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Mazda feiert seinen 100.Geburtstag - Mit eigenen Ideen gegen den Strom

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Fast zeitgleich mit dem legendären NSU Ro 80 erscheint 1967 in Japan der Mazda 110 S Cosmo, dessen Wankel gleich zwei Scheiben hat und 1.176 Mal gebaut wird Foto: Mazda

Der japanische Autohersteller Mazda feiert in diesem Jahr gleich drei runde Jubiläen: Firmengründung vor genau 100 Jahren, ein Dreirad-Laster als erstes Motorfahrzeug zehn Jahre später und vor 60 Jahren rollte der erste Mazda-Pkw vom Band. Ein langer Weg für die Firma, die stets etwas anders sein wollte als der Wettbewerb und dabei für manche Überraschung gut war.

Dieser inoffizielle ,,Werbespruch" schaffte es nie auf Plakate oder Zeitungsanzeigen. ,,Platz da für Mazda" wurde im deutschen Volksmund geboren, funktioniert auch nur in unserer Sprache und wird heute nur noch von eingefleischten Fans der ersten Stunde verstanden. Denn eigentlich gab es in den Siebzigern auf dem deutschen Automarkt keinen Platz für barock anmutenden Modelle von einer Marke, die keiner kannte. Ein später Start also für Mazda in Deutschland. An die Limousinen wie den 616 oder 818 erinnert sich kaum noch jemand, eher schon an das kompakte Coupé MX-3. Ein Kürzel, das aber noch von sich reden machen sollte.

Mit Blick auf diese Anfänge in Deutschland sind die Feierlichkeiten zum 100. Jubiläum eher ein Ausflug in eine Firmengeschichte, die mit Autos lange Zeit gar nichts zu tun hat. Als überall auf der Welt nach dem ersten Weltkrieg die Fließbänder ins Rollen kommen und die massenweise Motorisierung ihren Anfang nimmt, beginnt eine kleine Industrieklitsche in Hiroshima mit der Produktion von industriellem Dichtmittel als Ersatz für den knappen und deshalb begehrten Kork. Die heutigen Manager sehen diese Entscheidung als ersten Beleg für den Ideenreichtum, der Mazda bis heute auszeichnet. Als Kork wieder reichlich zu haben ist, schwenkt die Firma auf die Entwicklung und Produktion von Motoren aller Art um. Präsident wurde Jujiro Matsuda. Wer den Namen des Industriellen laut ausspricht erkennt schnell, woher der heutige Firmenname kommt.

Es geht in kleinen Schritten weiter. Das erste richtige Fahrzeug ist ein motorisiertes Dreirad mit Ladefläche (1930), mit dem Handwerker auf den kaum befestigten Straßen des Kaiserreichs ihre Kunden besuchen. Erst 1940 präsentiert das Unternehmen den Prototypen eines kleinen Pkw. Da Japan aber zu dieser Zeit seine asiatischen Nachbarn und auch die USA überfällt, wird das Auto nie gebaut. Beim Abwurf der Atombombe auf Hiroshima bleibt das Werksgelände dank eines Bergschattens nahezu unzerstört, gleich nach Kriegsende startet die Produktion mit verschiedenen Nutzfahrzeugen. Erst seitdem ist Mazda ein echter Autobauer.

Erst 15 Jahre später nimmt die Welt die kleine Unbekannte aus dem Fernen Osten wahr. Weniger durch die Premiere des ersten Pkw, einem winzigen Zweisitzer, als durch einen spektakulären Vertragsabschluss. Mazda erwirbt von der deutschen Firma NSU, die heute zu Audi gehört, die Lizenz zur Nutzung und Weiterentwicklung des Wankelmotors. Fast zeitgleich mit dem legendären NSU Ro 80 erscheint 1967 in Japan der Mazda 110 S Cosmo, dessen Wankel gleich zwei Scheiben hat und 1.176 Mal gebaut wird. Das zweitürige Sportcoupé war der erste von einer langen Reihe von Wankel-Modellen, die Mazda seitdem verkauft.

