreffen, gilt der Bau von technischen Sicherungen als Gemeinschaftsaufgabe, die zu je einem Drittel der Deutschen Bahn, dem Straßenbaulastträger und dem Bund zufällt. In diesem Verhältnis werden auch die Kosten aufgeteilt. Für die Installation einer Schrankenanlage werden ca. 500.000 Euro veranschlagt. Doch nicht nur der finanzielle Aspekt verhindert oder verzögert den Bau dieser Anlagen. Auch das Planungs- und Genehmigungsverfahren zieht sich meist jahrelang hin. Das Baurechtsverfahren alleine kann bis zu zwei Jahre in Anspruch nehmen. Oft müssen auch schwierige Verhandlungen mit Grundstückseigentümern geführt werden. Der Genehmigungsprozess und etwaige Einspruchsfristen können nicht selten länger als fünf Jahre dauern.

Da in naher Zukunft also nicht damit zu rechnen ist, dass unbeschrankte Bahnübergänge aus dem Verkehrsbild verschwinden werden, ist das richtige Verhalten an Bahnübergängen eine alternativlose Notwendigkeit. Statistiken zufolge sind die allermeisten Unfälle an Bahnübergängen auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen, wären also vermeidbar. Häufig wird unterschätzt, wie lange der Bremsweg eines Zuges ist. Während ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h einen Bremsweg von ca. 30-40 Metern aufweist, benötigt ein Zug dafür einen Kilometer. Es ist dem Lokführer demnach unmöglich, durch rechtzeitiges Bremsen einen Unfall zu verhindern.

Eine Umfrage unter Verkehrsteilnehmern enthüllte kürzlich, dass eine erschreckende Anzahl an Menschen das blinkende Rotlicht vor einem Bahnübergang mit dem Gelb der Ampel gleichsetzten, ein zwingendes Anhalten also nicht für notwendig hielten. Schon bei der ersten Ankündigung eines Bahnübergangs sollte sich der Verkehrsteilnehmer entsprechend vorsichtig verhalten. Ein langsames Annähern an den Bahnübergang und ein gänzliches Überblicken der Verkehrssituation gehören genauso dazu wie das Achten auf akustische Signale. Es hilft daher, das Radio leiser zu stellen. Das Überholen anderer Autos oder gar das Umfahren von Halbschranken ist selbstverständlich ein Tabu.

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