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Sonst noch was? - Wisch und weg

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  • 20. September 2020, 09:54 Uhr
  • Günter Weigel/SP-X
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Sonst noch was? Foto: SPX

Autos erhöhen den Sex-Appeal. Da schadet es nicht, wenn sie gut aussehen. Aber generell ist es besser, Bilder sprechen zu lassen als Designer.

Wisch und weg! Die älteren unter uns kennen das aus der Werbung für saugkräftige Papiertücher. Aber um die geht es hier jetzt nicht. Wisch und weg ist den jüngeren heutzutage eher von Tinder bekannt, der App, wo man mit einem Wischen nach links oder rechts - wir kennen uns da nicht aus - festlegt, wer denn eines späteren Treffens würdig sein könnte und auf entsprechende Treffer hofft. Unabhängige Forscher von Clig4Reg haben nun versucht herauszufinden, welche Wirkung auf die Rechts- oder Links-Bewegung es hat, wenn außer dem Objekt hoffnungsvoller Begierde noch ein Auto abgebildet ist. Nämliches natürlich im Hintergrund. Und damit es fair zugeht, haben sie das immer gleiche Bild eines Mannes und einer Frau genommen, und alle 150 Wischer das Auto im Hintergrund gewechselt. Die Autoindustrie wird es freuen: Es macht einen Unterschied.

Frauen fanden den abgebildeten Herrn deutlich interessanter, wenn eine Mercedes-C-Klasse im Bild war, gefolgt von einem Range Rover Sport und einem 3er BMW. Männer fanden die Frau mit dem Range am besten, gefolgt von einer mit einem Audi A3 und einer mit einem VW Polo im Bild. Geschlechterübergreifend war die C-Klasse das Auto, das dem Date am Nützlichsten war, gefolgt vom Range und vom Polo.

Mit einem Toyota Yaris oder Hyundai i10 braucht man übrigens nicht vorzufahren, wenn man tiefergehende Absichten hat. Jedenfalls legen das die oberflächlich betrachteten Ergebnisse der Studie nahe. Weil es bei Tinder aber zuvorderst nicht um Autos, sondern doch eher um Zwischenmenschliches geht, würde doch mehr als die Hälfte der Getesteten das potenzielle Gegenstück nicht wegwischen, nur weil ein altes Auto im Hintergrund steht. Andererseits schließen Zweidrittel der Befragten nicht aus, sich ein hübsches Auto zu leihen, um die Chancen zum Treffen zu erhöhen.

Ganz sicher die Chancen erhöht hätte ein Bugatti im Hintergrund. Wenn dann noch der oder die Auszuerwählende ein Fläschchen Schampus unter Arm hätte, wäre das wohl auch kein Fehler. Natürlich müsste die Flasche von Carbon sein, bekanntlich der offizielle Champagnerlieferant des Hauses Bugatti. Gut, dass der wiederum just zum Jubiläum des vor einem Jahr aufgestellten Geschwindigkeitsrekordes des Bugatti Chiron Supersport ein neues Cuvée kreiert hat: den Carbon EB.02. Nun sind wir in Sachen Champagner geringfügig besser informiert als über Tinder, kennen das Stöffchen aber aus eigener Erfahrung nicht.

Wir hätten ja flugs eine Flasche bestellt, fanden auf der angetrailerten Website aber nur das Vorgängermodell EB.01 zum Spottpreis von gerade mal 270 Euro. Der riecht, so die Beschreibung, nach altem Gold - außerdem nach Butter, Karamell, Nüssen und Waldhonig. Zum ,,Ballett der Aromen" gehören ferner Gebäck, Unterholz, braune Pilze, Pflaume, Mirabellen, frischer Kaffee und Nougatine. Tja, wenn der Dichter zum Trinker wird, dichtet er halt immer dichter - oder, um einmal mehr den nicht besonders berühmten, aber sprachbegabten Jazzmusiker Ray Anderson zu zitieren: ,,Talking about music, is like dancing about architecture". Das gilt naturgemäß auch für andere Kunstarten. Sogar für Design.

Diesbezüglich haben wir dieser Tage wieder einmal erfahren, in wie viele schöne sinnfreie Worte man ein Autodesign fassen kann. Ausnahmsweise verraten wir die Marke diesmal nicht. Im Grunde gilt es pars pro toto für alle. Vor allem, wenn der Designer versucht, einen neuen Stil zu erklären. ,,Sinnliche Sportlichkeit" könnte allerdings zu den Dingen gehören, die bei Tinder nicht weggewischt werden. Jetzt muss die Person mit dem wischenden Daumen nur noch verstehen, dass so ein Auto just derlei aus- und auf den Probanden im Vordergrund abstrahlt. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.

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