Von den Premieren-Modellen für Deutschland hat nur der RX-3 ein solches Triebwerk unter der Haube. Richtig erfolgreich ist aber erst der Sportwagen RX-7 mit seinen Klappscheinwerfern. Den Durchbruch in Deutschland schafft Mazda dann mit dem Kompakt-Modell 323 und der Mittelklasse-Limousine 626, die in den 80er-Jahren sogar meistverkauftes Importmodell wird. Mazda ist also in Europa angekommen, überrascht immer wieder mit Modellen abseits der Norm. Sogar zur Ikone wird der knapp vier Meter lange MX-5, der den fast vergessenen Roadster wieder auf die Straße bringt und über Jahre hinweg meistverkauftes Modell seiner Art ist. Inzwischen hat die Produktion die Millionen-Marke überschritten.

Doch das Auf und Ab geht weiter. Da Ford 1996 seinen Anteil an Mazda auf mehr als ein Drittel erhöht, erlahmt die Dynamik des Aufstiegs, Mazda muss sparen und darf sich nicht mehr auf Experimente wie den MX-5 einlassen. Erst nach dem Ausstieg der Amerikaner sind die Japaner wieder in der Spur. Nicht nur mit neuen Modellen wie den SUV CX-3 oder CX-5 kommt der Erfolg zurück. Mazda besinnt sich auch wieder auf seine Stärke, neue technische Lösungen als erster anzubieten. Beispiel sind die sogenannten Skyactiv-Motoren, mit denen die Japaner früher als alle anderen gegen den Trend des Downsizings antreten. Die Benziner wurden dank besonders hoher Verdichtung sparsamer und umweltgerechter. Umgekehrt sind die Dieselmotoren niedriger verdichtet als üblich. Auch die Designsprache ändert sich, das Zauberwort ,,Kodo" (zu deutsch ,,Herzschlag") macht die Mazda-Modelle extravaganter und unverwechselbar. Den Kunden gefällt´s.

Die Pläne für die nächsten Jahre, die das Unternehmen vor dem 100jährigen Jubiläum verkündete, lesen sich wie ein Innovationskatalog. So will Mazda zusammen mit Wissenschaftlern einen CO2-neutralen Biokraftstoff entwickeln. Basis sollen künstlich gezüchtete Mikroalgen sein, die bei ihrer Verbrennung im Auto nur soviel CO2 freisetzen wie sie im Laufe ihres Wachstum durch Fotosynthese der Umwelt entnommen haben. Weiterer Vorteil: Bei der Zucht, die sogar in Abwasser gelingen soll, werden keine wertvollen Lebensmittel und Agrarflächen verschwendet wie bei anderen Biokraftstoffen.

Zudem setzt nun auch Mazda auf Elektromobilität. Der reine Stromer MX-30, der noch in diesem Jahr erscheint, hat eine vergleichsweise kleine und leichtere Batterie. Damit kommt er zwar nur rund 200 Kilometer weit, was aber für die meisten Kunden völlig ausreichend sein soll. Dafür wird an CO2 bei der Produktion der Batterie gespart. Für Kunden, die gerne weiterkommen wollen, meldet sich der Wankelmotor zurück. Eine kleine Version des Triebwerks soll die Batterie des MX-30 unterstützen und den Akku nachladen.

Alles folgt der selbstgestellten Aufgabe, den Schadstoffausstoß der Mazda-Modelle bis 2030 um 50 Prozent verglichen mit 2010 zu senken. Bis 2050 sollen es 90 Prozent werden. Zum Fahrplan gehört auch die Wiederentdeckung der großen Limousine, von der es neben einem Plug-in-Hybrid wie üblich bei Mazda gegen den Trend auch eine besonders effektive Diesel-Variante geben soll.

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