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Oldtimer-Test: Mazda Cosmo Sport 110 S und Luce - Das doppelte Flottchen

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Alles andere als langweilig, dieser flache und langgestreckte Cosmo Sport 110 S Foto: Mazda

Was macht eine weitgehend unbekannte Autofirma, um Aufmerksamkeit zu erregen. Klar doch, sie baut ein besonderes Auto, um endlich mal aufzufallen. Und weil Klotzen nun mal besser als Kleckern ist, schickte Mazda Ende der 1960er-Jahre gleich zwei sportliche Modelle auf die Reise.

Augsburg in Corona-Zeiten, ein Hotelparkplatz sorgt für Abstand unter freiem Himmel. Zum runden Jubiläum hat sich Mazda aus dem benachbarten größten Marken-Museum Deutschlands bedient. Ein RX 7 steht da, natürlich der knuddelige MX-5. Aber auch der erste Mazda 323, Japans Heckantrieb-Antwort auf den VW Golf. Oder der größere 929, der als Konkurrent für 5er-BMW oder Mercedes E-Klasse dient. Unumstrittene Stars sind zwei weiße Sportwagen mit Rechtslenkung, beide bereits Ende der Sechziger-Jahre erschienen. Mit ihnen hatte bemüht sich Mazda versucht, auch außerhalb Japans für Beachtung zu sorgen. Frei nach dem Motto: ,,Wir können mehr als nur langweilige Limousinen."

Alles andere als langweilig, dieser flache und langgestreckte Cosmo Sport 110 S: Der Zweisitzer blickt mit eingerückten Scheinwerferaugen hinter einer Plexiglas-Abdeckung in die Welt, der sichtbar enge Lebensraum für die beiden Insassen trennt die jeweils langgeratene Motor- von der Kofferraumhaube. Ein abnehmbares Hardtop verwandelt das Coupé bei schönem Wetter in einen Roadster. Doch es regnet im bayerischen Schwabenland. Ein wenig erinnert die Silhouette des Cosmo an US-Klassiker wie Ford Thunderbird aus den 60er- Jahren oder auch die noch ältere Corvette.

Mit dem Cosmo will Mazda auch seinem ungleich größeren Lokalrivalen Toyota in die Parade fahren. Der Marktführer bringt fast zeitgleich seinen Sportwagen 2000 GT auf den Markt, der sich eher am legendären Jaguar E-Type orientiert. Dass der Toyota für ungleich mehr Furore als der Rivale aus Hiroshima sorgt, hat einen einfachen Grund: Im 2000 GT düst Sean Connery als ,,James Bond" in ,,Man lebt nur zweimal" durch Tokio. Der 007-Held ist damals übrigens 37 Jahre jung, gerade wird er 90. Lang ist's also her.

Neben dem Cosmo parkt die elegante Alternative, der Mazda Luce (gesprochen ,,Luut-sche"), ebenfalls ein Coupé, aber mit schmaler Rückbank für die Tour zu Viert. Erinnerungen an klassische italienische Nobel-Coupés werden wach. Kein Wunder, das Design des Luce stammt von Bertone, der bekanntlich auch für Lancia oder Alfa tätig ist. Das ändert nichts an der zeitlosen Noblesse, die seinerzeit wohl niemand als ,,japanisch" verortet hätte.  Rahmenlose Fenster sorgen zusammen mit der glatten Seitenpartie für Unaufdringlichkeit, zeitgemäß auch die Doppelscheinwerfer unter der sanft nach vorne abfallenden Motorhaube. Nur die auf den Kotflügeln montierten Außenspiegel stören die Harmonie. Aber die sind damals in Japan Pflicht.

Beide japanischen Raritäten haben eine Gemeinsamkeit: Unter den Hauben wird rotiert. Cosmo und Luce gehörten zu den ersten Mazda-Modellen, die von einem 1961 geschlossenen Vertrag mit dem deutschen Autohersteller NSU profitieren dürfen. Die Japaner erwerben das Recht, die deutsche Erfindung namens Wankelmotor zu nutzen und weiter zu entwickeln. Bis zum Ende des letzten Wankel-Modells, dem Sportwagen RX-8, verkauft Mazda fast zwei Millionen Autos mit dieser Technik. Der inzwischen zu Audi gehörende ,,Verkäufer" des Wankel schafft dagegen für rund 40.000 Verkäufe und packt 1977 die hochgepriesene Erfindung in den Firmenkeller.

Ein energischer Dreh am Zündschlüssel erweckt unseren Wankel im Mazda Luce zum Leben. In das typisch helle Singen der beiden Scheiben mischt sich Auspuffbollern. Der 1,3-Liter-Motor (kein Hubraum, sondern Kammervolumen) schickt immerhin 93 kW/126 PS an die Hinterräder. Das dünne Holzlenkrad erfordert feste Zupacken mit dem Handballen. Schnell wird klar, dass die Lenkung sorgsam dosiert werden will. Ständige Korrekturen um die Mittelachse beim Geradeausfahren, der Luce liebt Rechtskurven und bockt aber im Kapitel Präzision, wenn es linksherum gehen muss. Nach ein paar Kilometern tritt Gewöhnung ein.

Das Getriebe flutscht wie eh und je durch die vier Gänge, nur beim Zurückschalten in den 2. Gang sollte die Drehzahl passen. Falls nicht, knirscht es bedrohlich. Natürlich ist der morbide Charme der Patina eines solchen Oldtimers stets gegenwärtig. Die drei Rundinstrumente aus der analogen Welt sind gut im Blick, die diversen Kippschalter wollen gelernt werden. Zumindest aber sind gleich vier elektrische Fensterheber vorhanden, die für eine durchgehende Frischluft ohne störende Säule zwischen den Sitzreihen sorgen. Der Mazda Luce erweist sich immer noch als durchaus langstreckentauglich, auch wenn die Begegnung in diesem Fall nach gut 50 Kilometern endet.

Da ist der Cosmo aus anderem Blech gestanzt. Obwohl Mazda mit seinen bisherigen Modellen nichts mit Sportlichkeit am Hut hatte, gelingt den Ingenieuren von einst auf ihrem Neuland Beachtliches. Gleicher Wankelmotor wie im Luce, aber zwei kW stärker. Damit soll er früher die Tempo- 200-Marke geknackt haben und in weniger als neun Sekunden auf 100 km/h gespurtet sein. Der Respekt vor dem Alter des Prachtstücks verbietet eine Nachprüfung. Alles am Como ist deutlich straffer, die Bremsen wollen energisch getreten, die fünf Gänge erst später in die nächste Stufe entlassen werden. Bei aller altersbedingten Ungenauigkeit lässt sich der Zweisitzer dennoch immer noch flott um die Ecken scheuchen. Alles ein luxuriöser Spaß, den die Japaner selbst nie erleben durften. Kaum anderswo gibt es ein so strenges Tempolimit.

Eine deutsche Autobahn haben beide Mazda-Ikonen zu Lebzeiten in Kundenhand nie unter die Räder genommen, sie wurden nicht in Europa verkauft. Auch im Heimatland spielten sie nur als Zugpferd fürs Image eine Rolle, waren aber auch nicht als Verkaufsschlager geplant. Über 1.000 gebaute Cosmo-Exemplare können sich aber sehen lassen. Beide Modelle markieren den Startschuss für die sportlichen Mazda-Gene von heute. Und die wurden bei der Rückfahrt in die Gegenwart in einem Mazda CX-5 deutlich. Dessen Fahrleistungen, Komfort und sonstige Fähigkeiten übertreffen die seiner Ahnen um ein Vielfaches.

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