Ratgeber

Schilder-Aktion in Baden-Württemberg sorgt für bundesweite Aufmerksamkeit

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  • 12. Oktober 2020
  • Redaktion
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@ Quelle: Verkehrsministerium Baden-Württemberg, Rainer Haas

Die angepasste Geschwindigkeit und der richtige Abstand im Straßenverkehr können Leben retten. Die meisten Unfälle passieren außerorts.

Am 05.08.2020 hat das Verkehrsministerium Baden-Württemberg deshalb eine aufmerksamkeitsstarke Kampagne ins Leben gerufen. "Vorsicht. Rücksicht. Umsicht" lautet das Motto, unter dem über 100 Schilder auf Parkplätzen und an Landstraßen Baden-Württembergs aufgestellt wurden.

Ein paar km/h weniger retten Leben!

Trotz guter Sichtbarkeit finden die Höchstgeschwindigkeiten laut Beschilderung nicht die benötigte Beachtung. Im vergangenen Jahr war die Unfallrate außerorts zwar niedriger als noch im Jahr zuvor, doch Entwarnung kann nicht gegeben werden. Die meisten Unfälle außerorts passieren durch eine unangepasste oder zu hohe Geschwindigkeit und zu geringe Abstände zum Vordermann. Überall im Land ziehen die vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg aufgestellten Schilder Blicke auf sich ziehen und rufen bei Verkehrsteilnehmern einen Moment der Erkenntnis hervor. Denn diese Schilder weichen von bekannten Verkehrsbeschilderungen ab und enthalten zum Beispiel mit einem Augenzwinkern zu betrachtende Botschaften, die den Wildwechsel oder das Regnen untersagen. Da weder Wildtiere noch der Regen durch die Schilder beeinflusst werden, bekommt der Verkehrsteilnehmer mit diesem Appell einen Denkanstoß.

Auf der Webseite des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg finden Interessierte alle Hintergründe zur Aktion. Diese möchte darauf aufmerksam machen, dass jeder Verkehrsteilnehmer selbst verantwortlich ist und eine Reduzierung der Geschwindigkeit oft ausreicht, folgenschwere Unfälle zu vermeiden.

Warum Baden-Württemberg unkonventionelle Methoden ergreift

Außerhalb geschlossener Ortschaften ereignet sich zwar nur etwa ein Drittel der Verkehrsunfälle in Baden-Württemberg. Fast zwei Drittel (64 Prozent) der tödlichen Unfälle passiert jedoch genau dort. 2019 starben so 281 Menschen auf den Landstraßen von Baden-Württemberg.

Der häufigste Grund für die tödlichen Unfälle war im letzten Jahr nicht angepasste Geschwindigkeit. Das heißt: Auto- und Motorradfahrer waren schneller unterwegs als erlaubt. Oder: Sie hielten sich an das Tempolimit, verloren aber die Kontrolle über ihr Fahrzeug. Regen, Nebel, Wildwechsel oder eine kurvenreiche Straße sind dabei besonders häufige Ursachen für den Kontrollverlust. Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg will daher mit seiner Schilder-Aktion wieder mehr Fahrer sicher nach Hause bringen.

Mit diesen 5 Grundregeln sicher ans Ziel

Auto- und Motorradfahrer haben es selbst in der Hand, sicher ans Ziel zu kommen. Diese 5 Grundregeln helfen ihnen dabei:

Geschwindigkeit anpassen

Ob freie Fahrt, Regen oder schwer einsehbare Kurven: Auto- und Motorradfahrer sollten ihre Geschwindigkeit immer den äußeren Bedingungen und Umständen auf der Straße anpassen. Nur selten ist es dabei möglich, das Tempolimit zu erreichen. Denn: Dies ist in der Regel nur bei freier Fahrt und auf gerader Strecke möglich.

Ausreichend Abstand halten

Zahlen aus 2019 zeigen: Wer nicht genug Abstand zum Vordermann hält, riskiert einen Unfall – teils mit schweren Folgen. Im vergangenen Jahr gehörte nicht ausreichender Abstand daher zu den fünf häufigsten Unfallursachen in Baden-Württemberg. Zur Orientierung: Der Abstand in Metern sollte dem halben Tachowert entsprechen. Ist die Fahrbahn nass, sollten Fahrer einen ganzen Tachowert Abstand halten.

Bremsweg nicht unterschätzen

Autos und Motorräder benötigen einen längeren Bremsweg als Fahrer oftmals annehmen. Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h braucht ein Auto beispielsweise 80 Meter, um zum Stehen zu kommen. Bei Nässe wächst der Bremsweg deutlich an.

Auf Wildwechsel achten

Auto- und Motorradfahrer sollten Hinweise auf Wildwechsel so ernst nehmen wie das Tempolimit. Denn: Wildwechsel kommt vor allem in Waldgebieten und während der Dämmerung regelmäßig vor. Für die Praxis heißt das: Geschwindigkeit reduzieren und besonders aufmerksam fahren.

Nur bei klarer Verkehrssituation überholen

Eine nasse Fahrbahn, eine kurvenreiche Strecke, Nebel oder Gegenverkehr – eindeutige Indizien dafür, keinen Überholvorgang zu starten. Denn: Überholen weist stets ein Risiko auf. Überholvorgänge trotz Gegenverkehr gehören beispielsweise zu den fünf häufigsten Unfallursachen mit Todesfolge in Baden-Württemberg.

Schilder-Aktion mit Vorbildwirkung

Baden-Württemberg geht mit gutem Beispiel voran. In allen Bundesländern passieren die meisten Unfälle außerorts aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit. Das Projekt könnte ein bundesweiter Anstoß sein, Verkehrsteilnehmer zu mehr Sorgfalt, einem Blick auf den Tacho und zu ausreichend Abstand aufzufordern.

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