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Test: NIU UQI GT Pro - Der etwas andere E-Roller

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Trotz der geringen Masse ist der UQI kein Kurvenwiesel, dafür fährt er stets nachvollziehbar und verlässlich Foto: RKM

E-Roller aus China sind auch bei uns in. Der NIU N-GT hat sich als Bestseller etabliert. Der NIU UQI will es ihm nachtun. Das wird nicht leicht.

d. Donau. Der chinesische Rollerhersteller NIU hat sich zu einem Schwergewicht bei den Elektrorollern gemausert. Weltweit haben die Chinesen mehr als eine Million Fahrzeuge unter die Leute gebracht, bei uns hat der N-GT im vergangenen Jahr sogar den zweiten Platz der Leichtkraftroller-Charts erobert. Ob sie mit ihrem neuesten Gefährt, dem UQI, ähnlich erfolgreich sein werden, wird sich zeigen müssen: Der Neuling hebt sich schon allein optisch aus der Masse nicht nur der NIUs, sondern aller Elektroroller hervor. Er polarisiert mit seiner puristischen Formgebung und ungewöhnlichen technischen Lösungen, allein die minimale Frontverkleidung erinnert mit dem NIU-üblichen LED-Scheinwerfer samt integriertem rundem Tagfahrlicht an seine Herkunft.

Der Rohrlenker kommt gänzlich ohne Umhüllung und verkörpert als Stilmittel den Purismus. Um den UQI besonders schmal ohne Einbußen beim Sitzkomfort halten zu können, griffen die Entwickler auf einen Kniff zurück: Statt eines breiten Trittbretts sind rechts und links des Rahmentunnels Auflagen montiert, auf denen die Fahrerfüße in angenehmem Abstand zum Sitzplatz ruhen. Das ermöglicht nicht nur relaxte Kniewinkel, auch ist die Haltung insgesamt entspannt, denn der vergleichsweise schmale Lenker ist nach oben in eine gute Greifhöhe gekröpft.

Kleiner Pferdefuß der Konstruktion ist die beachtliche Polsterhöhe von 84 Zentimetern, wegen der man nicht ohne weiteres mit beiden Beinen auf den Boden kommt. Allerdings macht das äußerst geringe Gewicht von 66 Kilo die Beherrschung des UQI beim Warten an der Ampel leicht. Auch das Rangieren des Leichtgewichts lässt sich von zarten Staturen problemlos bewerkstelligen, im Gegensatz zum Aufbocken auf den Hauptständer - in Ermangelung eines guten Griffpunkts und des schlechten Arbeitswinkels artet das in echte Arbeit aus.

Doch der UQI soll ja fahren und nicht parken. Das ist nach folgender Prozedur möglich: Zuerst muss der NIU per Fernentriegelung entsperrt werden, dann wird der Zündschlüssel gedreht und der grüne Aktivatorschalter (das Anlasserknöpfchen bei Verbrennern) gedrückt, bis im Cockpit ein grünes ,,Ready" die Arbeitsbereitschaft signalisiert. Dann kann es losgehen, wahlweise im vollen 45-km/h-Modus oder auf 25 km/h gedrosselt, was sich über einen Plus-Minus-Schalter auch während der Fahrt ändern lässt. Den Vortrieb selbst steuert ein Bosch-Gleichstrommotor im Hinterrad bei, der maximal zwei Pferdchen, auf Dauer 1,6 PS liefert. Das reicht zu arttypischer Fahrdynamik mit flottem Start und gutem Durchzug auch an leichten Steigungen, gefördert durch die asketische Struktur.

Hat man sich einmal mit der nicht veränderbaren Fußstellung arrangiert, erfreut der NIU mit angenehmer Lenkpräzision und guter Stabilität bei Geradeaus- wie Kurvenfahrt. Das ist in erster Linie ein Verdienst der relativ großen Vierzehnzollräder, die darüber hinaus einen guten Abrollkomfort bieten. Doch auch die steife Rahmenverbindung zwischen Telegabel und Hinterradschwinge spielt eine positive Rolle.

Über die Lenkstange gibt der Pilot mühelos Richtungsbefehle, die der Chinese mit hoher Genauigkeit umsetzt. Trotz der geringen Masse ist der UQI aber kein Kurvenwiesel, dafür fährt er stets nachvollziehbar und verlässlich. Für die Schubumkehr sorgen je eine Scheibenbremse vorn und hinten, die miteinander gekoppelt agieren. Neben der guten Verzögerungsleistung sorgt eine Energierückgewinnung dafür, dass beim Bremsen Energie in die Batterie zurück gespeist wird.

Lange Touren macht nicht etwa der fehlende Windschutz zunichte, vielmehr fällt die Sitzgelegenheit doch arg spartanisch aus. Die effektive Etappenlänge wird aber in erster Linie durch das Energieangebot des herausnehmbaren Panasonic-Akkupacks limitiert. Maximal stellt die Batterie der GT-Version zwei Kilowattstunden zur Verfügung, in der Basisversion ohne GT ist es nur die Hälfte - zum Preis von 1.900 Euro statt der 2.600 Euro des UQI GT Pro. Je nach Fahrweise und eingelegtem Modus soll der Strom für eine Strecke von 45 bis 80 Kilometer langen - letzteres aber nur bei reduziertem Tempo von 20 km/h, was nicht praxistauglich ist.

Der nur fünf Kilo wiegende Akku ist leicht unter dem aufklappbaren Fahrersitz herausgenommen und in der Wohnung ladbar, Garagenbesitzer können sich diesen Aufwand sparen und die Batterie mittels direktem Anschluss unterm Sitz über das externe Ladegerät auffüllen. Obwohl der Akku keine sonderlich hohe Kapazität aufweist, dauert es von leer bis voll bis zu neun Stunden.

Dieses Manko kann die NIU-typische Hightech-Ausstattung nur ansatzweise kompensieren. Hervorzuheben ist hier die App-Anbindung übers Handy, mit der sich nicht nur zahlreiche Fahrzeugparameter abrufen lassen. Die Applikation zeigt auch den Standort des Rollers an, schaltet den Alarm ein- und aus und verriegelt den UQI. Außerdem warnt ein sechsachsiger Bewegungssensor über die App, wenn jemand den NIU unbefugt bewegt. Was bei der interessanten Machart ja durchaus vorkommen könnte.



NIU UQI GT Pro - Technische Daten:

Motor: luftgekühlter bürstenloser Gleichstrommotor, Dauerleistung 1,2 kW/1,6 PS, 24 Nm; Radnaben-Direktantrieb; Lithium-Ionen-Akku, 42 Ah.

Fahrwerk: Stahlrohrrahmen, Telegabel vorne; Stahl-Zweiarmschwinge hinten, zwei Federbeine, Leichtmetallgussräder; Reifen 90/90-14 vorne, 100/80-14 hinten. 22 cm Einscheibenbremse vorne, 18 cm Einscheibenbremse hinten.

Maße und Gewichte: Radstand 1,30 m, Sitzhöhe 84 cm, Gewicht fahrfertig 57 kg, max. Zuladung 90 kg.

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 45 km/h, Reichweite Hersteller: 45 Kilometer

Preis: 2.599 Euro

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